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Dry Kill Logic

"Wir machen einfach Krach..."

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SPV
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All Music Guide (englisch)

Unser Disclaimer

DRY KILL LOGIC haben jüngst über SPV ihr neues Album "The Dead And Dreaming" veröffentlicht. Eine Ansammlung wütender, aggressiver Hassbolzen, bei denen man davon ausgeht, dass die Urheber ein massives Problem mit sich und ihrer Umwelt haben. Um so überraschender, dass Sänger Cliff Rigano ein lustiger und freundlicher Typ ist, der nur einen einzigen Nachteil hat: Er spricht so schnell wie er singt! Ihr müsst Euch dieses Gespräch etwa vierzehnmal so schnell vorstellen als Ihr es lesen könnt.

Home of Rock: Cliff, versuch doch bitte mal DRY KILL LOGIC zu erklären.

Cliff Rigano: DRY KILL sind vier Typen, die versuchen Musik zu schreiben, die so ist wie sie selber. Oder besser: Die so ist wie die Welt in der sie leben. Wir leben sehr schnell und hart und wir mögen schnelle, harte aggressive Musik. Und wir sind in der glücklichen Situation, dass wir vier uns gefunden haben und die gleichen Vorstellungen von Musik und dem Leben haben.

HoR: Ihr seid aus Mount Vernon, New York. Das ist nicht so besonders als Geburtsstätte solcher Musik bekannt. Seid Ihr da nicht etwas einsam?

C.R.: Wir sind alle aus verschiedenen Ecken von New York. Brooklyn, Manhattan und so weiter. Leben jetzt aber alle in einem Vorort von Manhattan. Ich stamme ursprünglich aus Mount Vernon, das ist alles.
Wir waren nie Teil einer bestimmten Szene. Wir waren nie in der New Yorker oder Bostoner Hardcore-Szene so wie zum Beispiel KILL SWITCH ENGAGE oder andere Bands. Unser Background ist auch überhaupt nicht geprägt von irgendwelchen Gangs wie bei vielen anderen, wir machen eben einfach Krach wie er uns gefällt. Insofern fühlen wir uns auch nicht einsam, wir sind halt total unabhängig von anderen.

HoR: Euch gibt es seit über 10 Jahren. Wie hat alles begonnen?

C.R.: Oh je, das ist ewig her. Ich bin das einzige übriggebliebene Originalmitglied. Seit '95 spiele ich jetzt mit Phil Arcuri (Drums) zusammen. Gitarristen haben wir seitdem eine Menge verbraucht, aber jetzt haben wir die ultimative Besetzung gefunden. Fühlt sich zum ersten mal richtig gut an. Nicht nur was die Musik und das Songwriting betrifft, vor allem auch menschlich.

Das war zwar nicht wirklich die Antwort auf die Frage, aber es ist gut zu wissen, dass es ihm gut geht...

HoR: Eure/Deine Einflüsse?

C.R.: Als wir anfingen waren wir viel jünger (ja, und am Abend ist es draußen dunkler...) und unser Ziel war nur, diese aggressive Musik zu machen. Damals gab es Bands wie EXODUS, SLAYER oder TESTAMENT und von all diesen Bands waren wir als junge Typen natürlich beeinflusst.
Wenn man älter und langsam ein richtiger Musiker wird, hört man sich natürlich auch andere Musik an und man öffnet sich. Inzwischen ist es nicht mehr so, dass wir von irgend jemand beeinflusst werden, auch nicht von den Bands die wir selber mögen und hören.
Wir versuchen nicht wie irgend jemand zu klingen, wir sind wir selbst und fühlen uns gut dabei. Natürlich wirst du unbewusst immer von außen beeinflusst, das ist auch bei uns so, aber ich kann Dir keine Namen nennen.
Ich persönlich höre immer noch viel SLAYER oder die alten ANTHRAX. Aber halt auch viel Billy Joel oder Stevie Ray Vaughan. Also richtigen Classic Rock. Und Jazz oder Blues auch. Ich bin mehr von meiner Umwelt beeinflusst als von anderen Musikern. Musik ist etwas ganz persönliches und einzigartiges...

