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High on emotions:
Barbara ClearMünchen, Olympiahalle, 24.04.2004 |
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Natürlich stand Barbara Clear nicht völlig alleine da während der Vorbereitung zu diesem Event. Ein kleines, dafür um so feineres und sympathisches Team hat ihr assistiert, dabei ist auch eine nette DVD-Dokumentation entstanden, und mit Hilfe einiger Sponsoren wurde das Projekt "Ich will in der Olympiahalle spielen!" professionell angegangen.
Und wir haben auch etwas dazu gelernt. Erstens kann man durchaus eine riesige Menschenmenge begeistern, ohne dass einem die Industrie-Konsumpolizei dies via Castingshow oder Werbeaufwand in Millionenhöhe mittels Gehirnwäsche vorschreibt und zweitens muss man nur verrückt genug sein und den Medien ein kleines Ballyhoo bieten, dann sind sie auch da, die Schreiberlinge und Fernsehmenschen. Mindestens fünf Fernsehteams tummelten sich beim Konzert, die schreibende Zunft war ziemlich komplett anwesend (nur die Apothekerzeitung und die Bäckerblume habe ich vermisst) und eine Kollegin eines nicht kleinen Musikmagazins begrüßte mich mal wieder mit "Hey Anarcho". Und es freut mich, dass auch diverse Leser des Home of Rock anwesend waren. Getroffen hab ich natürlich keinen, aber angekündigt hatten sich etliche.
Das Publikum war irgendwie lustig anzusehen. Elternabend mit familienübergreifender Funktion. Menschen von 4 bis 75, Rocker und Cowboys, Fernsehsesselsitzer und Kleinkunstexperten, alle waren da und machten ein Spektakel wie sonst nur Quitschies bei einer Boygroup. Da macht es nichts, dass sicher viele Anwesende nicht wussten, dass sich Barbara Clear bei ihren Songs solcher Rockklassiker wie LED ZEPPELIN, DEEP PURPLE oder LITTLE FEAT bediente. Es hat ihnen gefallen und das zeigt, dass man der Menschheit nur gewisse Dinge verschweigen muss, schon finden sie es toll. Ergo: Verschwiege man also, dass wir im HoR über Rock & Roll berichten, wir wären ein alle Schichten übergreifendes Onlinemagazin und in den Hitparaden würden sich gaaanz andere Namen tummeln. Clever gemacht, Frau Clear. Wir denken drüber nach und reden fortan nur noch von Volkskunst im Allgemeinen.
Es sieht schon komisch aus, die Bühne in dieser Riesenhalle nur von einem Mikrophon und 4 oder 5 Gitarren bevölkert zu sehen. Als die kleine Frau dann auf die Bühne kam und die beiden Videowände den "Einmarsch" übertrugen, tobte die Halle erstmals. Einfaches aber hübsches Bühnenbild, nur ein Vorhang mit verschiedenen Farben ausgeleuchtet, wunderbarer Sound (habe ich in dieser tontechnischen Rührschüssel selten erlebt) und B.C. mit Gitarre und zwei ruhigen, fast melancholischen Balladen am Anfang. Showtechnisch gesehen fast Selbstmord, aber das Publikum ließ sich darauf ein, lauschte, klatschte und jubelte. Dann packte sie den "Rock'n'Roller" aus und kam mit Jackson Browne und einer grandiosen Fassung von LITTLE FEATs Willin' daher, die sich angesichts dieser Interpretation fragen lassen müssen, warum sie in den letzten Jahrzehnten so eine schäbige Mitsing-Schunkelnummer daraus gemacht haben. Stairway To Heaven, When A Blind Man Cries, ihre eigenen mit D. Meaney geschrieben Songs, etwas von Kate Bush, Me And Bobby McGee von Kris Kristofferson... irgendwo zwischen Country, Folk, Singer/Songwriter, Blues, Indianermusik (wunderschön: Wounded Knee) und Americana groovte sich Barbara und das Publikum ein.
Pause nach 60 Minuten, Leute mit CDs und DVDs in Pappkartons praktizierten erfolgreich Direktmerchandising und es ist Zeit, sich ein wenig die Reaktionen im Publikum anzusehen. Die Leute sind happy!
Im zweiten Teil ging sie dann etwas auf "Nummer sicher". Soll heißen, die Songauswahl legte leichtes Übergewicht auf relativ populäre Gassenhauer, wobei natürlich Peter Gabriel's Solsburry Hill ein absolutes Highlight darstellte. Oder war doch Ruby Tuesday mein Favorit? Ich gestehe, nicht alle Originalinterpreten kannte ich, die Lieder hingegen natürlich schon, wenn auch nur aus dem Radio. Das Publikum auch und die Party wurde immer ausgelassener (in einen Song von Shania Twain - glaube ich jedenfalls - wurde geschickt We Will Rock You eingebaut und die Meute klatschte sich einen Wolf).
Leser darf nicht glauben, dass wir an diesem Samstagabend die Wiederauferstehung ehrlicher Musik erlebt hätten. Zu groß wäre der Aufwand, solche Sachen öfter ohne Industriesupport durchzuführen. Aber einen dicken Denkzettel hat Barbara Clear den Ignoranten im Big Business, den Medien und auch den Konsumenten verpasst. Und sie hat geschafft, ihren Namen überregional bekannt zu machen. Das wird ihr ganz sicher auf der geschäftlichen Seite in den kommenden Jahren helfen. Und vergönnt ist es ihr, denn welcher Künstler möchte seine Werke nicht in großem Stil verbreiten? Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 25.04.2004
Bilder: Adelina Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 24.04.2004
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