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Hocherfreut über die Gelegenheit, Mr. Powell sprechen zu dürfen und in Ermangelung des Kontakts mit dem Tourmanager (der dann aber auch auftauchte) stürmte ich Backstage ("Geh mal dahin, die sind da!") und direkt in das Band-Abendessen, und wurde von Andy mit der Frage empfangen, wer ich denn sei und was ich wolle. "Well, actually I have an appointment for an interview with you." Guter Start für ein Gespräch, geht kaum besser.
Wie auch immer, Mr. Powell erwies sich ganz als Gentleman, und kurze Zeit später ging es los.
ASH ist ja über die Jahre durch eine Menge Personalveränderungen gegangen (man sehe sich den Family Tree auf www.wishboneash.com an!), und jeder neue Musiker veränderte natürlich auch den Sound und die Musik der Band. Meine erste Frage nach dem, was ASH heute ist, beantwortete Andy Powell mit dem Wort 'organic'. Was ASH immer ausmachte - gute, geschmackvolle Musik mit dem Twin-Guitar Signature Sound - ist immer noch da, aber der Druck der Plattencompanies ist gewichen - nicht zuletzt durch AP's eigene Aktivitäten, auf die wir weiter unten kommen, so dass sie nun in aller Ruhe selber entscheiden können, was Ash-Musik ist und was nicht. Die Songs werden in Jamsessions zusammen entwickelt, ganz so, wie Ash Musik immer gemacht wurde - hand-made - und anders etwa als die EAGLES an die Sache rangehen.
Zusammenhängend damit sucht Andy die Musiker - und besonders seinen Partner-in-Crime, den zweiten Gitarristen - danach aus, dass sie 'a rootsy kind player with a deep knowledge of rock' sind. Sie müssen von denselben Quellen musikalisch 'gespeist' sein wie er selbst. Manninen etwa hat auch vorher schon in einer Twin-Guitar Band gespielt, und sein 'bluesier' Stil passt besser zu Andy und ASH als etwa der von Ben Granfelt.
Joe Crabtree, der neue Drummer, wurde AP empfohlen, und Andy sagte, wenn ein Mitglied einer Band jung sein sollte, dann doch wohl der Drummer, worauf wir ein Scherzchen über die LYNYRD SKYNYRD-Drummer machten, die sich sehr schnell abnutzen: "They wear out". An dieser Stelle muss ich einfügen, dass Mr. Crabtree seine Sachen live ganz famos macht, und seine Leistung auf "Then Again Live" bei weitem übertrifft.
Themawechsel: Wie wird man mit dem Lifestyle, dem ewigen Reisen, dem Übernachten in guten und schlechten Hotels, dem schlechten Essen usw. fertig - Andy ist ja nun auch schon nahe an den 60, da hört das dann auf, interessant und spaßig zu sein. "You get very familiar with the circuit - that is your world", "man lebt als Musiker auf Tour in seiner eigenen kleinen Welt, kennt die Hotels und die Restaurants, und fühlt sich auf Tour zu Hause. Man vermisst die Familie, aber man hat das Internet und E-Mail, und daher ist man immer in Kontakt. Probleme gibt es eigentlich nur, wenn man wieder nach Hause kommt - dann braucht man einige Tage zum eingewöhnen" - "You are a gypsy (Zigeuner)". Wie lange, denkt er, kann das noch so gehen? Solange wie es ihm Spaß macht, sagt er, und er sieht sich noch nicht im Ruhestand, denn das ist das Leben das er gewählt hat, und das ihn motiviert - und wenn man ihn dann auf der Bühne sieht, kann man an seiner Aufrichtigkeit keinen Zweifel haben - der Mann hat mehr Spaß als Du und ich zusammen (außer, wenn ich Andy Powell interviewe oder ihn spielen sehe).
Wir kamen auf die Businessseite der Angelegenheit ASH zu sprechen; und ein Grund dafür, dass Andy das Touren so liebt und es machen wird solange die Leute ihn hören wollen und sein Body mitmacht ist der, dass er zu Hause der Businessman Andrew Powell ist, der seit 20 Jahren die Geschicke der Band von der Planung bis zum Vermarkten leitet. Die Tour ist dann immer eine Erholung von den Profanitäten des Lebens. Aber auch die Businessseite des Lebens, wenn er als Deal Maker, Accountant und Budgeting Planer arbeitet, genießt er bis zu einem gewissen Grad, da er eben Abwechslung im Songschreiben findet.
Auch unterrichtet er an Music Colleges, gibt Kurse in 'motivational stuff for young musicians', die heutzutage ja auch und nicht zuletzt Unternehmer und Promoter der eigenen Marke und Persönlichkeit sein müssen und sind.
Da die Plattenfirmen heutzutage oft 'implodieren', und kaum noch, wie in den guten alten Tagen, A&R Leute da sind, geschweige denn so etwas wie Marktforscher, muss er ein fertiges Produkt abgeben, und kann sich kaum auf die Company verlassen, dass die das für ihn machen: "You have to make it easy for them ... A lot of them (A&R Leute) have no knowledge of the past and of music ... They are really just like banks. You have to be very careful with them." Zwar war das auch in den alten Tagen so, aber es gab Leute mit Flair und echtem Interesse und so etwas wie Outside Consultants; und all das ist wegrationalisiert.
Kennt er und sieht seine Zielgruppe, also die Hörer, die ASH mit ihrem Produkt ansprechen? Ja, er kennt sie, und ist auch bis zu einem gewissen Grad für Marktforschung, aber man darf das nicht alles diktieren lassen. Oft, wenn er eine CD produziert, sagen die Leute ihm, dass das nun nicht unbedingt Rock sei, und er gibt zu, dass ASH eine Hardrock-Band sind. Gleichzeitig aber erlauben sie sich die Freiheit, mit den Erwartungshaltungen zu brechen und in verschiedene musikalische Stile einzutauchen. Die 'Target Group' sucht nach dem 'Signature Sound' und 'Twin Guitar Approach', und das bekommt sie.
