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Mit einer dampfenden Tasse Tee und etwas müden Augen trat mir eine freundliche, aber zugegebenermaßen, nach drei Wochen Tourstress, etwas ausgepowerte Eleni Mandell entgegen. Doch während des Interviews schien sie dann doch hellwach und konzentriert zu sein, so dass sich mein Eindruck, es hier mit einer letztlich doch ausgeschlafenen Künstlerin zu tun zu haben, nach meinem Interview aus 2005 erneut bestätigte.
Home of Rock: Hi Eleni, wie lief eure Tour bisher?
Eleni Mandell: Oh, die Tour lief großartig, aber auch ein wenig schwierig, weil wir so wenig freie Tage hatten, im Grunde nur 3 innerhalb von drei Wochen.
HoR: Also, Du bist jetzt total erschöpft?
E.M.: Ja, das bin ich wohl, absolut... (lacht)
HoR: Gute drei Wochen seid ihr jetzt durch die Länder gezogen, kein Wunder also, dass Du müde bist.
E.M.: Ja, die meisten Shows spielten wir zwar in Deutschland, aber wir waren auch in Österreich, Schweiz, spielten eine Show in Dänemark, eine in Schweden, fahren jetzt noch für ein paar Gigs nach Holland und Belgien und dann endlich... nach Hause. Ich möchte jetzt hier nicht jammern wie ein Baby, denn wir hatten letztlich auch eine gute Zeit, spielten in tollen Clubs, trafen nette Leute, meine Band ist supergut drauf, aber so nach drei Wochen bekommt man dann doch etwas Heimweh. Aber, so ist der Job halt.
HoR: Irgenwie scheint es, als habe sich seit unserem letzten Gespräch einiges bei Dir geändert. Du bist bei einer neuen europäischen Plattenfirma gelandet und tourst jetzt mit der Unterstützung der Berthold Seliger Agentur. Das sind doch schon recht gute Adressen im Business. Wie kam es denn dazu?
E.M.: Der eigentliche Grund war, dass Trocadero Records, die meine beiden letzten Alben hier in Deutschland und auch in Österreich und der Schweiz vertrieben haben, den Laden dicht gemacht haben und Rüdiger Ladwig, der Besitzer, mir dabei half ein neues Label zu finden. Glücklicherweise waren die Leute bei Trocadero Fans meiner Musik und so kam dann eins zum anderen. Die Leute bei V2 machen ebenfalls einen großartigen Job und ich bin ganz glücklich dort.
HoR: Ja, aber V2 ist im Gegensatz zu Trocadero doch ein recht fettes Major-Label. Hast Du jetzt irgendwie das Gefühl, es geschafft zu haben?
E.M.: Ach was, nein, es ist immer das gleiche Spielchen. Du musst halt zusehen, dass deine Musik irgendwie verkauft wird. Man steckt so viel Arbeit in seine Projekte, geht dann wochenlang auf Tour, verzichtet auf all die Leute die man liebt, die einem was bedeuten. Da spielt die Plattenfirma gar keine Rolle.
HoR: Das bringt mich direkt zu einer weiteren Frage. Du bist schließlich eine Frau, keine Ahnung wie alt Du bist, 27, 28 oder 30, (Eleni lacht und meint sie sei älter und fühle sich geschmeichelt), hast Du nicht auch manchmal das Gefühl oder denkst daran, eine Familie zu gründen oder vielleicht auch ein Baby zu bekommen?
[Das, lieber leser, ist eine klassische Suggestivfrage. Dem Kollegen Ipach gebührt hierfür zwar kein Pulitzer-Preis, unser tiefester Respekt für subtile Fragetechnik allemal. Red.]
E.M.: Ja klar, total oft, und ich denke ich muß in der nächsten Zeit meine Prioritäten setzen. Denn wenn ich es in der nächsten Zeit nicht schaffe, mir schlüssig zu werden was ich denn eigentlich möchte, dann wird's in fernerer Zukunft immer schwieriger. Das Problem ist, dass die Leute in Amerika häufig denken, man sei krank oder nicht arbeitsfähig, wenn man ein Baby erwartet. Die Schwester einer Freundin von mir, die auch Musikerin ist, ging, als das Baby grad mal 3 Monate alt war, schon wieder auf Tour. Also, ich möchte ja nicht verantwortungslos sein, aber irgendwie muß man es doch schaffen, auch weiterhin zu arbeiten. Ich muß einfach noch drübernachdenken, schwierige Sache...
