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J.B.O. haben sich seit 1989 einen stetig wachsenden Fankreis erspielt. Wirklich witzigen Unfug, verbunden mit guter Musik, gibt es bei uns nicht oft.
Wir hatten die Gelegenheit, Vito C. und Hannes "G. Laber" Holzmann beim Brainstorming am Bodensee stören zu können (was wahrscheinlich eh nicht so schlimm war, weil ihnen vermutlich grad sowieso nix eingefallen ist).
Ein Gespräch auf allerhöchstem Niveau. Langsam gesprochen und geschrieben, damit Ihr es auch langsam lesen tuen könnt:
Home of Rock: Ihr seid im Moment in der Songschreibephase für das neue Album. Nur ihr beiden (also Veit und Hannes)?
Vito: Ja, nur wir zwei.
HoR: Und die beiden anderen Jungs (Wolfram und Ralph) stoßen dann später dazu? Die waren ja auf der letzten Tour schon mit dabei.
Vito: Ja auf jeden Fall. Wenn's dann ans Arrangieren und die musikalische Ausformulierung geht, werden wir zu viert sein. Die haben ja letztendlich auch schon ganz gute musikalische Ideen. Ich denke, da werden wir uns ganz gut zusammenfinden. Aber was die Texte betrifft, da haben wir einfach gesagt, wir machen das weiterhin nur wir beide, weil wir da eine ganz gute Art und Weise gefunden haben.
HoR: Wie kann man sich diesen Prozess vorstellen? Ist das so was wie "konzentriertes Rumblödeln"?
Vito: Eigentlich ein ganz guter Ausdruck. Das trifft's. Konzentriert also im Sinne von Konzentration. Sich mit dem Gehirn drauf konzentrieren.
HoR: Mmmmh...
Vito: Und lustig sein ist eine ernste Angelegenheit.
HoR: Euch gibt es seit 1989. War das von Anfang an diese Geschichte mit Fun und Rosa?
Vito: Von Anfang an. Wobei, am Anfang war's nur Fun und Rosa und im Laufe der Zeit haben wir auch noch das Spielen gelernt.
HoR: Seid ihr eigentlich echte Franken oder gar Erlanger?
Vito: Ich schon. Bin aber der Einzige. Ach, der Wolfram ist auch Erlanger. Der Ralph kommt aus Nürnberg, na ja Fürth. Und der Hannes ist geboren in Forchheim und raised in Pocksdorf-City. Nicht zu verwechseln mit Bocksdorf. Mit hartem "b".
HoR: Ihr habt ja letztes Jahr oder vor 2 Jahren ein Video rausgebracht. Und ich hab in den einschlägigen Publikationen dazu gelesen, eine J.B.O. Live-CD wäre irgendwie kastriert. Weil der visuelle Aspekt wegfallen würde. Und jetzt gibt's ja dann doch die Live. Wie kommt's?
Vito: Ähm, das sind mehrere Aspekte. Einerseits werden wir seit Jahren von allen möglichen Fans regelrecht gezwungen und wir haben dem Drängen halt jetzt einfach nachgegeben.
Wir haben bei der Tracklist zu der CD versucht, Songs zu finden, die auch ohne den optischen Aspekt funktionieren. Und dadurch, dass die beiden neuen Jungs dazugekommen sind, haben wir festgestellt, dass es musikalisch halt noch viel geiler geworden ist, dadurch. Und das wollen wir natürlich auch herzeigen.
Und noch ein Aspekt ist, ich glaub, das war Adenauer, der gesagt hat: "was kümmert mich mein Gerede von gestern".
HoR: Also es ist nicht so, dass ihr zukünftig ein bisschen weg vom visuellen Aspekt wollt und "nur" noch Musik macht.
Vito: Naaa. Des ist halt einfach jetzt passiert.
Also der Hannes sagt grad, das stimmt alles gar nicht. Ich geb ihn dir jetzt einfach mal.
HoR: Also das war jetzt alles gelogen?
Hannes: Eigentlich stimmt das alles gar nicht was der Veit erzählt hat. Eigentlich ist uns das nur aus Versehen passiert mit der Live Platte. Wir wollten das gar nicht, aber jetzt ist sie auf einmal da. Entschuldigung. Ist uns so rausgerutscht.
HoR: Ist ja in Ordnung. Kann ja mal passieren. Wenn so ein Techniker einfach ein Band mitlaufen lässt. Was soll man da machen.
Hannes: War keine Absicht.
HoR: Irgendwann spricht auch kein Mensch mehr darüber.
