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Gespräch mit Henrik Freischlader beim Konzert in der Blues Garage in Hannover-Isernhagen:
Home of Rock: Die Blues Garage ist der letzte Termin Eurer ersten großen Tour. Wie war der Verlauf?
Henrik Freischlader: Wir sind sehr zufrieden, insgesamt lief alles weit über unseren Erwartungen. Die Leute waren überall sehr dankbar und es hat uns wirklich großen Spaß gemacht zu spielen.
HoR: Wie seid ihr auf die Blues Garage gekommen. Sie liegt ja eigentlich etwas abseits der Tour-Route.
H.F: Den Termin hat Sascha Kühn für uns an Land gezogen, er spielt hier öfters mit BIRTH CONTROL und hat Henry (dem Veranstalter) unsere Band empfohlen. Die Location und das Publikum heute sind klasse. Fabelhafte Stimmung hier.
HoR: Heute ist es ja üblich CDs während der Konzerte zu verkaufen. Wie war der Absatz?
H.F: Wir sind überrascht, bei fast 700 verkauften Exemplaren allein auf den Konzerten kann man wohl nicht klagen, wirklich fantastisch. Herzlichen Dank an die Fans!
HoR: Eine Setlist konnte ich auf der Bühne nicht ausmachen. Improvisiert ihr vielleicht?
H.F: Wir improvisieren sehr viel, trotzdem haben wir selbstverständlich unser festes Programm, welches wir mittlerweile aber alle im Kopf haben... die Setlist vergessen wir immer im Auto. Je nach Resonanz im Publikum ändern wir die Reihenfolge der Songs etwas. Wir können nicht gut mit starrem Programm unseren Stiefel runterspielen. Jedes Konzert verläuft anders.
HoR: Jetzt ist gerade Halbzeit. Störend empfinde ich das Gesabbel von einer Gruppe an der Theke. Das stört unheimlich während der leisen Passagen.
H.F: Du hast recht. Schön ist es nicht. Aber das ist bei anderen Veranstaltungsorten nicht anders. Mal mehr, mal weniger. Wenn es zu sehr ausufert, spielen wir die langsame Nummer zum Schluss nicht. Aber ich glaube, hier werden wir sie spielen (so war es auch).
HoR: Habt ihr schon einmal live mit Ear-Monitoring gespielt und wenn ja, wie ist Deine Meinung zu diesem kabellosen Wunderwerk?
H.F: Unser Drummer, Dirk Sengotta, spielt regelmäßig mit In-Ear Monitoring. Oliver und ich haben es auf der Tour auch ausprobiert. Mir gefiel es spontan eher nicht, ich finde den Sound zu steril und "dosig", brauche da live doch den "rohen" Sound aus meinen Realtones.
Das ist aber nur mein persönliches Empfinden, für viele Instrumente, Schlagzeug ganz besonders, soll es prima sein.
HoR: Was hältst Du von den modernen Soundspielerein a la Surround in den eigenen vier Wänden. Also "The Blues" statt in Stereo in Dolby Digital Music über eine Batterie von Lautsprechern.
H.F: Ich halte viel davon und finde die Entwicklung auf diesem Gebiet beachtlich, allerdings könnte ich mir vorstellen, dass es für das "eigene Heimkino" besser funktioniert als für meine alten Bluesscheiben.
HoR: Wie siehst Du die gegenwärtige Blues-Szene a.) in Deutschland b.) weltweit. Was ist in - was ist out?
H.F: Ich finde die Bluesszene in Deutschland großartig. Es gibt uns "Blueser" überall. haha! Nein, im Ernst, für mich ist es immer wieder erstaunlich, was der Blues doch für eine beständige Fangemeinde hat und wie sich die Szene auch füreinander einsetzt. Als wir z.B. unser aktuelles Album aufgenommen haben, hätten wir niemals mit einer solch großen Resonanz gerechnet. Ein ganz herzlicher Dank an dieser Stelle an die Magazine und Internet-Foren wie z.B. Bluesnews, RockTimes, Weinschenk, Ragazzi Music und natürlich das Home of Rock, die uns durch ihre CD-Rezensionen und Konzertberichte wirklich enorm unterstützt haben.