HoR: Dein neues Album "Miracle Of Five" wird auch diesmal wieder von der einschlägigen Musikpresse hoch gelobt. In einem Internetartikel des Magazins "New Yorker" las ich folgendes Zitat: "Mandell ist möglicherweise die talentierteste Person im ganzen Musikbusiness". Was denkst Du über solche Aussagen?
E.M.: Was? Dieses Zitat kenne ich nicht, obwohl ich den New Yorker doch relativ häufig lese, ich mag dieses Magazin in der Tat, aber ... na, ich weiß nicht so recht. Es stand allerdings dort vor einigen Jahren mal, dass ich "possibly the best unsigned artist" sei. Natürlich schmeichelt mir das, insbesondere wenn es von Journalisten kommt, die man absolut respektiert. Aber, letzten Endes ist es auch nur ein Teil des Business und man sollte dies alles nicht zu hoch hängen und einfach konzentriert weiterarbeiten. So etwas beeinflusst mich nicht in meinem täglichen Leben. Es ist zwar nett, mehr aber auch nicht.
HoR: Bedeutet das, dass Du im Allgemeinen einen Scheiß darauf gibst, was die Presse so über dich verbreitet? Bist Du nicht manchmal auch verärgert oder wütend über die eine oder andere Presseverlautbarung?
E.M.: Also, verärgert bin ich nur dann, wenn ich das Gefühl habe, jemand hat meine Platte nicht richtig gehört, wenn er sich z.B. ein Urteil erlaubt anhand eines einzigen Titels, oder so, aber ehrlich gesagt, Du darfst dir nicht zu viel auf gute Kritiken einbilden und auch nicht allzu viel auf schlechte Kritiken geben. Das ist die gesündeste Art und Weise.
HoR: Wie würdest Du denn dein neues Album einer Person beschreiben, die noch nie einen Ton davon gehört hat.
E.M.: Oh, da würde ich sagen es ist ... sehr schön, süß und auch ein bißchen dunkel. Und irgendwie besitzt es für mich auch so eine Art magische Kraft.
HoR: Was würdest Du als dein auffallendstes Talent bezeichnen? Songwriting, Song-Arrangements, das Singen oder das Gitarrespielen?
E.M.: Mein Talent? Ach, ich denke ich bin ein ganz ordentlicher Songwriter, ich kann ganz gut mit Worten umgehen, ich liebe die Sprache. Manchmal überrasche ich mich selbst, ja, ja, ich weiß das klingt lächerlich, aber manchmal wenn ich ein paar Jahre später meine Texte anschaue, entdecke ich neue Bedeutungen innerhalb der Lyrics. Das mag daran liegen, dass ich meine Texte irgendwo aus dem Unterbewußtsein hervorhole, auf eine sehr natürliche Art und Weise. Okay, manchmal versuche ich auch etwas ganz bewußt zu erschaffen, aber meistens geschieht es doch auf diese ganz natürliche Art und Weise, die mich dann im Nachhinein über mich selbst staunen lässt (lacht). Ich denke, ich weiß auch, dass ich nicht die perfekte Sängerin bin, aber ich schätze ich verfüge eine Menge Charakter in meiner Stimme.
HoR: Wer ist denn für dich die perfekte Sängerin?
E.M.: Oh, Ella Fitzgerald, Sarah Vaughan, Peggy Lee, Patsy Cline, Tammy Wynette. Ich kann ganz gut damit umgehen, nicht die perfekteste aller Sängerinnen zu sein.
HoR: Ach komm, deine Stimme ist doch schön genug...
E.M.: (lacht) Okay, danke.
HoR: Es gibt auf deinem neuen Album eine Menge jazziger Einflüsse. Wer oder was hat dich ermutigt, dieses so umzusetzen?
