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DOC HOLLIDAY, als Name einer Band, ist untrennbar mit der Geschichte des Southern Rock verbunden. Und mit der Band Doc Holliday ist der Name des Bandgründers Bruce Brookshire untrennbar verbunden.
Am 26. Juni 2001 kam es, durch die Vermittlung von Georg Bayer von LIZARD, zu einem Treffen mit Bruce Brookshire im Göppinger Restaurant Key West.
Zusammen mit den Freunden vom Southern Rock Magazin "Southern News" haben wir Bruce einem zweistündigen "Kreuzverhör" unterzogen.
Bruce hat sich dabei als echter "Southern Gentleman" erwiesen und wir hatten allesamt einen Mordsspaß.
Zwischen einigen Bieren, leckerem Essen, viel Gelächter und tiefsinnigen Gesprächen (u.a. über Pommes mit Mayo), erzählte uns Bruce viel aus der Geschichte von Doc Holliday, dem Southern Rock und seiner eigenen Berufung.
Nehmt Euch etwas Zeit und lest selbst:
SN: Bruce, Du bist hier in Deutschland um einige Deiner alten Alben neu zu mischen. Außerdem haben wir gehört, daß Du an neuen Stücken arbeitest. Was kannst Du uns erzählen?
Bruce: Ich bin sehr zufrieden wie die neuen Master der alten Alben rausgekommen sind. Sie sind wirklich gut geworden. Der Techniker ist ein junger Kerl, gerade mal 24. Trotzdem hat er ein hervorragendes Gehör und ich finde, er hat diese alten Aufnahmen einfach besser gemacht. Sie sind viel lebendiger.
SN: Ist er derjenige, der auch LIZARDs neue Scheibe "Southern Steel" gemischt hat?
Bruce: Ja, wir haben den Kontakt zu ihm durch Georg.
SN: Und das neue Album?
Bruce: Es ist noch nicht ganz fertig. Wir hatten kleine technische Komplikationen bei einigen Stücken. Ich muß nochmals zu Hause im Studio etwas nachmischen, aber wir sind fast fertig.
Es werden wohl 5 alte und 5 neue Stücke werden. Die alten Sachen sind hoch interessant. Sie sind von Tom Allom produziert. Er hat auch unser erstes Album produziert. Außerdem Bands wie JUDAS PRIEST, Pat Travers oder LOVERBOY. In den achtziger Jahren war er sehr bekannt. Seine Stücke behaupten sich auch heute noch. Sie hören sich noch immer toll an.
Ein Song ist aus dem Jahre 1980. Er heißt Crazy. Er war einer der ersten Songs den wir als Doc Holliday aufgenommen haben. Er ist bisher einfach nie auf einem Album erschienen.
Weitere Songs? Hmm, also da ist Angel's waiting, was bisher auch noch nie erschienen ist.
Good boy gone bad mit Bläsern. Paul McCartney's Arrangeur, Toni Dorsey, ist ein Freund von mir. Er lebt in Macon, Ga. Seine Bläser spielen auf diesem Stück. Außerdem Leslie Hawkins. Sie war bei LYNYRD SKYNYRD und war auch an Bord als das Flugzeug abstürzte. Dieses Stück ist aber aus der Zeit nachdem sie deswegen im Krankenhaus war.
SN: Sie war auch Backgroundsängerin für MOLLY HATCHET bei der 96er Loreley Show.
Bruce: Wirklich? Wie gut, aber ich interessiere mich eigentlich nicht für Mollly Hatchet. (lacht) Eigentlich noch nie.
Wir haben auch ein Lied zum THIN LIZZY-Tribute Sampler beigetragen. Jailbreak, so heißt der Song, wird auch auf der neuen Scheibe drauf sein.
Dann haben wir da noch Lonesome Guitar in einer bisher ungespielten Version. Eine völlig neues Ende, aber es gefällt mir außerordentlich gut. Ich glaube, wir werden es so auch auf der nächsten Tour spielen. Sie ist sehr verändert. Es klingt am Ende nicht nach Freebird, einfach total anders.
SN: Du hast kürzlich ein Album mit dem Titel "Damascus Road" veröffentlicht. Das ist aber kein Rockalbum?
Bruce: Nein, ist es nicht. Es ist akustisch.