Ebenfalls fantastisch ist das Interesse und das Engagement der ganzen Clubs, in denen wir jetzt fast 40 Konzerte gespielt haben. Man trifft immer wieder auf Menschen, die sich für den Blues in Deutschland ganz besonders einsetzen, die Blues Garage ist dafür ein sehr gutes Beispiel, aber auch der Ducsaal in Freudenburg, oder die Musical Box in Remscheid, um nur einige der vielen zu nennen.
Das neu gegründete Label "Pepper Cake", das uns veröffentlicht hat, ist auch ein gutes Beispiel für die neue Welle der Begeisterung für den Blues. Die engagierten Mitarbeiter unterstützen uns mit Begeisterung, das ist spürbar. Wer hätte denn auch gewagt, eine No-Name-Band zu veröffentlichen, wenn nicht mit dem entsprechenden Feeling gehört worden wäre. Toll!!
Ich bin begeistert und froh über diese Entwicklung. Auch zu unseren Konzerten kommen immer mehr junge Leute, die sich beigeistern lassen und dazu beitragen, dass der Blues immer populärer wird. Das freut mich sehr.
Weltweit wird es ähnlich sein, in oder out ist beim Blues glaube ich eher Nebensache oder zumindest schwer festzulegen.
HoR: Euer Sound war knackig und die Instrumente kamen sauber getrennt aus der Anlage. Kein Soundgedröhne wie einst bei MOLLY HATCHET. Wer ist euer Meister an den Reglern?
H.F: Erst einmal herzlichen Dank, der Sound ist immer wichtig! Ich denke, dass wir alle unsere klaren Vorstellungen von unserem persönlichen Sound haben, zusammen ergibt es immer einen guten und transparenten Mix. Es ist allerdings immer von Konzert zu Konzert verschieden, an diesem Abend hatte auch Henry von der Blues Garage seine Finger im Spiel.
HoR: Bist Du Profimusiker oder hast Du, wie z.B. Julian Sas, einen zweiten Job neben der Musik?
H.F: Nein, einen Job neben der Musik habe ich nicht, ich studiere katholische Theologie und Englisch.
HoR: Ist Henrik Freischlader ein politischer Mensch?
H.F: Nein, ein religiöser Mensch.
HoR: Deine persönliche positive Hitparade: Musik, TV-Sendung, Film, Buch.
H.F: Musik: Da gibt es unzählige, natürlich all die großen Meister, B.B. King, Muddy Waters, Robert Johnson, Albert King, Albert Collins, Jimi Hendrix, Stevie Ray Vaughan, Gary Moore, Keb' Mo', Johnny "Guitar" Watson, Lucky Peterson, Jeff Healey, Greg Koch, Robben Ford, Taj Mahal etc. Aber auch aktuell in der "neuen" Generation gibt es hervorragende Musiker wie z.B. Joe Bonamassa, John Mayer, Colin James oder Kenny Wayne Shepherd.
Und noch schnell die "Geheimtipps" wie z.B. Chris Duarte, THE HOAX oder Mark Selby.
Allerdings höre ich alles, was gut ist, und da gibt's wieder unendlich viel, das alles aufzuzählen, würde zu viel Platz einnehmen. Mein CD-Schrank geht neben den ganzen "Bluesern" von Ray Charles und Ella Fitzgerald über TOWER OF POWER und James Brown bis LED ZEPPELIN oder LYNYRD SKYNYRD usw.
TV Sendungen: Gute Dokumentationen.
Film: Sehr gerne sehe ich Charlie Chaplin und die Marx Brothers, aber auch "Der Pate 1 + 2" ist z.B. ein Film, in dem alles stimmt, bis ins Detail, inkl. Zeitgeist.
Lieblingsbuch: Michail Bulgakow "Meister und Margarita".
HoR: Und im negativen Sinne. Musik, TV, Film, Buch...
H.F: Musik: Techno und diese vulgären deutschen Hip Hopper sind nicht so mein Ding.
TV Sendung: Soaps, Talkshows, Gerichtssendungen und Unterhaltungsnachrichten.
Film: Da gibt's nichts bestimmtes, B-Movies halt.
Buch: Die schlechten kenn ich nicht.
H.F. & J.D.
Das Home of Rock dankt recht herzlich für das nette Gespräch.
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