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Mit einem Stefan Kossmann braucht man kein Heile-Welt-Gute-Laune Interview zu machen. Erstens kennen wir beide uns lange genug um Klartext zu reden, zweitens kennen wohl die meisten an Southern Rock interessierten Leser die Bands LIZARD und FLATMAN, bei denen Stefan bekanntlich singt, und drittens machen wir generell keine Wischiwaschigespräche.
Nachdem das erste der beiden GATOR PARTY Konzerte in Altenkunstadt am Abend zuvor zwar musikalisch weltklasse aber besuchertechnisch ernüchternd gelaufen ist, saßen wir uns kurz vor dem zweiten Konzert in Hof gegenüber, um über ein paar grundlegende Dinge in der Musik, den beiden Bands und der restlichen Welt zu reden.
Home of Rock: Stefan, wie hoch ist das Frustrationspotential für einen Menschen, der heute Southern Rock macht?
Stefan Kossmann: Frustration ist da genug. Gibt's eigentlich täglich. Aber es gibt dann genug Momente, die alles wieder ausgleichen. Die Momente, die dir den Grund zeigen, warum du das alles machst. Das macht alles wett...
HoR: Ideelle Werte?
S.K.: Absolut!
HoR: Weil man als Sänger grundsätzlich ein Mensch ist, der unter der Laterne stehen muss und eine exhibitionistische Ader hat?
S.K.: Neee, ich hab doch als Sänger auch zwischendurch schon andere Geschichten gemacht. So eine KISS-Tribute-Sache zum Beispiel, weil ich mir gedacht hab, ich will mal was anderes machen. Und da hab ich es mit so vielen Arschlöchern zu tun gehabt und mit so viel unfreundlichem und gewalttätigem Publikum und unfreundlichen Bands, dass ich gesagt hab: Sowas gibt's im Southern Rock nicht!
HoR: Was ist ausgerechnet beim Southern-Publikum anders?
S.K.: Ja mei, das sind zwar weniger Leute, aber die sind eben dankbar dafür.
HoR: Ich hab neulich erst wieder geschrieben, dass das Southern Rock Publikum ein ewiggestriges Publikum ist (anlässlich der Besprechung der CD von THE CELL). Ein Publikum, das in der Vergangenheit lebt...
S.K.: Gott sei Dank!
HoR: Dann bleibt also Southern Rock auch für die nächsten 30 Jahre der alte Dreams-Stiefel?
S.K.: Ja natürlich! Weil man nie vergessen darf, warum man das macht. Man macht es genau wegen den alten Legenden. So schön es ist, dass es neue gute Bands gibt, scheißegal, man macht es wegen der Sache... wegen den alten Helden. Diese neuen Bands, für die man dankbar ist, die machen es doch auch aus keinem einzigen anderen Grund als den alten Songs und den alten Bands.
HoR: Und wo steckt die Innovation?
S.K.: Was heißt Innovation? Das ist ein Glaube! Der Glaube an eine gewisse Freiheit, man glaubt einfach an die Sachen, die damals passiert sind. Man nimmt es einem Ronnie Van Zant ab, dass er meint was er singt. Und daran glaubt man.
HoR: Nimmt man es auch noch einem Van Zant in der fünften Generation ab?
S.K.: Nicht unbedingt. Aber man nimmt so einem ab, dass er es zu Ehren seines Bruders macht. Ich meine, dass er damit Geld verdient, ist klar. Aber dass er darauf auch sehr stolz ist... verstehst was ich meine? Nicht stolz auf das Geld, sondern darauf, dass er die Songs seines Bruders singen "darf". LYNYRD SKYNYRD ist ja auf jeden Fall eine Sache, die im Moment wieder massig Geld bringt, und letztendlich sind die heute eine Tributeband. Aber das wollen sie auch sein und 90% ihres Publikums wollen das auch.
HoR: Okay. Und wenn zufälligerweise eine Band aus Europa oder gar aus Deutschland diese Musik macht, ist das dann auch eine Tributeband?