Hannes: Genau. Wir hoffen einfach mal, dass es schnell vorbei geht und dass es keiner mitkriegt.
HoR: Was habt ihr denn für Erwartungen an die Live-CD. Also, ich meine, natürlich erwartet man sich, dass so 50 Stück verkauft werden. Aber meistens ist eine Livescheibe so was wie ein Zwischenstep für die Bands und/oder Plattenfirmen.
Hannes: Also kommerziell hab ich persönlich nicht so die riesengroßen Erwartungen. Was man so hört, verkaufen andere Bands immer so die Hälfte der Stückzahlen von normalen Studio-LP's.
Geschäftlich ist das sicher nicht so der große Knüller. Es ist wirklich, ohne das jetzt schleimmäßig zu meinen, genau das, was die Fans seit Jahren wollen.
HoR: Habt ihr schon mal über eine DVD nachgedacht?
Hannes: Denken wir immer noch nach. Haben wir auch jetzt wieder getan, finden aber, dass es noch ein bisschen zu früh ist. Wir sind nicht Papparossi oder so, will sagen, unsere Fans können nicht Hunderttausende von Mark jedes Jahr ausgeben.
Ich glaube, so was lohnt sich erst, wenn die Sache etwas weiter verbreitet ist und dadurch billiger für den Konsumenten ist.
HoR: Wichtig ist auch, dass die Bedienungsanleitungen leichter zu verstehen sind. Wartet also bitte, bis ich meinen Player bedienen kann.
Hannes: Machen wir. Ruf uns einfach an, wenn Du das Ding begriffen hast und dann können wir endlich eine DVD machen.
HoR: Ihr wurdet ja von den einschlägigen Medien von Anfang an in die Comedy-Zappelphillip-Deppen-Abteilung geschoben.
Hannes: Das tun viele immer noch...
HoR: Aber ihr bekommt jetzt auch Respekt, weil halt der kommerzielle Erfolg da ist.
Hannes: Das ist immer noch sehr unterschiedlich. Die einzigen, bei denen der "Respekt", vor dem was wir tun, gewachsen ist, ist die so genannte Metal-Presse. Was weiß ich, RockHard oder Metal Hammer. Da kann man so was wirklich feststellen und das ist auch ganz angenehm.
Es gibt aber immer noch, ich will jetzt keine Namen nennen, irgendwelche Fernsehsender oder auch große Festivalveranstalter, die uns ablehnen, mit Begründungen wie: "Das ist ja das gleiche wie Guildo Horn" oder "Nichts gegen die Band, aber es geht ums Prinzip".
Es hat sich, denke ich, bei vielen Leuten nichts geändert. Trotz der paar CD's, die wir verkaufen.
HoR: Gibt's für euch in Deutschland, grade aus der spaßigen Abteilung, Sachen, die ihr auch mögt?
Hannes: Es gibt viele Sachen, die wir auch mögen. Badesalz oder der Michael Mittermayer. In Zusammenhang mit Musik weiß ich gar nicht so viele Sachen. Es gibt Knorkator, mit denen kann ich persönlich nicht so viel anfangen. Ohne darüber herzuziehen, es spricht mich halt persönlich nicht so sehr an.
Als wir - früher - noch Kids waren, standen wir beide sehr auf die Rodgau Monotones. Und die E.A.V. waren, speziell live, natürlich legendär. Also die beiden haben uns sicher sehr stark beeinflusst.
Uns am ähnlichsten, wenn man das mal vergleichen darf, ist wahrscheinlich der Weird Al Yankovic in den USA.
HoR: Die Rodgau Monotones sind übrigens wieder aktiv.
Hannes: Ja ich weiß. Als wir in Neu Isenburg gespielt haben, haben wir uns sehr nett mit denen unterhalten. Die sind wirklich cool.
HoR: Und im rein musikalischen Bereich, was könnte man da für Favoriten bei euch nennen?
Hannes: Oh Gott, das ist ja ganz schwer.
HoR: Geht das in die Richtung, dass ihr die Bands, die ihr covert auch gut findet?
Hannes: Also, du kannst davon ausgehen, dass je weniger wir einen Song verändern, desto mehr finden wir das Original gut.
Also bei Roots bloody roots haben wir schon versucht - bis auf den Papparotti-Aspekt - den Song ziemlich originalgetreu zu spielen.
Das Fahrende Musikanten von der ersten CD ist natürlich nicht ganz so original...
HoR: Kam eigentlich von den Truck Stop-Jungs damals etwas, als ihr deren Country Song verwendet habt?
Hannes: Nö, die haben das genehmigt. Problemlos. Ist ja auch ein geschäftlicher Gesichtspunkt für die...