SN: Und inhaltlich?
Bruce: Es ist akustisch und christlich orientiert. Wir nennen sowas "Praise and Worship". Es sind einfache, zum mitsingen geeignete Stücke. Einige habe ich für Gottesdienste geschrieben. Es ist auch eines dabei, was man als Anfangshymne spielt. Also zum Zeitpunkt wo alle die Kirche betreten. Es sind persönliche Stücke. Alle akustisch, denn ich spiele heutzutage viel mehr akustisch.
SN: Sind die Stücke mit eigenen oder mit traditionellen Texten?
Bruce: Sie sind alle mit eigenem Text, außer dem "Vaterunser". Das ist am Ende auch enthalten. Alle Stücke sind aus persönlichem Blickwinkel. Da geht es halt nicht um Southern Rock oder Pferde, die über die Prärie reiten.
SN: Bist Du in der Kirche aktiv?
Bruce: Ja, ich bin ein Laienpastor. Das bin ich schon seit vielen Jahren. Ich habe ein geistliches Amt inne. Ich leite den Kirchenchor, wir bringen Sachen in die Obdachlosenheime, wir haben Bibelkunde und machen einfach gute Dinge.
SN: Hast Du eine christliche Ausbildung?
Bruce: Ja. Ich habe ein 4-jährigen Abschluß. Aber was heißt das schon? Das heißt natürlich ich kenne die ganze gute deutsche Theologie.
SN: Sicherlich besser als wir.
Bruce: Wer weiß? Aber je mehr man sich mit dem christlichen Glauben befasst, desto weniger weiß man. So geht es zumindest mir. Eine 4-jährige Ausbildung und ich weiß quasi gar nichts und mir kommt es so vor, als ob ich täglich weniger weiß.
SN: Wenn Du so viel christliche Musik machst und vieles von Deinem Glauben beeinflußt wird, wie wirkt sich das auf Dein Schreiben und auch Spielen mit Doc Holliday aus?
Bruce: Nun, das neue Album wird "A Better Road" heißen. Es hat einige Songs die vom anderen Weg kommen und einige die vom neuen Weg sind.
Aber Southern Living und Southern Music und das Handeln im Süden..., nun, der Süden ist der Bible Belt der USA.
Diese Dinge schließen sich also nicht aus. Wirklich. Das wilde Rock'n'Roll Leben, das auch mit dem Southern Rock in Verbindung gebracht wird, ist nur begrenzt durchstehbar. Wenn man mal um die 40 ist, kann man das einfach nicht mehr machen. Sogar Lynyrd Skynyrd haben mit dem Saufen aufgehört als das Flugzeug abgestürzt war.
Der einzige Unterschied heutzutage ist also das gemäßigtere Leben. Wir spielen Musik. Ich habe keinerlei Probleme mit Southern Rock. Ich liebe jede Art von Musik. Naja, vielleicht bis auf Rap.
SN: Gibt es Unterschiede in Deinen Gefühlen, wenn Du Eure (alte) Musik heute spielst?
Bruce: Klar. Ich erinnere mich an viel mehr. Früher als ich Alkohol und Drogen konsumierte, kam es vor, daß ich mich gar nicht mehr an die Show erinnerte. Aber jetzt geht es mir nicht mehr so und ich spiele auch viel besser.
SN: Gibt es Gefühle oder Songinhalte früherer Songs, die Dich heute stören?
Bruce: Gefühle können manchmal stören. Aber ich habe keine Probleme mit den Texten, weil ich sie einfach im Kontext von damals sehe. Manchmal verändere ich sie ein wenig, wie beispielsweise "I used to drink a little whisky" anstelle "I like to drink a little whisky".
SN: Oder ne kleine Flasche.. (lacht)
Bruce: (lacht auch) .. aber nein. Inhalte sind nicht so wichtig.
SN: Wenn wir uns mal den heutigen SR anschauen. Die großen Namen gibt es immer noch. Einige haben nur noch einige Originalmitglieder, andere gar keine Gründungsmitglieder mehr. Ich meine Skynyrd und Hatchet. Was hältst Du davon?
Bruce: Es ist wohl gut gemacht, wenn es klappt. Ich kann es keinem Musiker vorwerfen, daß er spielen und damit Geld verdienen will. Egal wie die Band heißt.