E.M.: Neben einigen anderen verschiedenen Stilen bin ich mit alten Jazzplatten aufgewachsen, hörte Sachen aus dem klassischen American Songbook, Songs von Cole Porter und George Gershwin, so dass diese Melodien irgendwie zwangsläufig in mein Songwriting einfliessen. Außerdem bin ich der Meinung, dass man diesen leichten Jazzeinfluss auf allen meinen Platten spürt.
HoR: Neulich las ich in einem Buch von Ashley Kahn mit dem Titel "The House That Trane Built" (ein Buch über das Wirken des großen Jazzlabels der Sechziger, "Impulse") ein Zitat von, ich glaube es war Don Cherry, der Trompeter, der dort zitiert wurde: "Ein spezifischer Stil ist der Tod der Kreativität". Was hältst Du von dieser Aussage?
E.M.: Nun, ich glaube ein spezifischer Stil könnte die Geburt von Geldmacherei sein. Jedenfalls waren meine bisherigen Alben immer so, wie ich sie eigentlich haben wollte.
HoR: Ja, das meine ich ja, deine Alben sind schon immer irgendwie unterschiedlich. Auf einen bestimmten Stil kann man dich nicht unbedingt festnageln.
E.M.: Es ist eben so, dass man, um etwas besser verkaufen zu können, die Musik kategorisieren möchte. Man kann sie so besser an den Mann bringen. Aber ich lasse meiner Kreativität lieber freien Lauf. Nur so kann ich glücklich sein.
HoR: Auf deiner neuen Platte spielt Nels Cline von WILCO die Gitarre. Hast Du ihn ganz zielbewußt engagiert und wo ist der großartige Joshua Grange (von den letzten Alben) abgeblieben?
E.M.: Josh? Oh, der spielt jetzt mit anderen Leuten. Alle Musiker mit denen ich zusammenarbeite spielen auch mit anderen Musikern. Josh ist natürlich ein hochtalentierter Gitarrist, aber seine Art zu spielen ist mehr traditionell ausgerichtet, das kam mir für mein neues Album nicht so gelegen. Ich brauchte diesmal jemanden der experimentierfreudiger daherkommt und Nels Cline ist ein Freund unseres Drummers Kevin Fitzgerald und der Typ mit dem wir jetzt touren, Jeremy Drake, ist wiederum ein Kumpel von Nels und der hat ihn mir schließlich empfohlen. Ich bin momentan an etwas abgefahreneren Sounds interessiert und Jeremy macht das sehr gut.
HoR: Nachdem Du jetzt drei Wochen unterwegs warst, hast Du irgendwelche neuen unerwarteteten Eindrücke über uns Europäer sammeln können?
E.M.: Das einzige wofür mir Zeit bleibt und was mich in Sachen Kultur und so interessiert, ist schließlich das Essen, denn ich esse für mein Leben gern. Ansonsten spüre ich eben, dass uns die Leute sehr freundlich begegnen, weil wir ihnen ebenfalls freundlich gesonnen sind, wir machen sie glücklich mit unserer Musik. Das ist es was zählt. Ich lerne durch unser Touren schon eine Menge unterschiedlicher Leute kennen, auch außerhalb des Business, kann mich hie und da mit ihnen unterhalten und mir ein ungefähres Bild über die europäische Denkweise mache.
HoR: Was hört ihr denn so im Tourbus, wenn ihr von einer zur nächsten Stadt fahrt?
E.M.: Oh, jetzt zuletzt habe ich ein Hörbuch genossen, von Michael Connelly, einen Mysterythriller, der uns allen sehr viel Spaß bereitet hat. Und dann haben alle ihren iPod auf den Ohren und ich höre meistens, obwohl das jetzt vielleicht merkwürdig klingt, Hitsongs aus den Siebzigern. Zeugs eben wo man mitträllern kann, irgendwas leichtes. Ich hab ja schon 'ne Menge Tourneen gemacht und irgendwann wird man es satt immer nur Bob Dylan zu hören (lacht).
HoR: Okay, Eleni, dann will ich dich jetzt nicht länger aufhalten. Du musst gleich deinen Gig spielen. Ich wünsch Dir viel Spaß dabei. Ich werde zuhören und einen Bericht drüber schreiben.
E.M.: Okay, vielen Dank, und sei gnädig mit deinem Urteil... (lacht)
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