S.K.: Eine Band aus Europa wird genau das gleiche für diese Musik empfinden, das ich auch empfunden habe und immer noch empfinde, wenn ich Southern Musik höre. Weil sonst würden sie diese Musik nicht machen. Ja glaubst du denn, die würden das machen, wenn sie sagen würden "wir sind jetzt ne neue Band und wollen die große Masse ziehen"? Die wissen doch genau, dass sie das nicht schaffen und für welche und wie wenige Leute sie die Musik machen.
HoR: Und was passiert, wenn zufälligerweise eine Band wie die Italiener W.I.N.D. plötzlich relativ großen Erfolg hat. Ich meine, die spielten dieses Jahr beim Herzberg-Festival und werden sogar in den Printmedien abgefeiert (typisch nur, dass mal wieder Freischärler wie wir die ersten Abfeierer waren).
S.K.: Ja, schön, was soll dann passieren? Da freuen sich andere Bands für die Jungs und haben vielleicht noch etwas Hoffnung, dass man selber auch noch was erreichen kann.
HoR: Besteht nicht die Gefahr, dass sich eine solche, plötzlich relativ erfolgreiche Band zu einem Mainstream-Act entwickelt? Natürlich nicht musikalisch, aber durch die größere Akzeptanz. Und fällt so eine Band nicht dadurch automatisch aus dem selbstverliebten Sektiererbündnis der so genannten Southern Rocker heraus? So nach dem Motto "Ich bin Southern Rocker und dadurch von vornherein Underground und das ist gut so". Mal völlig von der Tatsache abgesehen, dass W.I.N.D. keine Southern Rock Band ist. Aber es könnte so sein...
S.K.: Nö, eine Southern Rock Band hätte das so nicht geschafft.
[Zum Rest sagt er nichts. Man kriegt denn Kerl nicht dazu, ein klein wenig zu meckern...]
HoR: Wie kompliziert ist Deine persönliche Situation mit den beiden Bands FLATMAN und LIZARD?
S.K.: Überhaupt nicht kompliziert. Das ist kein Thema.
HoR: Kein Unterschied, von der Emotion und vom Feeling her gesehen? Und wie funktioniert die Umstellung, wenn Du am Freitag mit FLATMAN spielst und am Samstag mit LIZARD?
S.K.: Natürlich ist das ein Unterschied. Das sind zwei völlig verschiedene Bands. Musikalisch und überhaupt... völlig getrennt und unterschiedlich.
Bei FLATMAN ist es so, dass die Band sich auf mich eingestellt hat. Ich geh da hoch und weiß, dass eine Band hinter mir steht, die das macht, was ich klasse finde. Die Band hat gelernt - dadurch dass sie lange mit mir zusammenspielt - sich an mich ranzuhängen.
Bei LIZARD ist es anders. Die Band ist so eingespielt, ohne mich, dass sie mich durchs Konzert trägt. Das ist der Unterschied.
HoR: Du siehst dich also bei LIZARD quasi "nur" als Sänger?
S.K.: Mmmmh, jaaa, allerdings nicht im negativen Sinn. Die Band ist einfach so fantastisch... ich hätte gar nicht das Potential, bei LIZARD besonders viel musikalisch einzubringen. Jedenfalls nicht viel, das die Sache verbessern würde.
HoR: Das versteh ich jetzt nicht.
S.K.: Ähm, ich will sagen, dass die Band so professionell ist, dass es wenig Sinn hätte, wenn ich irgendwelche musikalische Zügel in die Hände nehmen würde. In der Band weiß einfach jeder zu 100% was er tut. Es weiß auch jeder, dass er sich auf den anderen verlassen kann, aber jeder lebt seine Musikalität auch vollkommen aus. Was will ich da irgendwie dirigieren? Bei LIZARD kann ich es sozusagen laufen lassen. Bei FLATMAN ist das halt anders. Ohne das jetzt irgendwie negativ zu meinen, aber FLATMAN ist nicht so hochprofessionell wie LIZARD. Wir werden mit FLATMAN bei jedem Konzert ein bisschen anders sein wie beim Konzert davor. Die Soli werden immer ein bisschen anders sein, jeder Song wird immer leicht anders sein... und so weiter. Wenn mir was gut gefällt, dann hab ich das in der Hand auch in dem Sinn zu entscheiden...
