|
Nach ihrem, absolut überzeugenden, Auftritt in der
Frankfurter Jahrhunderthalle, finden sich die vier Kanadier von The
Trews recht schnell am Merchandising-Stand ein um die doch recht
zahlreich verkauften CDs zu signieren. Nachdem es mit einem
Interview vor dem Konzert nicht geklappt hat - der englische
Tourmanager ist auch gleichzeitig Mädchen für alles, leicht
zerstreut und, wie die Band auf ihrer Homepage schreibt: "slightly
insane" - verzichte ich auf die erste halbe Stunde Status Quo und
verziehe mich mit den Vieren in die Katakomben der altehrwürdigen
Konzerthalle.
Home of Rock: Hallo und willkommen in
Deutschland. Colin MacDonald: Danke! Gutes Bier
hier!. HoR: Wart ihr vorher schon mal in
Deutschland? Colin MacDonald: Nein, noch nie. Wir haben
vier tolle Städte bisher gesehen... John-Angus MacDonald:
Drei. HoR: Und in Europa auch noch nicht zuvor?
Colin MacDonald: Nein. Also, ich meine, wir waren
in London und Manchester, aber dies ist das erste Mal, dass wir in
Frankreich und Deutschland sind. HoR: (Also das alte
Europa) Wie lief's denn bisher? Colin MacDonald:
Fantastisch. Wir haben tolle Reaktionen vom Publikum und es läuft
wirklich klasse. HoR: Es ist ja im allgemeinen nicht
einfach die Vorgruppe zu sein, speziell bei Bands wie Status
Quo... Colin MacDonald: Das ist das was jeder uns
sagt. HoR: ... weil ja auch 99% des Publikums wegen der
Hauptgruppe kommt... Colin MacDonald:.ja, wir hatten auch
schon andere Erfahrungen, bei anderen Gruppen, aber auf dieser Tour
werden wir sehr gut angenommen. Heute Abend war wahrscheinlich das
ruhigste Publikum bisher. Ansonsten sind die Fans echt
fantastisch. HoR: Ja, sie klatschen ja teilweise sogar mit
und das ist wirklich nicht üblich. Kanntet ihr Status Quo denn
vor dieser Tour? Colin MacDonald: Wir haben für sie in
Toronto, Kanada, schon als Vorgruppe gespielt, vor ca. vier Jahren,
als wir da so langsam hochkamen. Wir dachten, wir könnten dann
weiter mit ihnen touren, aber sie haben uns wohl vergessen
(lacht). HoR: In Amerika und Kanada sind Quo ja nicht so
groß... Colin MacDonald: Nein, dort spielen sie richtig
kleine Hallen, aber hier sind sie ja richtig groß. HoR: Wie
ist es denn so, für eine weltberühmte Gruppe zu spielen? Habt ihr
irgendwelche Beschränkungen? John-Angus MacDonald: Also,
diese Typen behandeln uns wirklich klasse und wir können auf der
Bühne machen, was wir wollen. Colin MacDonald: Ja, wir sind
lediglich etwas leiser und haben nicht soviel Licht.
HoR: Ihr scheint mir einen besonderen Sinn für Namen/Titel
zu haben. Wer kam auf die Idee, die Band 'The Trews' (Slang für
'Hosen') zu nennen? Colin MacDonald: Oh, das ist irgendwie
so eine komische Umschreibung. Es bedeutet eigentlich
Hose... HoR: Ja, ich weiß. Colin MacDonald:
.aber in Kanada weiß das niemand und so ist es mehr ein Wortspiel
mit dem Wort "true" , so wie "echt" oder "wahr". Es ist ein dummes
Wortspiel. In Kanada ist es lustig, aber hier hasst es jeder. Oder in
England, die mögen es eigentlich gar nicht, denn es ist ungefähr so,
als würde man sich "Die Jeans" nennen. Also, hier sind wir die
Deppen, während es bei uns die anderen sind. HoR: Wie fing
es denn mit den Trews an? Wer hat euch inspiriert? Colin
MacDonald: Nun, als Band, wir sind natürlich stark vom 60er und
70er Rock'n'Roll inspiriert, auch von manchen Sachen aus den frühen
90ern und natürlich die ganzen Großen wie die Beatles und Stones.