Ich weiß, daß es eine große Kontroverse um den Namen Molly Hatchet gibt. Aber ich versuche mich da soweit wie möglich rauszuhalten. Ich war niemals von deren Musik beeinflußt. Wir waren schon früher, also in einer Zeit bevor alle Plattenverträge bekamen, mit Danny Joe Brown, Dave Hlubek und den anderen Jungs der Band befreundet.
SN: Ihr habt neben dem umkämpften "Danny Joe Brown Benefit", welches von Riff West organisiert wurde, ein eigenes zusätzliches Konzert für Danny Joe gemacht.
Bruce: Wir haben mit unserem Benefit viel mehr Geld aufgebracht. Aber das war nicht Riff's Schuld. Riff hat die besten Absichten. Er macht alles was er kann um Danny zu helfen. Wir haben es nur gemacht um Danny Joe zu zeigen, daß wir bei ihm sind. Das ist wie in meiner Gemeinde. Wir versuchen den Menschen zu helfen. Danny Joe verdient unsere Hilfe genauso wie jeder andere auch - vielleicht sogar etwas mehr. Ich habe damit kein Problem.
Bruce: Lynyrd Skynyrd hat die Chance die weltbeste Südstaatenband zu werden. Sie können die größten Hits des Südens spielen. Die habenRickey Medlocke, die haben Hughie Thomason und großes Potential. Ich bin mir nicht sicher, ob sie es nutzen. Ich höre ihre Musik aber auch nicht.
HoR: Die spielen nur alte Songs.
SN: Ich denke viele Fans hier würden auch gerne die neuen Songs hören. Vielleicht mögen die Fans in den USA mehr die alten Sachen, die sich auch heute noch in dem einschlägigen Radiostationen hören. Das ist, was sie mitsingen können.
Bruce: Ich glaube die Band hat eine falsche Vorstellungen, was Fans hören wollen. Skynyrd meint, daß ihr nur das alte Zeug hören wollt. Die glauben das wirklich.
SN: Aber die Fragen uns gar nicht.
Bruce: Das stimmt. Aber ich befürchte Gary (Rossington - Red.) denkt das. Er ist davon überzeugt. Es stimmt halt nicht.
HoR: Ich weiß nicht, aber vielleicht ist es bei den US Fans wirklich so?
Bruce: Nein, es ist nicht so. Die könnten auch in den USA gut mischen. Ich höre dort die gleichen Dinge, die ich hier höre. Die Band begreift einfach nicht wie sehr die Fans trotzdem hören wollen, was sie heute zu bieten hat.
HoR: Nun, die Band steht vielleicht auch noch aus anderen Gründen unter Druck.
Bruce: Ja, und nach allem was sie durchgemacht haben. Wer kann es ihnen verübeln, wenn sie den Weg des geringsten Widerstandes gehen? Ich bin einfach froh, daß sie noch immer machen was sie machen.
SN: Wenn Du Southern Rock 10 Jahre von heute siehst. Alle Gründungsmitglieder werden zu alt sein. Oder werden sie noch immer spielen? So wie die ROLLING STONES?
Bruce: Medlocke's Haare werden grauer und grauer und grauer.
SN: Glaubst Du, es wird SR noch immer geben wird? Die heutige Generation hört doch viel lieber Grunge, Hip-Hop oder Rap.
Bruce: Ich glaube es ist wie mit dem Blues. Es wird ihn immer geben. Manchmal populärer manchmal weniger populär. Einige der Alten werden immer noch spielen. Wie B.B. King der noch immer Blues macht. Keb' Mo' ist jedoch jung.
Ich glaube, das wird so sein wie mit dem Blues. Southern Rock wird nie mehr die Popularität haben wie damals als Sweet Home Alabama rauskam.
Es wird keinen solchen Knaller mehr geben können. Southern Rock und Pop passen nicht zusammen. Ich habe es mit "Modern Medicine" versucht. Einige Zeit später hat ZZ TOP das gleiche gemacht. Etwas erfolgreicher, weil deren Songs einfach besser waren.
SN: Es gibt eine Band, die es geschafft hat Rock und Pop zu vereinen: BON JOVI.
