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Javier Ruano

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Gerne Neffen der Stones!

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Unser Disclaimer

Auf manche Bands ist man so scharf, dass man nicht auf die Konzerte warten will (30.09.2005, Altenkunstadt, "Nepomuk" und 01.10.2005 in Hof, "Kult/Eventhalle" - beide Male im Rahmen der GATOR PARTYS mit LIZARD und THE CELL), sondern vorab mehr wissen muss. Zum Beispiel, ob die Kapelle echt ist oder nur ein weiteres gecastetes Superstarprojekt im derzeit so fürchterlich angesagten Rock & Roll-Zirkus.
Scherz beiseite, außer der tollen CD "Hand Crafted Tunes" hat bei uns noch niemand von SUGAR MOUNTAIN gehört oder gelesen. Also her mit den Infos, Torero!
Leider ist manches Interview nicht vom großen Schutzpatron des kleinen Rockers gesegnet und das Gespräch mit Javier Ruano, Sänger, Gitarrist und Chef der Band aus Spanien, war so eines. Irgendwo am Rande der bayrischen Zivilisation hockend, weit und breit kein Telefon mit Lautsprecher auftreibend, mühsam die Worte am krächzenden Handyfreisprecher entziffernd und über ein sterbendes Aufnahmegerät schimpfend, sitzt der geplagte Schreiber da und lernt dennoch einmal mehr: Musik eint und wir sind alle BORN TO BOOGIE!

Home of Rock: Javier, macht es Dir was aus, wenn ich Euch als Großneffen der FACES, STONES und BEATLES bezeichne?
Javier Ruano: Aber nein, du nennst damit ja drei unserer größten Einflüsse. Das klingt doch gut. Ich bin gern ein Neffe von denen.
Weißt du, hier in Spanien werden wir oft als Southern Rock Band bezeichnet und ich halte das für falsch. Wir haben zwar auch zwei Gitarren und Keyboards etc., aber wir machen doch keinen Southern Rock im Sinne der ALLMAN BROTHERS oder so. Ich finde, wir machen einfach Rock & Roll.
HoR: It's all Rock & Roll...
J.R.: Schon, aber eine Jam-Band ist was anderes als SUGAR MOUNTAIN. Oder?
Unbestritten. Diesen Schubladen-Schuh versuchen wir unseren Lesern schon seit Jahren auszuziehen und stellen hiermit in Übereinstimmung mit der Jury aus Spanien fest: SUGAR MOUNTAIN sind Rock & Roll und sonst gar nichts!

HoR: Die GATOR PARTYS sind Eure ersten Auftritte in Deutschland?
J.R.: Ja. Und wir freuen uns tierisch darauf. Spanien ist ja nicht unbedingt die Welthauptstadt des Rock & Roll und wir haben in Deutschland so viele CDs verkauft und so viel positives Feedback von den Fans bekommen, dass wir das Gefühl haben, dass wir bei Euch spielen MÜSSEN.
"So viele CDs verkauft" ist ein relativer Begriff in der heutigen Zeit. Für die Hitparade reicht die genannte Zahl nicht, aber wenn wir am 30. September und 1. Oktober nur die Hälfte von diesen Leuten bei den Konzerten sehen - am besten mitsamt Rock & Roll-Women und allen greifbaren beer drinkin' friends - wird die Post fürchterlich abgehen.

HoR: Kennst Du eigentlich die beiden anderen Bands, mit denen Ihr bei den GATOR PARTYS spielen werdet?
J.R.: Nur von den CDs, die uns geschickt wurden. Mann, die sind vielleicht gut!
HoR: Aber auch nicht Southern Rock im althergebrachten Sinn.
J.R.: Macht doch nix. Aber LIZARD sind eine phantastische Band mit phantastischen Songs und die Kollegen aus Tschechien haben es auch drauf ohne Ende.

HoR: Wie sieht es denn in Spanien aus für eine Band wie Euch?
J.R.: Ach, das größte Problem ist die Sprache. Wir haben in Spanien einige richtig große Bands, aber die singen alle spanisch. Mit Englisch gewinnst du hier keinen Blumentopf.
HoR: Ihr könnt also nicht von der Musik leben?
J.R.: Pffft... Da ist noch ein weiter Weg hin. Wir sind hier echte Exoten. Weniger wegen der Musik, einfach wegen der Sprache.
Als ob es irgend einem Rocker auf diesem Planeten anders gehen würde. Die stehen doch alle unter Artenschutz. Und ob die Situation in Deutschland anders ist als in Spanien...