Uns gefallen auch R.E.M. und Oasis sehr gut, die ja zu den größten
Bands gehörten, als wir anfingen.
HoR: Würdest du sagen, dass es schwieriger ist, als Band
aus Kanada zu kommen als aus dem großen Nachbarland
Amerika? Colin MacDonald: Nun, in Kanada groß raus zu
kommen, bedeutet in Kanada groß raus zu kommen. In Amerika groß raus
zu kommen, bedeutet, weltweit groß zu sein. Und wir sind nun mal nur
in Kanada groß. In gewisser Hinsicht... HoR: Also ist es
schon noch so, dass kanadische Bands über die Grenze blicken und
sagen: "Da müssen wir hin!"? Colin MacDonald: Ja, das
machen natürlich viele, wie etwa NICKELBACK, die dann in Amerika
groß wurden. Natürlich ist das irgendwo der Traum aller kanadischen
Bands. Es ist schon irgendwie das Tor zur musikalischen
Welt. HoR: Wenn man sich euer Album "Den Of Thieves"
anhört, hört man viele verschiedene Sounds und Einflüsse. Von Punk
und 60s-Beat zu Westcoast Rock, 70s-Rock und Glam. Könnte das nicht
ein Hemmschuh sein, da Hörer doch dazu neigen, eine Band zu
kategorisieren und in eine bestimmete Schublade zu
stecken? Colin MacDonald: Das stimmt schon und manche
Leute haben ein Problem damit, uns einen bestimmten Stempel
aufzudrücken. In Kanada, wenn wir unsere eigenen Shows spielen, dann
haben wir keine Probleme, aber wenn man uns zu Touren mit anderen
Bands in Packages zusammen bringt, dann wissen die schon manchmal
nicht, wohin sie uns jetzt stecken sollen. Natürlich vor allem, wenn
wir außerhalb Kanadas spielen, da wir halt so viele verschiedene
Einflüsse haben. Wir langweilen uns halt schnell bei nur einem
bestimmten Stil und so ändern wir das gerne. HoR: Bei
Status Quo hat man es da natürlich einfacher, die sind in ihrer
Boogie-Ecke und man weiß immer was man bekommt. John-Angus
MacDonald: Das stimmt. Das könnte zu einem Problem für uns
werden. Aber: Was für eine Band waren die Beatles? Deren Spektrum
ging von Großmutter-Musik zu Heavy-Punk und indischer Musik. Also
warum nicht?
HoR: Auf eurem aktuellen Album habt ihr mit dem berühmten
Produzenten Jack Douglas zusammen gearbeitet. Wie kam es
dazu? Colin MacDonald: Wir haben eine Liste gemacht, mit
den Produzenten, mit denen wir am liebsten arbeiten würden. Unsere
Plattenfirma fragte uns danach und Jack Douglas rief uns
zurück. HoR: Wer stand noch auf der Liste? Colin
MacDonald: Ähm, Leute wie Rick Rubin, George Drakoulias, Brendan
O'Brien... und natürlich Jack Douglas, weil wir sehr auf diesen 70er
Jahre Sound stehen. Er hörte unsere Demos und es gefiel
ihm. HoR: Wie war das, mit einer Produzenten-Legende zu
arbeiten, der all diese tollen Alben gemacht hat, mit Aerosmith,
Cheap Trick ... Colin MacDonald: .sogar John
Lennon John-Angus MacDonald: Es war wirklich fantastisch,
toll und auch echt lustig. Ich meine, der kennt all die Leute aus
den 60ern und 70ern und weiß jede Menge Geschichten zu erzählen. So
hatten wir eine Menge Spaß. Mit seiner Erfahrung war er aber auch
eine Art George Martin für uns, sodass wir nahezu bei jedem Song mit
einem anderen Ansatz daran gingen. Und es gab keine Grenzen. Ein
Harmonium bei diesem Song? Ok. Streicher hier? Bringt sie
rein! HoR: Wie habt ihr eure verschiedenen Sounds gemacht?