Die einzige Beschwerde war damals mit Rammstein. Aber das war ja gar kein Rammstein-Song, sondern einer von Nicole, also von Ralph Siegel. Und die Rammsteins haben sich beschwert, weil wir angeblich den Rammstein-Sound geklaut hätten. Aber darum ging's uns ja auch. Wir wollten das ja parodieren.
HoR: Gibt es für euch eigentlich noch Unterschiede in der Akzeptanz? Regional gesehen meine ich. So zwischen Süd- und Norddeutschland zum Beispiel.
Hannes: Nee, kann man eigentlich nicht sagen. Jedes Konzert ist einfach anders. Wenn man drei mal in der gleichen Stadt spielt, hat man drei mal unterschiedliche Stimmungen.
Aber es ist nicht mehr so, im Gegensatz zu früher natürlich, dass wir einen Unterschied zwischen München und Hamburg spüren.
Es gibt natürlich... also Mecklenburg-Vorpommern zum Beispiel...da waren wir halt noch nicht so oft.
HoR: Mal eine ganz ernsthafte Frage. Wenn ihr so Geschichten wie "zeigt mir das True Metal Zeichen" von der Bühne runter macht, dann machen das ja auch so zweieinhalbtausend Leute. Und ich habe immer das Gefühl, dass da durchaus einige Leute drunter sind, die das richtig ernst meinen.
Hannes: Das kann man nicht verhindern...
Ich glaub, die meisten verstehen es schon richtig. Aber es gibt natürlich immer welche, die so was zu ernst nehmen. Es gibt halt immer wieder Bescheuerte. Aber so lang die dabei friedlich bleiben...
HoR: Ihr geht ja jetzt wieder auf große Tour. Spielt ihr da jeden Abend die gleiche Setlist?
Hannes: Wir starten jetzt mal mit einer festen Setlist, werden dann nach ein paar Gigs feststellen, dass uns der eine oder andere Song an der Stelle doch nicht so gefällt und dann entsteht nach einigen Gigs ein Gerüst, das aber letztlich auch nicht immer sklavisch eingehalten wird.
Jetzt geb ich Dir mal wieder den Veit. Sonst wird alles so einseitig.
HoR: Nochmal zurück zu euren Coverversionen. Und zwar zu den ernst gemeinten. Ist da so was wie Kalkül dahinter, also sagt ihr bewusst, den oder den Song covern wir jetzt?
Vito: Wie meinst Du das? Du Hannes, der meint, bei uns gäbe es einen Unterschied zwischen ernst gemeinten Coversongs und nicht ernst gemeinten Coversongs, also Verarschungen.
HoR: Naja, es ist doch wohl ein Unterschied zwischen beispielsweise Roots... und Ich möcht' so gerne Metal hör'n.
Vito: So darf man das nicht sehen. Ich möcht'... ist ein Protestsong. Gegen schlechte Musik im Radio.
Bei uns gibt's sicher keine zwei Kategorien von Coverversionen. Es gibt einfach einen Song und dazu fällt uns die Idee ein.
Und nein. Es gibt keine Quotenregelung. Wir sagen nicht: "Wir müssen 32,3% Coverversionen haben." Wir schreiben einfach unsere Ideen auf und dann sehen wir am Schluss, wie viele eigene und fremde Songs rauskommen.
Hannes: Und es werden auch nicht alle fremden Songs genehmigt.
Vito: Eben.
HoR: Und die Frauenquote?
Vito: Geht Journalisten nix an!
Den nachfolgenden, längeren, Dialog über Frauen im Rock'n'Roll, Groupies etc. lassen wir an dieser Stelle links liegen. Veit leugnet jedenfalls alles.
HoR: Anderes Thema. Ihr habt eine riesengroße Internetseite...
Vito: Kommt drauf an, in welcher Auflösung man sie betrachtet. Wenn du beispielweise einen 15-Zoll Bildschirm hast, dann ist sie kleiner, unsere Seite.
HoR: Auch. Aber ich hab eine starke Brille. Da kommt sie schon groß rüber.
Aber ich wollte eigentlich wissen, in wie weit ihr bei der Seite selbst involviert seit.
Vito: Naja, wir sind in so fern involviert, als dass es eben unsere Homepage ist.
Aber ernst. Wir haben einen Webmaster, der kümmert sich um die Inhalte und hin und wieder machen wir natürlich schon selber Dinge. Im Forum mal melden etc. Ich schau mir die Seite auch selber ziemlich oft an, schau ins Gästebuch und ins Forum.