SN: Ja, die heutigen Bon Jovi klingen wie die alten Bon Jovi mit Backstreet Boys vermischt.
Bruce: Nun Gimme three steps und Backstreet Boys lassen sich nicht mischen.
SN: Glaubst Du, daß es eine neue Generation von Southern Rock Bands gibt? Vielleicht sogar eine, die die Skynyrds von morgen sein könnten?
Bruce: Ich bin nicht wirklich geeignet, das zu beantworten, weil ich nicht mehr so viel auf junge Bands achte wie ich das vielleicht sollte.
Seitdem ich seit 6 Jahren ein eigenes Studio besitze, höre ich nicht mehr so viel Musik. Ich arbeite in der Musikbranche, aber wenn ich Zeit dafür habe, höre ich mir eher etwas für die Kirche an und Leute wie Michael Talbot, Michael Card oder so.
Aber ich glaube zu wissen, daß es einige junge SR Bands gibt. Ich kenne sie nur nicht.
SN: In der ALLMAN BROTHERS-Richtung gibt es beispielsweise WIDESPREAD PANIC.
Bruce: Stimmt. Ich liebe Widespead Panic.
SN: In die Rockrichtung gibt es Bands wie ALLIGATOR STEW oder CATAWOMPUS, aber nicht sehr viele.
HoR: Es gibt 4 oder 5 Bands in den letzten Jahren aber tatsächlich nicht sehr viele.
Bruce: Wenn es einen Bedarf dafür gibt, wenn es einen Markt gibt und Leute es hören wollen, dann findet sich jemand der es machen wird. Hoffentlich wird man dann die alte Musik anhören, so die Wurzeln finden und nicht formlose Musik machen, wie es leider bei so vielen der anderen Popbands gerade ist.
HoR: Ich glaube die Situation ist eine andere. Es gibt noch immer einen Markt für diese Musik. Ich weiß nicht, wie viele Alben Du mit Doc Holliday Anfang der achtziger Jahre verkauft hast, aber 20 Jahre später sind es vielleicht nur noch 10% davon. Trotzdem ist das noch ein Grund weiterzumachen.
Bruce: Der Grund warum man überhaupt angefangen hatte war sowieso nicht um Platten zu verkaufen. Es war einfach das, was wir gemacht haben. Aber es war gut so. Meine Tochter ist mittlerweile 21 und geht auf die Universität. Es war also gut so. Es ist ein guter Job.
SN: Wenn man die Doc Holliday-Vergangenheit betrachtet, fällt mir immer wieder eine enge Verbundenheit zu Deutschland auf?
Bruce: Das liegt daran, daß ich in Deutschland, in der Eiffel aufgewachsen bin. Deshalb hat Deutschland immer einen großen Platz in meinem Herzen gehabt. Meine Schwester wurde in Bitburg geboren. Für unsere Familie war es hier eine sehr glückliche Zeit. Wir haben hier 7 Jahre gelebt.
SN: Deine Eltern waren hier stationiert?
Bruce: Mein Vater war nicht in der Airforce. Er war als Zivilist für die Airforce tätig. Deshalb hat er versucht, so oft wie möglich außerhalb der Kasernen zu leben. Einige Leute zu dieser Zeit, ich würde sagen die Mehrheit derer, die in den Kasernen lebten, wollten immer nur zurück nach Amerika und wollten immer nur Hamburger essen. Meine Eltern wollten aber gar nicht gehen. Sie wollten bleiben. Wir kauften europäische Möbel, europäische Autos und wir reisten in die Schweiz, nach Frankreich, Belgien und Luxemburg und wir liebten es.
Meine erste Freundin war eine Deutsche. Wir sprachen nicht sehr viel, aber es war einfach gut.
HoR: Wann habt ihr Deutschland verlassen?
Bruce: 1967
SN: Auf den letzten Touren hier in Europa habt stets mit Europas No.1 Southern Rock Band LIZARD gespielt. Was verbindet Euch?
Bruce: Georg und ich sind wie Brüder. Es ist eine sehr familiäre Situation.
SN: Lizard hat eine neue CD "Southern Steel". Was hältst Du davon?
