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München, Ampere, 24.10.2006

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Fotos: Adelina Schmidtlein


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Bernard Allison
Bernard Allison
Bernard Allison
Bernard Allison
München, Ampere, 24.10.2006

Jimmie Wood von den famosen IMPERIAL CROWNS trat kürzlich irgendwo in der ostdeutschen Provinz in einem Anflug größenwahnsinnigen Rockstarschwachsinns eine Flasche ins Publikum. Davon abgesehen, dass ihm das vor ein paar Jahrzehnten und bei einem entsprechend giftigen Publikum mindestens eine gebrochene Nase eingebracht hätte, gehört so ein Benehmen mit sofortigem Verlassen der Location bestraft. Wer seine Fans so behandelt, soll sich künftig seine Kohle als Treckerfahrer verdienen. Wenn da nicht ein klitzekleines Aber wäre...

Bernard Allison München, Ende Oktober, sehr lauer Herbstabend. Gut 100 Bluesologen stehen im gemütlichen Ampere-Club herum und verbreiten die Aufgeregtheit eines Anästhesistenkongresses. Das Rauchverbot scheint schon in Kraft zu sein, Alkohol wird nur in kleinsten Dosen zur Desinfektion verwendet, die Fäuste ballen sich noch nicht mal in den ausgebeulten Cordhosentaschen, da sind Schlüssel und Handy versteckt. Very Rock & Roll, das. Doch da kommt der Leibhaftige mitsamt seinen Schergen auf die Bühne und knallt den Veteranen und ihren verehrten Gemahlinnen ein böse gurgelndes "Hello Munich, we are here to kick your ass. This is the Bernard Allison Group and we play Rock & Roll!" vors politisch korrekte Bioschaf-Pulloverchen. Sekunden später headbangt die losgelassene Intelligenzija der Landeshauptstadt, dass der Schweiß bis an die Decke fliegt und das Stauwehr des benachbarten Auer Mühlbachs unter dem Druck der Gitarrenpower nachgibt und die Innenstadt überflutet wird.
So stellt sich der gutbürgerliche Rocker doch a night at the club vor, oder?

Bernard Allison
Bernard Allison

München, Ende Oktober, sehr lauer Herbstabend. Gut 100 Bluesologen stehen im gemütlichen Ampere-Club herum...
Zur Lethargie der Anwesenden kommt eine Bernard Allison Band, die ganz offensichtlich dem andauernden Tourstress nicht mehr gewachsen ist. Matt und ohne jegliche Kommunikation spulen Bernard Allison und seine drei Mannen ihr Programm ab, und wiegen die Lehrer, Doktoren und Abteilungsleiter (selbstverständlich mit den verehrten Gemahlinnen) in sanften Schlaf, der nur ab und zu, ganz selten, von einem harschen Gitarrenriff unterbrochen wird.
Nun gut, ganz so arg war es dann doch nicht, aber zweifeln darf der Käufer diverser B.A.-Alben (speziell der vorbildlich rockenden "Higher Power") nach diesem Auftritt allemal. Es war eben keiner da, der die sinnbildliche Flasche ins Publikum kickte, keiner der das von der Arbeit müde Volk ordentlich "anwichste", nicht mal ein kleiner Arschtritt war zu notieren. Das ist zu wenig für den Randale gewohnten Lärmfetischisten.

Der Start geriet sogar ganz ansehnlich, Bernard gab für zwei Songs den lässige Riffs abfeuernden Funkster und man wartete eigentlich auf die danach folgenden Boogiegranaten. Aber da kam dann nichts mehr. Warum?

Bernard Allison
Bernard Allison
In der Band ist mit dem Schlagzeuger Andrew Thomas ein absoluter Hochkaräter, der sein straightes Getrommle mit ganz wundervollen Off-Beats und Breaks veredelt, allerdings im Konzertverlauf auch ein besonders langweiliges XXL-Solo ablieferte, dazu mit Bassist Jassen Wilber ein notorisch notensicherer Bassist, der allerdings im Konzertverlauf ein besonders langweiliges XXL-Solo ablieferte und sich auch sonst nicht bewegte, und für die Keyboards hat sich Allison einen geholt, der augenscheinlich nicht Langzeitbegleiter Mike Vlahakis ist, dennoch sehr pfleglich mit den schwarzen und weißen Tasten umgehen kann. Allerdings lieferte der im Konzertverlauf ein besonders langweiliges XXL-Solo ab.
Und Bernard Allison selbst? Sympathisch ist er wie selten zuvor, ein überragender Gitarrist ist er wie eh und je, ein überdurchschnittlicher Shouter ebenfalls. Dass er im Konzertverlauf etwa 17 besonders langweilige XXL-Soli ablieferte... herrjemine, das ist Stoff für Akademiker und Bewegungsanalphabeten, aber nicht für vergnügungssüchtige Jungspunde wie uns.
Bernard Allison
Bernard Allison
Dabei kann der Mann doch alles. Funk, Soul, heavy dröhnenden Rock, Blues, Jazz, die Türen stehen sperrangelweit offen für abwechslungsreichste Abende zwischen Ausfallschritt und Jubelschreien. Doch München bekam im Grunde nur, sorry, drögen Bluesrock zwischen Allison Jr., Hendrix, Winter, Vaughan und Allison Sr. zu hören. Natürlich blitzte zwischendurch der Witz eines klassischen Chuck Berry-Gimmicks inmitten einer tosenden Bluesorgie auf, natürlich macht es Laune, wenn sich Slide-Virtuosität mit der vordergründigen Primitivität eines Biertrinker-Boogies vermischt, aber wenn diese Lichtblicke im behäbigen Stageacting und einer, speziell im zweiten Konzertteil, fürchterlich konservativen Setlist untergehen, bleibt am Ende ein fader Nachgeschmack. So viel Vorhersehbarkeit war selten und kommt in aller Regel nur bei den berüchtigten Blues-Coverbands auf.
Man möchte Bernard zurufen "Mensch, mach mal Pause, relax, hol tief Luft und wenn Du wieder kommst, ziehst Du uns mit der ganz großen Schaufel einen gepflegten Mittelscheitel."

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 27.10.2006

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