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Zur VÖ des aktuellen Albums "Afternoon" am 10.01.2005 und als Einstimmung für die anstehende Tour im Februar traf sich Frank Ipach mit Eleni Mandell und befragte sie zu Musik, Liebesleben, Bühnenleben und Zukunftsplänen.
Home of Rock: Dein letztjähriges Album "Country For True Lovers" bedeutete einen grossen Karriereschub für Dich, zumindest in Europa, schätze ich. Hast Du es derart heftig erwartet oder warst Du letzten Endes doch überrascht?
Eleni Mandell: Oh, ich war absolut positiv überrascht. Wir bestritten eine wundervolle Tour und haben ne Menge erlebt.
HoR: Und wie fiel die Resonanz in Deiner Heimat U.S.A. aus?
E.M.: Ach, es lief überall ganz ordentlich, aber ich glaube, hier in Deutschland haben wir einfach in schöneren Clubs und Orten gespielt und... ich schätze ich war auch deshalb überrascht (lacht) weil so viele Leute zu den Gigs kamen, das war fast ein Schock.
HoR: Vor vielen Leuten hast Du denn gespielt? 60, 80, 200?
E.M.: Oh Gott, da bin ich nicht sicher. Ich versuche es eher zu vermeiden, über Zahlen nachzudenken (lacht). Ich gebe nicht so viel auf Zahlen und Verkäufe und solche Sachen... Aber in Berlin z.B. war's ausverkauft, obwohl wir zum allerersten Mal dort spielten und das war grandios, wirklich.
HoR: Du bist schliesslich immer noch ein "independent artist", deshalb sei die Frage erlaubt, ob Du mit Deinen Aktivitäten ausreichend Geld verdienst, um Deinen Lebensunterhalt zu bestreiten?
E.M.: Doch, doch, in den letzten drei Jahren hab ich's geschafft. Zuvor hatte ich noch einen anderen Job, aber ehrlich gesagt, ich weiss natürlich nicht wie lange das anhalten wird. Aber es ist okay so... uns geht's ganz gut, wir bleiben auf dem Boden der Tatsachen und müssen zusehen, dass unsere Inspiration nicht abhanden kommt.
HoR: Eleni, ich hab Deine ersten drei Alben bisher nie richtig gehört. Aber von dem was man so gelesen hat, musst Du eigentlich eine ordentliche Sinneswandlung unternommen haben, als Du "Country For True Lovers" aufgenommen hast. Wie kam das? Du hättest doch auch ein Country-Album zu Beginn Deiner Karriere aufnehmen können, oder?
E.M.: Äh, das war kein richtiger Sinneswandel, das war eher nur so ein Augenblick, eine Laune, ich wollte es einfach tun, weil ich immer schon traditionelle Country-Musik geliebt und gehört habe. Und auch auf meinen alten Alben gab's immer mal ein paar kleine Country-Einflüsse hie und da. Deshalb bin ich jetzt noch lange kein Country-Künstler. Auch mein neues Album ist kein Country-Album in diesem Sinne, sondern eher ein wenig wie meine früheren Alben, das heisst, irgendwie 'ne Mischung aus vielen Einflüssen. Also, für mich war's überhaupt keine Änderung, sondern einfach nur Spass, verstehst du?
HoR: Aber hättest Du auch ein Country-Album zu Beginn Deiner Karriere aufnehmen können?
E.M.: Ja schon, aber damals war's halt noch nicht in meinem Kopf.
HoR: Jetzt mal zu Deinem neuen Album. Im begleitenden Pressetext steht ein Zitat von Dir, Eleni, in dem Du ankündigst, Dein kommendes Album sei voll von Soul Music. Da sag mir doch jetzt einfach mal, wie Deine Definition von Soul Music aussieht.
E.M.: Aah, das ist eher als lockere Umschreibung zu verstehen. Klar, ich hab immer schon 'ne Menge Soul Music gehört. Frühe Soul-Musik aus den Fünfzigern und Sechzigern, Ray Charles und so'n Kram. Na ja, ich weiss nicht so recht, dadurch dass ich dieses Zeug gehört habe, lernte ich eine Menge von diesen tollen Sängern und irgendwie hat mich das alles wie durch einen Filter durchdrungen und tauchte dann auf meinen Platten auf. Ich versuch jetzt natürlich nicht eine Themen-Platte zu machen, es ist einfach nur meine Version von Soul-Musik. Das zieht sich irgendwie schon durch all meine Aufnahmen. Ich versuche halt immer möglichst 'soulful' zu singen (lacht). Na ja, das ist dann meine Definition von Soul-Musik.
HoR: Was an "Afternoon", Deinem neuen Album, auffällt, ist, dass es mit einer, na sagen wir mal, "direct-to-your-face"-Produktion daherkommt. Ich meine, es hört sich an, als stünden alle Musiker tatsächlich gemeinschaftlich im Studio und musizierten frei drauf los... war's wirklich so?
E.M.: Ja, ja, (vehement) fast alles war live. Die E-Gitarre wurde "overdubbed", weil Joshua Grange, unser Gitarrist, ja nicht gleichzeitig den Engineer und Gitarristen abgeben konnte. Er saß am Pult und hat seinen Kram hinterher draufgespielt. Aber Bass, Schlagzeug und mein Zeug wurde direkt 'live' eingespielt.