Das ist ein hehrer Ansatzpunkt, würde aber bedeuten, dass es nur zwei Formen von Musik gäbe: Völlig eigenständige und Coverbands nämlich. DRY KILL LOGIC sind also die Erfinder des Aggro-Metal. Hmmm.

HoR: Auf Eurer Website schreibst Du von Druck, der in den letzten Jahren auf Euch ausgeübt wurde.

C.R.: Das ist weniger Druck im Sinne von "unsere Musik wird von außen bestimmt". Eine Band wie wir hat es nie wirklich leicht. Als wir Roadrunner (Plattenfirma vor der SPV - Red.) verlassen haben, haben wir gleichzeitig unseren Gitarristen, den Bassisten, den Manager, den Vertrieb und den Booker und eben den Plattenvertrag verloren. Damals sah es nicht gut aus mit der Zukunft der Band. Dazu kommt natürlich der brutale Veränderungsprozess in der Musikindustrie. Es ist alles viel schwieriger als vor 5 oder 10 Jahren. Das betrifft natürlich nicht nur uns, ALLE in diesem Business sind betroffen.
Wenn du wie wir (er meint wohl mehr sich selbst - Red.) vor einem Scherbenhaufen stehst, kannst du entweder einpacken und etwas anderes machen oder du fightest. Wir haben uns dagegen gewehrt, uns von anderen vorschreiben zu lassen, ob wir mit der Musik aufhören oder nicht. Wir bestimmen unsere Karriere und sonst absolut überhaupt niemand. Das ist sehr sehr wichtig für uns.

HoR: Der neue Deal mit der SPV scheint der richtige Schritt zu sein.

C.R.: Absolut. Wir haben nach einem Label gesucht, das Erfolg im Metal-Genre hat. Das haben wir gefunden. SPV kümmert sich um die Musik die wir machen, redet uns aber nicht rein. Und sie kümmern sich um uns als Personen. Die sind geil drauf mit uns zu arbeiten und gemeinsam Erfolg zu haben. It is a feeling like love in the air between label and band.
(Cliff gab dieses Interview im Büro der Plattenfirma...)

HoR: Die haben Euch also nicht gesagt, dass Ihr einen Popsong machen müsst... Obwohl, auf dem Album sind 11 Nummern, Ihr habt aber über 30 geschrieben. Was passiert mit dem Rest? Ist da irgendwo eine Ballade versteckt?

C.R.: Haha, nein, nicht wirklich.
Ich denke, wir hatten eine gewisse Kreativitätsexplosion, als Jason (Bozzi, Guitar) und Phil angefangen haben gemeinsam zu komponieren. Ich schreibe die Gesangsmelodien und Texte. Wenn du kreative Musiker hast, ist das Songwriting nie ein Problem. Wir waren in der geilen Situation, plötzlich aus so vielen Songs wählen zu können, dass wir die wirklich besten nehmen konnten.
Musiker hören nie auf neue Ideen zu entwickeln und Songs zu schreiben, manches davon wird veröffentlicht, anderes eben nicht.
Wir hatten etliche Songs, die gut waren, aber irgendwie nicht auf das Album gepasst hätten. Einmal hat der Flow nicht gepasst, einmal die Stimmung und so weiter. Diese Sachen werden dann ausgemustert.
Wir haben schon wieder neue Songs, die seit "The Dead And Dreaming" fertig wurden und über die wir jetzt schon sagen, dass sie verdammt gut auf die nächste Platte passen könnten.

HoR: Werden also diese Überbleibsel auf dem nächsten Album sein oder schreibt Ihr für jede Platte neue Songs?

C.R.: Grundsätzlich werden wir neue schreiben. Aber wir werden sicher noch mal zurückschauen, die alten Sachen checken und vielleicht etwas davon verwenden. Obwohl, ich glaube es eigentlich nicht. Und außerdem denke ich überhaupt noch nicht an das nächste Album, meine gesamte Energie gilt im Moment "The Dead And Dreaming".