Es ist natürlich ein Marketingtool. Die News sind halt immer die frischesten und deswegen schauen sich das viele Leute oft an. Aber in wie fern das "verkaufsfördernd" wirkt, keine Ahnung.
HoR: Was denkst du denn über Sachen wie MP3, Downloads, Napster?
Vito: Es ist natürlich für die Künstler nicht so toll, wenn man sich Sachen holen kann, für die man lange gearbeitet hat. Aber die CD-Brennerei ist für uns natürlich wesentlich schlimmer als die MP3-Downloads.
Ich glaube, die Brennerei hat diesen "Zusammenbruch" in der Industrie schon mit am meisten zu verantworten.
HoR: Ist nicht die Industrie auch selber schuld an ihrer derzeitigen Misere? Zuviel Schrott und Wegwerfware...
Vito: Das geht so ein bisschen einher. Im Grunde ist es so: Weil von jedem einzelnen Titel immer weniger verkauft wird, geht die Musikindustrie einer Politik nach, die natürlich wirklich Blödsinn ist, und produziert und veröffentlicht immer mehr, die aber pro Stück immer weniger verkaufen.
HoR: Zurück zu eurer Live-CD. Ihr habt einen Teil der Scheibe in Hamburg aufgenommen. Wie kam es ausgerechnet zu Hamburg?
Vito: Das Docks ist eine supergeniale Konzerthalle, es war schon mindestens eine Woche vorher ausverkauft und die Stimmung war mega. Besser als zum Beispiel in Nürnberg. Das war natürlich auch nicht grade scheisse, aber in Hamburg war es noch frenetischer.
Hannes: Und es ist inzwischen für uns ganz normal, "so weit weg" zu spielen.
Vito: Und wenn du jetzt drauf hinaus willst: "Ihr seid doch eine Band aus Süddeutschland und in Hamburg kommt doch gar keiner zu eurem Konzert". Das ist nicht mehr so. Schon lange nicht mehr.
HoR: Wie kam es denn zu der Idee mit den Symphonikern?
Vito: Am 15. Februar war in Nürnberg die Eröffnung der "Arena". Und ein guter Bekannter von uns (Rainer Grasser), der auch schon bei der "Meister der Musik" Ein guter Tag zum Sterben dirigiert hat, kam auf die Idee, uns mit den Nürnberger Symphonikern zusammen zu bringen. War auch eine sehr schöne Geschichte.
So neu ist die Idee, mit einem Orchester...
Hannes: Wir ham's erfunden!
Vito: Ja, letztendlich haben wir es erfunden.
HoR: Aber da gab's doch schon früher...
Vito: Die haben das von uns geklaut! Wir hatten die Idee vorher, nur noch keine Möglichkeit, es zu verwirklichen. Also, wenn jetzt jemand behauptet, das wäre schon 1969 bei Deep Purple passiert: Lüge!
HoR: Letzte Frage.
Vito: Echt?
HoR: Ja. Die terminale Version von Ein guter Tag zum Sterben, ist das wirklich die letzte Version?
Vito: Ja klar. Sonst hätten wir das ja nicht hingeschrieben.
Das war ja auf der letzten CD nicht drauf. Und dann gab's einen riesigen Aufschrei, warum und so weiter. Aber der Grund ist ganz einfach. Wir hatten einfach nichts mehr zu sagen, zu dem Thema. Und jetzt mit den beiden Neuen in der Band, gab es halt noch mal was zu sagen.
Diese letzte Version ist schön geworden. Normal sozusagen. So wollte ich sie schon immer gerne haben.
Vielleicht sehen wir das in 20 Jahren anders und machen noch eine neue Version.
Hannes: Wenn's dann mal wirklich aktuell wird... (mit dem Sterben).
Vito: Aber im Moment war's das jetzt mal. Noch eine Reggae-Version oder weiß der Teufel was, könnte man natürlich noch machen. Wäre aber alles Quatsch. Wir fänden's halt einfach nicht mehr witzig und dann können es die Fans auch nicht mehr witzig finden.
HoR: Ihr wollt wirklich in 20 Jahren noch...? So wie die Rolling Stones?
Vito: Ja genau. Die Tour, die wir in 20 Jahren machen werden, die heißt: "Die Rolling Stones Tour 2021".
HoR: Klasse Schlusswort. Hast Du eigentlich schon unser Review im Home of Rock gelesen?
Vito: Ja. Und ich fand es sehr süß.
HoR: ???
Vito: Danke. Habt viel Spaß und vor allem: Viel guten Sex!
Für das Zustandekommen dieses Gesprächs danken wir: Antje von Blanko Musik.
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