HoR: Und die Keyboards sind wohl auch 'Overdubs', oder?
E.M.: Ja klar, auf zwei oder drei Songs, glaub ich...
HoR: Spielt Joshua Grange tatsächlich 'ne alte Hammond B-3?
E.M.: Nein, es ist zwar 'ne Hammond, aber irgend so ein altes und seltsames Ding, keine B-3, nee, nee, das Teil vermittelt eher so einen Karussell- bzw. Kirmes-Sound.
HoR: Eine Menge Deiner Songtexte handeln von Liebe im Allgemeinen und von Begehrlichkeiten, Lust und Anspielungungen auf Sex im Speziellen. Aber es kommt immer wieder der bittere Geschmack von enttäuschten Erwartungen durch. Sind Deine Texte fiktiv oder bist Du das wirklich in Deinen Songs?
E.M.: Ähm, meine Texte sind ehrlich und... (zögerlich) sie spiegeln meine Lebenserfahrungen. Aber die gute Nachricht ist, dass die Dinge sich mittlerweile ändern (lacht). Ich habe eben eine Menge interessanter Charaktere kennengelernt und da macht man eben auch schlechte Erfahrungen, na klar...
HoR: Ja sicher, aber es sieht für mich so aus, als seist Du ständig unglücklich verliebt. Das ist ja fürchterlich.
E.M.: Ja, (lacht) aber ich habe immerhin Hoffnung für die Zukunft.
HoR: Das wünsch ich Dir aber auch, Eleni...
E.M.: Schliesslich habe ich mir einige schlechte Angewohnheiten abgewöhnt, und ich glaube, die Dinge werden sich zukünftig zum Besseren wenden. Na ja, ich weiss gar nicht so genau, aber bei mir scheint es fast so, als sei ich nicht so unbedingt dafür geschaffen, fröhliche und heitere Musik zu machen, so dieses "Ob-la-di-ob-la-da"-Ding, weisst du, das ist nichts für mich. Ich fühl mich meistens zu dunklerem Kram hingezogen, versuche irgendwie die Schönheit im Hässlichen zu finden.
HoR: Eleni, in Deinem Song Sun's always shining in Rome sprichst Du über einen Mann aus München.
[Oh, shit. D.M.a.M.]
E.M.: Oh, shit...
HoR: Welche Erinnerungen hast Du an München?
[Frankie! Fragt man sowas? D.M.a.M.]
E.M.: (lacht) Na ja, ich hab einfach einen netten Jungen dort kennengelernt, aber es ist nie wirklich was passiert. Und ich habe an ihn gedacht, als ich den Song schrieb.
[D.M.a.M. seufzt tief...]
HoR: Mein Kollege Fred vom HoR [d.M.a.M; räusper] sah vorletzten Sommer eins Deiner Konzerte in München und berichtete darüber. Er empfand Deine Bühnenausstrahlung als eine Mischung aus Schüchternheit, Unnahbarkeit und einem Hauch von Reserviertheit. Fühlst Du Dich eigentlich wohl auf der Bühne oder ist es ein Problem für Dich, Deine doch recht intimen Texte mit dem Publikum im Saal zu teilen?
E.M.: Oh, ich liebe es aufzutreten. Eigentlich ist es fast der beste Teil dessen was ich insgesamt als Künstler tue. Der Moment, in dem du fühlst, dass die Kommunikation zwischen dir und den Musikern und dem Publikum funktioniert, ist wirklich erhebend. Natürlich passiert das nicht in jeder Show gleich gut, aber je öfter wir touren desto besser fühlen wir uns auf der Bühne.
Es ist aber auch schwierig, manchmal denk ich drüber nach, wie ich hierhin gekommen bin und dann bin ich manchmal auch geschockt, dass es soweit gekommen ist. Dass die Leute rufen und meine Musik hören wollen, das ist schon verrückt. Aber hier bin ich und es ist schon ein bisschen irre... Natürlich habe ich so meine Momente auf der Bühne, in denen ich möglicherweise ein wenig reserviert wirke, aber ich arbeite an mir. Und alles was mir so im Leben passiert, reflektiert sich natürlich auch auf der Bühne. Aber mit der Zeit arrangiere ich mich immer mehr mit meinem Bühnendasein.
HoR: Kommst Du denn demnächst auch wieder nach Deutschland?
E.M.: Ja klar, Ende Januar, Anfang Februar werden wir eine ca. einmonatige Tour in Deutschland unternehmen. Ich freu mich zwar nicht so sehr auf euer Wetter dort, aber ich mag es trotz allem sehr, in Deutschland auf der Bühne zu stehen.
HoR: Und sonst? Was hast Du für Zukunftspläne?
E.M.: Wir werden neben den Deutschland-Terminen auch einige in der Schweiz und in Österreich bestreiten und hoffentlich auch ein paar in Belgien und Holland. Ja, und in Skandinavien würde ich gerne mal touren, aber das ist alles nicht so einfach... der komplette Plan steht noch nicht so recht fest, wir werden sehen.
HoR: Okay, Eleni, dann dank ich Dir für die Zeit, die Du dir für uns und unsere Leser genommen hast und wünsch Dir alles Gute für die Zukunft.
E.M.: Okay, ich hab zu danken... möglicherweise sehen wir uns auf meiner Tour. Bye bye.
HoR: Das könnte gut möglich sein, bis dahin. Bye.
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