HoR: Musikalischer Direktor?
S.K.: Na ja, sozusagen. Aber ohne die Musiker bei FLATMAN damit irgendwie abwerten zu wollen, im Gegenteil.
HoR: Und wo ist Dein Kreativanteil bei LIZARD?
S.K.: Ich sehe es als meine Aufgabe, der Band ein Gesicht zu geben. Ich bin quasi die Person, die zwischen der Band und dem Publikum vermittelt, die den Kontakt herstellt.
HoR: Hat sich in diesem knappen Jahr bei LIZARD musikalisch etwas verändert?
S.K.: Ich wachse immer mehr rein. Ob sich musikalisch was verändert hat... keine Ahnung.
HoR: Für meinen Geschmack ist es härter geworden. Etwas rauer, straighter irgendwie.
S.K.: Ich kann das nicht beurteilen. Vielleicht ist das sogar ein Einfluss von mir? Aber, ist dieses "straighter" für Dich gut oder schlecht?
HoR: Für mich spielt das überhaupt keine Rolle. Die Band ist so tough, dass diese Musiker auch Volksmusik spielen könnten und ich fände das immer noch gut. Diese absolute Musikalität ist übrigens einer der Gründe, warum ich seit Jahren schreie, dass LIZARD keinen Southern Rock macht...
S.K.: Ist es ja auch nicht... was ist Southern Rock überhaupt? Da kann man ja Stunden drüber diskutieren. Ich sag es einfach so: Wenn eine Band Southern Rock machen will, dann ist es auch Southern Rock. Aus, Schluss, Punkt.
HoR: Warum spielst Du bei LIZARD überhaupt keine Gitarre?
S.K.: Ich wollte das von vornherein nicht. Erstens weil ich nicht will, dass LIZARD wie FLATMAN klingt und zweitens bin ich gitarristisch um Klassen schlechter als die beiden Gitarristen [Volker Dörfler und Christoph Berner, die wir nicht umsonst schon seit Jahren als bestes Gitarrenduo der klar denkenden Welt bezeichnen], auf die ich im übrigen sehr sehr stolz bin.
Das wär doch Quatsch. Soll ich mich da raufstellen und die Gitarre halten? Am besten noch irgendwie so rumhängen, auf den Rücken oder so... da gibt's ja ein paar so Typen. Aber ich spiel entweder Gitarre oder eben nicht. LIZARD muss LIZARD bleiben und mit meiner Gitarrenkunst wäre es nicht mehr LIZARD. Ich liebe diese Band, schon immer, auch bevor ich Sänger war. Das was der Schorsch gemacht hat ist wichtig. Dass das weiter existiert.
[Bayer, Georg. Schwabe, Sänger und bis Oktober 2004 der Mann, der uns als freiwillig und gegen unseren Willen frühverrenteter Aussteiger jetzt in der gesamten Szene fehlt]
Es kann schon sein, vielleicht auf der nächsten Platte, dass ich auch mal einen Song Gitarre spiele oder so. Aber im Moment... ich möchte auch dieses Jahr so sehen, dass ich mich in der Band einarbeiten kann. Es ist Neuland für mich und ich bin in einer Band, die zusammen gewachsen ist und in der ich sozusagen ein Fremdkörper bin. Wenn uns was cooles einfällt und wenn wir Spaß dran haben, dann machen wir das vielleicht. Aber ich seh das nicht als wichtig.
HoR: Und jetzt geht es irgendwann mal daran, dass LIZARD neue Songs braucht.
S.K.: Ja, aber das sollte ja wohl kein Thema sein. Ich mach mir darüber keine Gedanken, weil das in dieser Band einfach läuft, verstehst Du? Wenn wir jetzt morgen sagen "wir machen eine neue Platte", dann machen die Jungs Songs, ich mach die Texte drauf und fertig. So läuft das, da muss ich mich gar nicht groß drum kümmern, das geht von alleine in dieser Band. Und den Teil, den ich dazu machen muss, den mach ich.