Habt ihr viel euer Equipment gewechselt? Colin MacDonald:
Das Grundgerüst der Songs wurde fast immer live eingespielt! Erst
später wurden andere Dinger dazu gefügt. HoR: Dann war es
also gar nicht so schwer, die Songs dann live auf der Bühne
umzusetzen? John-Angus MacDonald: Nun, tatsächlich war das
anfangs ein Problem und wir mussten uns schon hinsetzen und
überlegen, wie wir das live spielen können. So gingen wir halt zu den
Basic-Arrangements zurück. Hier und da mussten wir Kompromisse
machen zu den produzierten Songs auf dem Album. Colin
MacDonald: Da sind einige tolle Songs auf dem Album, die wir live
aber nicht spielen können, weil sie so nicht klingen. Deswegen
werden wir auf dem kommenden Album auch wieder zu einfacheren
Arrangements zurück gehen. HoR: Auf "Den Of Thieves"
gibt's am Schluss einen Hidden-Track, der erst ein paar Minuten nach
dem vermeintlichen Ende der Scheibe startet. Was ist der Grund
dafür? Colin MacDonald: Nun, wir haben das Album in
Amerika, Europa und Japan veröffentlicht und wir haben überall
irgendwas anderes mit hinten drauf genommen. Mehr ein Spaß.
HoR: Was, würdet ihr sagen, war denn bisher der größte
Moment in eurer Karriere? Colin MacDonald: Wir haben eine
Show für die Rolling Stones eröffnet, vor zweieinhalb Jahren in
einem kleinen Club in Toronto, als sie für die 'Bigger Bang'-Tour
geprobt haben. Sie halten ihre Proben ja immer in Toronto ab. Das
war schon klasse. Allein die Stones beim Soundcheck beobachten zu
können. Dead Flowers, Sway. Absolut tolle Typen mit
einem unvergleichlichen Groove. HoR: Wie sieht's bei euch
demnächst aus? Was habt ihr vor? Colin MacDonald: Nun, wir
haben ein neues Album fertig, welches Anfang des Jahres in Kanada
erscheint. HoR: Hat es schon einen Titel? Colin
MacDonald: Ja, "No Time For Later". Die erste Single erscheint
im November. "Den Of Thieves" kam hier erst vor ein paar Monaten
heraus, aber in Kanada ist die Platte schon wieder alt und so kommen
wir da schon mit einem neuen Album heraus. Wenn wir von dieser Tour
zurück sind, werden wir uns dann um die Promotion
kümmern. HoR: Das hört sich gut an, da können wir euch
vielleicht auch wieder in Deutschland begrüßen? Colin
MacDonald: Ja, sicher. Wir wollen für eine Club-Tour wieder
kommen. Deutschland ist ein gutes Land für uns und für Rock'n'Roll.
Einige kanadische Bands scheinen hier gut anzukommen. Wie etwa Billy
Tallent. Kennst du den? So eine Art Punk-Band. HoR: Ah,
ja, hab ich schon von gehört. Letzte Frage: Auf eurer Homepage
schreibt ihr, ihr verdächtigt euren englischen Tourmanager Mark
Eitzen "leicht verrückt" zu sein. Was meint ihr damit? Colin
MacDonald: Ach, das war eigentlich nur ein Spaß, aber... du hast
ihn doch getroffen? Er hat bestimmt vier oder fünf verschiedene
Persönlichkeiten... HoR: Ich hab bestimmt vier Stunden
versucht, ihn auf seinem Handy zu erreichen. Keine Chance! (Danach
reden alle Vier durcheinander und jeder bringt seine eigene Story
mit ein) Colin MacDonald: Gut, er hat schon viel Arbeit
mit uns und wir machen es ihm manchmal auch nicht leicht
(lacht). HoR: Schön, dann vielen Dank, alles Gute für die
Zukunft und kommt bald wieder. Colin MacDonald: Vielen
Dank. Wir werden bestimmt bald wieder hier sein.
Sagt uns die Meinung zu diesem Artikel oder ergänzt oder verbessert ihn:

|