Bruce: Sehr gut. Diese Band kann mit jeder Südstaatenband auf der Bühne mithalten. Es gibt einige Bands da draußen, die aufpassen sollten. Diese Jungs sind echt klasse. Es gab einige Abende auf der letzten Tour wo wird dachten: "Verdammt, wir wollen nicht nach denen auf die Bühne".
Es ist eine sehr gute Band. Jeder Musiker ist gut und jeder hat ein eigenes gutes Interessengebiet. Eine super Band in jeder Sprache und überall auf der Welt.
SN: Es gibt kaum Akzeptanz deutscher Südstaatenbands im echten "Süden" der USA.
Bruce: Wenn jemals eine Band eine Chance hat, dann ist es diese. Man muß sie einfach anhören und LIZARD eine Chance geben, ihrer Musik. Sie sind keine Lynyrd Skynyrd Rip-Off Band. Sie haben ein eigenes Herz und eine eigene Seele. Wenn Du mich fragst, ist das so, aber ich bin nicht der Boss. Aber das ist meine Meinung.
HoR: Du hast doch meine Kritik gelesen und sie auswendig gelernt? Das ist genau was ich gesagt habe.
SN: Es gibt eine Tour im Herbst?
Bruce: Ja, und die Daten sind ganz frisch. Es werden 10 Termine sein.
SN: Können wir uns vielleicht auf ein Konzert in unserer Fanclubsitz "Rainbow" freuen?
Bruce: Ich mag das "Rainbow". Ich spiele dort gerne. Ich würde dort gerne unplugged spielen, aber vielleicht ist das Budget dieser Tour zu hoch. Bisher haben wir 10 Termine. Vielleicht machen wir danach noch einige Shows in Skandinavien. Mal sehn.
HoR: Wir haben auf unseren Seiten im Moment ca. 1.500 Leser wöchentlich. Aber ich denke, nur ein Teil von diesen Leuten sind "Spezialisten" für Southern Rock. Deswegen einige Fragen, um ihnen Southern Rock und Doc Holliday etwas näher zu bringen.
Was ist der Hauptunterschied zwischen Doc Holliday 1981 und 20 Jahre später, 2001?
Bruce: Es ist eine viel bessere Band. Nicht so "verzweifelt", wir spielen einfach besser. Die 81er Band hatte jede Menge Feuer, es waren die southern RAMONES. Ihr kennt die Ramones? Wir waren die southern Ramones. Das sind wir heute nicht mehr. Ruhiger.
HoR: Und der Unterschied im Business?
Bruce: Wir wissen jetzt mehr über's Geschäft. Früher hatten wir jede Menge Geschäftspartner, Anwälte, Manager, Agenten, die unsere Karriere steuerten. Aber dafür gibt es immer einen Preis. Wenn deine Karriere so gelenkt wird. Du wirst sehr gelenkt...sehr...
HoR: Die beiden ersten Alben ("Doc Holliday" und "Rides Again") waren sehr erfolgreich. Hier in Europa und auch in den Staaten, aber mit dem dritten Album ("Modern Medicine") kam ein kommerzieller Bruch. Ihr habt "Modern Medicine" in Deutschland, in München aufgenommen. Mit MACK als Produzent. Was kann man über Mack sagen?
Bruce: Mack ist ein Genie. Damals war Southern Rock in den Staaten völlig unten, wir haben die Trends ja gesehen. Duran Duran und all dieses Zeug, das damals passierte. Wir hatten die volle Unterstützung von A&M (die damalige Plattenfirma) und sie sagten "Nehmt jeden Produzenten, den ihr haben wollt". Und wir haben die Billboard Charts genommen und nach DEM Top-Produzenten gesucht. Und das war Mack.
Ich kannte ihn nicht, ich habe nie etwas von ihm gehört und wir wollten jemand, der uns auf eine neue Stufe bringt. Das hat er getan. Aber es war nicht erfolgreich. Es war einfach ein Experiment, das fehlgeschlagen ist.
HoR: War Mack der Grund für den Sound auf diesem Album?
Bruce: Ja. Er hat uns mit den Synthesizern zusammengebracht. Er war für den Drum Sound verantwortlich. Dieser "mirrored room"-Drum Sound.
HoR: Ich habe Doc Holliday damals in München gesehen. Als ihr die Platte aufgenommen habt, gab es einen Gig in einer Disco in München. Dem Sugar Shack.