HoR: Rentiert es sich überhaupt noch, eine neue Platte zu machen? Ich meine, in der heutigen Zeit und mit den Absatzchancen...
S.K.: Warum denn nicht? Wenn man Lust drauf hat, wenn man neue Songs machen will... in der Musik geht es doch nicht darum, ob es sich rentiert oder nicht, wenn man Bock hat, dann macht man es einfach. Wenn die Zeit da ist, wenn die Songs sprudeln und wenn man Lust hat, dann muss man die Platte machen.
HoR: Aber immer nur draufzahlen bringt es ja auch nicht.
S.K.: Dann müssten wir andere Musik machen.
HoR: Gäbe es für Dich eine andere Musik, die Du machen wolltest?
S.K.: Nein! Will ich nicht.
HoR: Selbst unter dem Aspekt, dass man damit Geld verdienen könnte?
S.K.: Das macht doch dann keinen Spaß mehr. Dann kann ich auch was anderes arbeiten, wenn es nur ums Geld ginge. Wenn ich wegschmeißen würde, was mir unheimlich viel Kraft gibt und Freude macht... ah neee, da mach ich mir doch nur Dinge kaputt, die mir wichtig sind. Warum sollte ich das machen?
HoR: Weil Southern Rock nicht satt macht?
S.K.: Das wär es mir nicht wert! Andere Musik machen... nein, mach ich nicht. Weil ich - das kannst Du doch inzwischen vielleicht auch beurteilen - ich bin zu 100% für die Sache. Mag sein, dass ich irgendwann sage "das macht mich kaputt" oder es ist einfach zu frustrierend... keine Ahnung, mag sein, wenn das so sein soll, dann wird es vielleicht passieren.
HoR: Und was würde passieren, wenn plötzlich aus irgend einem ganz normalen Entwicklungsfluss sich ein ganz neuer musikalischer Weg ergeben würde. Weil meinetwegen bei LIZARD plötzlich geile neue Songs da sind, die eben mit Southern Rock überhaupt nichts mehr zu tun haben. Könntest Du so einen Weg mitgehen?
S.K.: Wenn ich Spaß dran habe schon.
HoR: Also kein krampfhaftes Festhalten?
S.K.: In gewisser Weise wird es bei mir immer Southern Rock sein. Das steckt einfach in mir.
HoR: Was ist die Entwicklung bei FLATMAN zwischen der ersten Platte, der zweiten Platte und heute?
S.K.: Die erste Platte war... hm, da hat man doch gar nicht gewusst was man macht. Wir haben Southern Rock geliebt und gecovert und wir haben gesagt, dass wir eigene Nummern schreiben wollen. Haben wir auch innerhalb kürzester Zeit gemacht. Ob wir die jemals spielen, war zuerst mal eigentlich egal. Aber dann haben die Leute das gemocht, wir haben sie aufgenommen und fertig.
Die zweite Platte war schon so, dass wir relativ lange live gespielt hatten, auch gewusst haben, dass wir eigene Musik machen wollen und mein Bruder und ich haben songwriterisch richtig dran gearbeitet. Und jetzt ist die Band so weit, dass ich eine gewisse Entwicklung sehe, die mich stolz macht. Ich bin schon immer stolz auf diese Band, aber jetzt lebt das alles so richtig. Ich meine, wir machen nicht nur eigene Nummern, wir leben auch diese Nummern, wir erkennen die Songs als unsere Musik an. Dieser gewisse FLATMAN-Stil hat sich entwickelt. Natürlich kann man die zweite Platte mit anderen Bands vergleichen und man wird Ähnlichkeiten finden - das kann man übrigens mit jeder Musik, die Tonarten sind nunmal begrenzt -, aber ich denke, dass die zweite Platte einen deutlich stärkeren, eigenen FLATMAN-Stil hat als die erste.