HoR: Was ist der Unterschied zwischen "The Dead And Dreaming" und den alten Platten?

C.R.: Hauptsächlich, dass es neue Musiker sind (Gitarre und Bass - Red.).
Außerdem siehst du dich und deine Umwelt mit zunehmendem Alter anders als als junger Kerl bei der ersten oder zweiten Platte. Wir können heute mehr als früher, haben uns von Album zu Album entwickelt, sehen mehr, fühlen mehr. Schau Dir doch die Songs auf der Platte an! Da sind völlig aggressive Sachen dabei, einige die so halbhart sind und andere sind sehr melodisch.
(Diese Meinung vertritt auch Kollege Ralf in seiner CD-Besprechung. Mir sind die Melodien aus völlig unerfindlichen Gründen entgangen... )

HoR: Warum seid Ihr denn so aggressiv in Eurer Musik? Unglücklich, oder was?

C.R.: Hm, also ich würde jetzt nicht unbedingt sagen, dass wir mit unserem täglichen Leben unzufrieden sind. Im Grunde können wir uns mit dieser Art von Musik am besten ausdrücken. Wir schreiben immerhin auch über heftige Themen, die Sachen die uns beeinflussen sind nicht rosarot. Es geht auch um Emotionen die wir rauslassen.
Wir könnten natürlich auch hergehen und Songs zum Piano und einer akustischen Gitarre spielen. Oder mit einer Klarinette... Aber für uns ist die Ausdrucksform eben laute und aggressive Musik.

HoR: Kannst Du Dir vorstellen, je ein richtiges Liebeslied zu schreiben? Ich meine, so im BON JOVI Style...

C.R.: Wer weiß... man wird älter. Manchmal ändern sich Interessen und Vorlieben. Ich werde Dir jetzt nicht sagen, dass ich niemals ein Liebeslied machen werde. Ich weiß es einfach nicht. Aber im Prinzip glaube ich das nicht. Vermutlich werde ich so weiter machen wie bisher.

HoR: Trotz aller Härte klingt die Platte doch recht gut produziert. Zufrieden?

C.R.: Ja, total. Jason und Phil haben co-produziert und sie haben das mit Eddi Wohl und Rob Caggiano zusammen toll hingekriegt.

HoR: Im letzten Jahr seid Ihr mit SLAYER und HATEBREED auf dieser Jägermeister-Tour gewesen. Wie war das?

C.R.: Leider war die Tour kürzer als wir es gewollt hätten. Es war fantastisch. Eine große Ehre für uns, mit solchen großen Bands zu spielen. Auch mit FEAR FACTORY war es unglaublich gut.

HoR: Kriegt Ihr in den U.S.A. leicht Tourneen?

C.R.: Touren ist relativ easy in Amerika. Für uns ist das natürlich auch das perfekte Medium, den Leuten unsere Musik zu vermitteln. Wir sind keine Radio-Band und keine Video-Band und wir haben keine Singlehits. Wir sind die Band, die auf die Strasse geht und den Leuten in den Clubs die Hand gibt (und Babys küsst...).
Natürlich sind in den Staaten viele Bands so unterwegs, insofern müssen wir ein bisschen mehr und härter arbeiten um Erfolg zu haben.
Das Publikum in Europa ist völlig anders. Die Leute sind viel mehr in der Musik drin, interessieren sich dafür, kennen die Texte und sind generell enthusiastischer. Da schaut keiner drauf, wie viele Platten du in den Läden verkaufst oder wie viele Videos von dir bei MTV laufen. Hoffentlich können wir bald wieder hier bei Euch spielen.

HoR: Und jetzt gib unseren Lesern den Grund warum sie Eure Platte kaufen sollen!

C.R.: Es ist die verdammt geilste brutale Platte die Ihr jemals in Eurem Leben gehört habt!

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 02.10.2004

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