Allerdings haben ASH in den 80ern dem Druck etwas zu sehr nachgegeben, und ein Heavy-Album produziert als das jeder machte ("Twin Barrels Burning"). Ich erwähnte, dass das eines meiner Lieblings-Ash-Alben ist, und er freute sich, mir mitzuteilen, dass sie eben Engine Overheat an diesem Abend spielen würden.
Auf die Frage, warum sie denn unbedingt "Argus" auf "Then Again Live" spielten, gab es als Antwort, dass der einfache Grund der war, dass sie eben dazu von dem Radiosender eingeladen wurden, weil "Argus" eben DAS Ash-Album schlechthin ist (obwohl "Live Dates" sich besser verkaufte).
Ich erwähnte meinen ASH-Favourite - "Locked In". Er kommentierte das insofern, dass sie eben damals sehr von der Zeitströmung in den USA erfasst wurden, und das Album miserabel produziert sei, aber die Wahrscheinlichkeit, dass irgend ein Song davon mal wieder gespielt würde, sei sehr gering. Schade.
Zurück zu "Argus" und zur Konkurrenz - Martin Turners Ash. Andy hatte keine Probleme, darüber zu sprechen und gab zu, dass er diese Band als 'Competitor' sieht. Was geht da vor? Aus seiner Sicht ist da etwas falsch gelaufen, nachdem Martin sich nach 15 Jahren Bühnenabstinenz an seine Rolle als Performer erinnerte. Er kam zu Andy und sprach mit ihm und fragte ihn praktisch um Erlaubnis, ASH-Songs zu spielen, wobei er zugab, dass Andy durch seine Tätigkeit eigentlich heute WISHBONE ASH ist. Also wollte er seine Band Martin Turners Wishbone nennen. Nach einem Jahr machten Promoter dann daraus MARTIN TURNER'S Wishbone Ash, und dann Martin Turner's WISHBONE ASH. Und der Grund, dass Andy das negativ sieht liegt nicht zuletzt darin, dass Martin die Marke W.A., wenn man das vom Marketing-Standpunkt aus sieht, billig verkauft, verschleudert, und das findet Andy - wohl zu Recht - zynisch und er deutete an, dass das von Martins Marketing mehr als von ihm selbst betrieben wird. Er freut sich, dass Martin wieder spielt, aber es ist deutlich, dass er viel weniger ein Manager ist, als dass er gemanagt wird. Er war wohl nie eine Business-Person.
Ist die gegenwärtige ASH-Version die beste? Ja, es ist eine 'vibrant, real band', und er liebt es im Hintergrund zu sitzen und seine Band spielen zu hören und sich an ihrem synchronen Spiel zu erfreuen.
Aber trotzdem - wer wäre in seiner Wunschband? 'Oh god, there are so many great players out there...". Die Rhythmussektion von LITTLE FEAT würde er dann wohl nehmen, oder John Bonham, den er sehr gut findet (fand...), als Co-Gitarrist würde er wohl Lowell George wählen, dessen Slide-Guitar Spiel er unglaublich findet (fand...); auch Jeff Beck findet er unglaublich gut als Player, würde aber nie mit ihm spielen. Dann noch eine Hammond Organ von irgend woher.
Als er John Bonham erwähnt werfe ich ein, dass ich gedacht hätte, er würde Aynsley Dunbar wählen, den er dann 'a wonderful player' nennt, und mit dem ASH auch schon gespielt haben. Ich erwähne, dass ich deshalb an Aynsley gedacht habe, weil er seinen Sohn so genannt hat. Und tatsächlich, die Namensgebung war insofern beeinflusst, dass er den Namen schön findet. Ist es Zufall, dass sein Sohn ein Drummer ist? Eigentlich hatte er gehofft, dass sein ältester Sohn Drummer wird, aber der wollte nicht, Aynsley aber, der als Kind hyperaktiv war, setzte sich hinter das Drum-Kit und 'Took to it like a fish to water'. Und sein Hyperaktivitätsproblem war auch gelöst.
Pläne? '40's Anniversary' Konzert im Londoner Shepherd's Bush, mit eventuell einer DVD dieses Jahr; in Juni nach Frankreich zu eine 'Writing Session', also ein neues Studioalbum vielleicht noch dieses Jahr, und außerdem Touring, Touring, Touring, auch dort, wo sie noch nicht so oft waren, Tschechei, Ungarn und auch Kanada.
Was das Publikum angeht: auch jüngere Leute kommen zu ASH und entdecken Classic Rock und die Roots. Als ASH aufwuchsen, lernten sie die musikalischen Lektionen gut, und haben ein sehr gutes Verständnis von Musik, was die Jüngeren erst lernen müssen.
Skandale gab es um ASH nie, Musik kam immer zuerst, und Integrität und Respekt. Als jungen Musiker fragte man ihn oft, wie lange er denn diese Musik noch machen wolle, und heute trifft er diese Leute, und sie haben zwei oder drei Ehen hinter sich, dauernde Änderung im Businessleben - und er hat sich eben einfach an das gehalten, was er kennt, und hat damit gut gelebt. Und auf Tour finden sie immer Abwechslung, gehen Skifahren usw. Also, die Aussichten, dass es WISHBONE ASH noch lange gibt, sind gut.
Ein sehr nettes Gespräch mit einem sehr geduldigen und netten Andy Powell - der Gentleman Rocker unter den Businessleuten, oder andersherum.
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