HoR: Ich habe bei FLATMAN, und auch bei Dir als Sänger von LIZARD, immer das Gefühl, dass Eure Auftritte sehr publikumsabhängig sind. Sprich: Sind viele Leute da und gehen die auch noch gut ab, gehen FLATMAN und Kossmann auch ab.
S.K.: Ist es gestern bei LIZARD abgegangen?
HoR: Bei LIZARD ist es sehr abgegangen, aber ich hatte schon den Eindruck, dass bei Dir eine gewisse Hemmung wegen den relativ wenigen Leuten da war.
S.K.: Gut, dann muss ich schon sagen, mehr als gestern ist bei mir schon bald nicht mehr drin.
[Aha, das nennt man das Robbie-Williams-Syndrom, Herr Kossmann! Nur im vollen Stadion bin ich wirklich gut.]
Scherz! Es kann schon sein, keine Ahnung. Ich geh doch auch nicht jeden Tag mit zehntausend Menschen um. Ich bin ja eigentlich ein ruhiger Mensch und nicht so der Halligallidrecksaumacher und versuch halt einfach mit den Leuten zu kommunizieren. Es ist doch im Grunde wie bei einem Hürdenlauf und dich feuern x Leute an "Spring, spring, spring", dann bist du ja auch ganz anders drauf, als wenn du alleine vor dich hin läufst. Wenn's voll ist, peitscht das das Adrenalin natürlich mehr auf, als wenn kaum jemand da ist und ich hab wie gesagt nicht die Erfahrung, ständig vor Zehntausend zu spielen.
Ich geh halt immer mit dem Ziel raus, Energie zu vermitteln. Ich denk, das ist mein Job und dass es manchmal nicht so klappt, als wenn man vor einer wilden Meute steht... ja... unbewusst vielleicht.
HoR: Was waren die wichtigen neuen Bands in den letzten Jahren für Dich? Live oder auf Platte.
S.K.: Live oder Platte ist für mich ein Riesenunterschied. Live ist/war die weltbeste Southern Rock Band, also die Band, die genau das rübergebracht hat, um das es früher und heute ging und geht, und da gibt es keine andere Band die das so perfekt gemacht hat, das waren REBEL STORM.
[Das ist so richtig, wie ein Statement nur richtig sein kann. Jeder, der REBEL STORM mangelndes Können unterstellt hat, und das sind nicht wenige angebliche Kenner der Materie, soll sich bitte im Nachhinein für seine Ignoranz schämen. REBEL STORM haben 2003 die bis dahin besten Konzerte seit mindestens MOLLY HATCHET 1980 gespielt!]
Plattentechnisch gab es bestimmt fünf bis zehn neue Bands in den letzten Jahren, die ich liebe und jetzt noch gerne höre. Und es gibt neunzig bis hundert Bands, die ich für Bockmist halte und die nichts mit Southern Rock zu tun haben. Aber die werd ich bestimmt nicht nennen.
Die guten Bands, die nenne ich natürlich auch, sind zum Beispiel CATAWOMPUS, ALLIGATOR STEW, LAIDLAW und ich fand auch absolut stark zum Beispiel W.I.N.D. oder SAVOY TRUFFLE, auch wenn die nicht sehr viel mit Southern Rock zu tun haben, die mir aber richtig Spaß machen und gut tun. UND, weil ich sie supergern mag und weil es auch Freunde sind und weil sie richtig klassischen Southern Rock machen: VOODOO LAKE!
HoR: Ist es irgendwie vorstellbar, dass man dem Southern Rock einen kommerziellen Schub geben kann?
S.K.: Yo, logisch! Aber wie... das sind so viele Sachen, die da laufen müssten... In erster Linie wichtig ist, dass die Bands zusammenhalten und miteinander was machen.
HoR: Trügt der Eindruck, oder halten Southern Bands nicht ohnehin mehr und besser zusammen als in anderen Genres?
S.K.: Auf jeden Fall! Es gibt ein paar wenige, die kein Interesse zeigen, aber die gehen schnell wieder unter.