HoR: Und dann habt Ihr ausgerechnet unseren Home of Rock-Favoriten Dan Baird als Produzent für Eure Platte genommen. Wie kam das denn?
J.R.: Wir haben bei einem Festival hier bei uns in Galicien gespielt [Galicien liegt im Nordwesten Spaniens, also links oben auf der Landkarte, bekannteste Stadt ist wohl La Coruna; Red.] und da ist Dan auch aufgetreten. Das war mit der DAN BAIRD & FRIENDS-Besetzung. Dan hat uns beim Soundcheck gehört und es hat ihm scheinbar gefallen, haha. Der hat richtig mitgerockt. Dann haben wir miteinander geredet, ihm unsere Tapes gegeben und schließlich wollte er uns produzieren, that's all. Mann, wir haben wirklich viel von ihm gelernt, es war toll.
HoR: Er hat Euch beeinflusst?
J.R.: Natürlich. Das war zwar nicht das erste Mal, dass wir in einem Studio waren, wir hatten schon einige Demos eingespielt, aber mit ihm war es genial. Der arbeitet so direkt und straight, also Gitarre, Bass und Schlagzeug live und in einem Take aufgenommen, keine Overdubs, kein Schnickschnack, einfach drauflos.
HoR: Ich meinte, ob er auch Eure Musik beeinflusst hat!
J.R.: Ach so. Nein, wir haben schon vorher so geklungen, hahaha. Dass wir natürlich schon immer Fans von ihm und den GEORGIA SATELLITES sind, ist wohl klar.
HoR: Klingt Ihr live anders?
J.R.: Neee, vielleicht etwas rauer und direkter, aber nicht wirklich anders. Das ist aber normal, jede Band klingt live etwas härter.

HoR: Auf der CD ist Drive My Car von den BEATLES drauf. Ist das, weil Ihr auf die Melodien von denen steht, oder weil sich der Song so wunderbar als Rock'n'Roll-Brecher eignet? [Kollege Epi "Keith" S. hatte in seiner CD-Besprechung zu Recht angemerkt, dass die Nummer nicht mehr besonders viel mit dem Original zu tun hat]
J.R.: Beides. Die BEATLES sind natürlich so ungefähr die Größten was Melodien angeht, und wie schon gesagt, sie sind ganz ganz wichtig für uns. Drive My Car ist der perfekte Song (für uns).
HoR: Habt Ihr live noch andere Coversongs?
J.R.: Klar. Wir spielen was von den STONES, von den FACES [nicht wirklich überraschend; Red.], aber auch von den KINKS oder den ALLMAN BROTHERS [kriegt man da nicht direkt feuchte Hände? Red.]
HoR: Nichts von Dan oder den SATELLITES?
J.R.: Ach ja, manchmal, lass dich mal überraschen... hahahaha.
An dieser Stelle sei angemerkt, dass ein spanisches Hahaha ganz besonders dreckig und heimtückisch klingt.

HoR: Ihr habt also genügend Material für die nächste CD?
J.R.: Für mehrere... Aber die nächste CD wird kommen! Eigentlich ist sie schon fertig. Diesmal haben wir mit Eric Ambel gearbeitet. Kennst Du den?
HoR: JAAA!
J.R.: Weißt Du, ich steh nicht so auf lange CDs. Ich finde, eine CD muss kurz und knackig sein. Diese Geschichten mit 17 oder 19 Songs auf einem Album wurden doch nur wegen der CD erfunden. Früher, als es noch LPs gab, hat auch kein Mensch so viel Material auf einer Platte gehabt.
HoR: Also lieber 45 kernige Minuten als eineinhalb Stunden Langeweile. Und außerdem kann man eine CD öfter hintereinander hören.
J.R.: Das ist genau der Punkt! Als Fan geht es mir doch nicht anders. Wenn mir eine CD gefällt, spiel ich sie over and over again. Egal wie "einfach" Musik ist, wenn es rockt, kann man eine CD unendlich oft neu entdecken. Du hast Spaß und findest immer wieder was Neues.

Si, Senor! "Hand Crafted Tunes" ist so eine CD und jetzt freu ich mich noch mehr auf die Konzerte mit SUGAR MOUNTAIN. Wer es noch nicht mitgekriegt hat, die GATOR PARTYS sind dieses Jahr am 30.09. in Altenkunstadt im "Nepomuk" und am 01.10. in Hof, "Kult/Eventhalle". Kurz wird es zwar nicht sein, aber dafür um so knackiger!

Poster Gator Party 2005

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 24.09.2005

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