Was nicht gut ist und was den Southern Rock kaputt machen kann ist, dass auf einmal Bands auf den Markt geschmissen werden, die dieses Label Southern Rock verpasst kriegen und gar nix damit zu tun haben.
Ich weiß nicht, warum das so ist. Wahrscheinlich, weil irgend welche Leute meinen, mit dem Label könnte man eine Menge Geld verdienen oder weil der Southern Rock Fan einfach so treu ist und alles kauft wo Southern Rock draufsteht... Weil der Southern Fan einfach ein dankbarer Fan ist. Aber das wird vielen Fans (und Bands) das Genick brechen. Wenn diese Woche zehn Platten rauskommen, die alle die Southern Rock Platte des Jahres sind und nächste Woche wieder... und dann kommt eine Platte, die wirklich die absolute Waffe ist, wird genau die untergehen, weil das (Kauf-) Potential eh schon nicht besonders groß ist und die Medien sind auch so schnelllebig... das ist das gefährlichste was es momentan für Southern Rock gibt.
HoR: Wenn ich jetzt behaupte, dass wir mit einem Onlinemagazin wie dem Home of Rock irgendwie 90 plus X Prozent aller "echten" Southern Rock Fans abgreifen, also die die sich mit der History auskennen etc., dann erwischen wir vielleicht ein paar Hundert Leute. Viel mehr gibt es nicht. Wollte man darüber hinaus Southern Rock für mehr Menschen erschließen, bräuchte man ein Medium, das mehr Leute erreicht. Fernsehen, Radio, was weiß ich. Southern Rock ist bei den "Gelegenheitskäufern" negativ belegt und wird assoziiert mit dicken alten Männern die eigentlich schon tot sind. Wie verklickert man zum Beispiel einem Sechzehnjährigen, dass Southern Rock geil ist?
S.K.: Na schau, gestern war zum Beispiel unser Hausi da [der für FLATMAN seit Jahren als nimmermüdes Mädchen für Vieles tätig ist] und der hatte seinen Sohn dabei. Der ist vielleicht 17 oder 18 und hört normalerweise Techno oder sowas und war total beeindruckt und ist ein neuer Fan. Anders erreichst du die Leute nicht. Das geht nur bei Konzerten. Das ist genau wie im Klassikbereich oder in der Volksmusik. Die angeln sich doch neue Fans auch nur dadurch, dass einer dem Moik mal die Hand drückt und dann sagt, dass der ein toller Typ ist und dann immer hin will. Da bringen doch die Medien auch nix, du machst halt einfach alte Musik.
Was würde zum Beispiel passieren, wenn das ZDF morgen einen Riesenbericht über Southern Rock bringen würde?
HoR: Na ja, vielleicht würde man das dreifache an CDs verkaufen?
S.K.: Ja vielleicht, aber was ist dann das für eine (absolute) Zahl? Ist doch auch nix. Natürlich, jede Sache, die irgendwas dazu tut, ist toll und super und ist es wert und bringt was. Aber man darf nicht meinen, dass dadurch der absolute Aufschwung passieren würde. Der wird nicht kommen. Der wird einfach nicht kommen!
HoR: Also ist Rockmusik generell eine aussterbende Art.
S.K.: Nö, ist es nicht. Aber die (großen) Zeiten sind vorbei. Es gibt doch auch Liebhaber von Oldtimern oder alten Briefmarken. Das sind bestimmt auch nicht viele, aber die wird es auch immer geben.
HoR: Aber dafür wird auch jede Menge Geld ausgegeben.
S.K.: Southern Rock kostet auch viel Geld. Schau mal, wie viele Platten des Jahres man haben muss und was das kostet.
HoR: Und wie geht's jetzt mit FLATMAN und LIZARD weiter?
S.K.: Wir machen Musik! Und so lang ich bei diesen beiden Bands dabei bin, wird es beide Bands geben. Solang noch ein Fan dasteht und sagt "ich will das haben", hör ich nicht auf!
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