Bruce: Wow.
HoR: Das war wohl die heftigste Show, die ich jemals von Doc Holliday gesehen habe. Sehr laut, sehr böse. War das Frustration?
Bruce: Ja, exakt. Wir wollten Mack zeigen, was wir wirklich können.
Er ist ein sehr schwieriger Produzent, aber sehr talentiert und sehr smart. Wir hatten das Gefühl, dass er uns nicht glaubt, dass wir eigentlich Rock & Roll spielen wollten. Wir wollten "einfach den Raum auffressen". Wir wollten so klingen wie AC/DC in einem Wohnzimmer. Und das hat auch geklappt.
Weißt Du, zu der Zeit haben wir in großen Hallen gespielt, da musst du eine größere Show auffahren. Wir haben ja gewusst, was man tun muß. Wir hatten eine lange Zeit keine kleinen Clubs mehr gespielt, das Sugar Shack war der erste nach langer langer Zeit. Auf den großen Bühnen hast du große Bewegung, große Posen, alles ist groß.
Du bist der erste überhaupt, der mir erzählt, bei dieser Show gewesen zu sein. Cool.
HoR: Wir haben in den diversen Southern Rock Kreisen (Deutsche Southern Rock Mailingliste etc.) oft über den Sound der anderen Doc Holliday Alben gesprochen. "Son Of The Morning Star", "Legacy" etc. und oft hört man, daß diese Platten nicht so besonders gut klingen. Was denkst Du darüber?
Bruce: Ich finde, "Legacy" klingt wirklich gut. Ok, die anderen, na ja. Wir waren nie sehr beständig. Livebands sind beständiger als "Recording Bands".
Ich denke, "Legacy" ist die modernste Präsentation der Band, die möglich war. So wie die Band wirklich klingt.
Ich weiß nicht, "Son Of The Morning Star" klingt, wie die Band damals halt geklungen hat. Ich wünschte, "Legacy" wäre das dritte Album gewesen, ich würde gern "Modern Medicine" durch "Legacy" ersetzen.
HoR: Ist vielleicht einer der Gründe, daß die ersten Platten Produktionen bei einem Major Label waren und "Son Of The Morning Star" und "Legacy" eben independent Produktionen?
Bruce: Ja, die beiden ersten Alben haben wir live gespielt. Das waren teure Produktionen. Teuer auch, weil die Band teuer war. Wir hatten Appartements, einen Haufen Geld für dies und das. Das ist der Grund, warum "Legacy" mehr nach der Band klingt.
HoR: Business, Manager... Ihr hattet etliche Probleme?!
Bruce: Hat jeder...
HoR: Und jetzt machst Du alles selbst?
Bruce: Ja. Wenn ich einen Anwalt brauche - ich habe einige Freunde, die Anwälte sind. Für was bräuchte ich einen Manager? Die sind alle jünger als ich.
HoR: So ca. 1990 hast Du dich dem christlichen Glauben zugewandt. Was war der Grund dafür?
Bruce: Meine Mutter starb und sie brachte mich zum Glauben bevor sie starb. Es war eine sehr "lebendige" Erfahrung. Sie lebte ein sehr christliches Leben und sie hatte großes Vertrauen in das, was passieren würde. Ich war in diesem Zimmer als sie starb. Damals hat uns die Kirche sehr unterstützt. Ich wusste nichts über die Bibel oder die kirchlichen Strukturen und diese ganzen Zusammenhänge. Das ist ja wirklich das was die Kirche ist: Eine enge Beziehung. Es ist ja nicht das Kirchengebäude oder die Hierarchie oder wer mehr über die Bibel weiß als der andere. Das macht die Kirche nicht aus. Das wollte auch Jesus nie.
HoR: Vor kurzem hast Du "Damascus Road" gemacht. Ich denke, die Platte ist nicht spontan, sondern ist über einen längeren Zeitraum entstanden.
Bruce: Ja. Ein Freund, Richie, brachte mir ein Tape mit PETRA und anderer christlicher Heavy Rock Musik. Ich habe so was vorher nie gehört und konnte es nicht glauben. Das war der Beginn.
Später habe ich John Michael Talbot und Michael Card und die ganze softere akustische Musik gefunden.
Es war ein langer Prozess, zu lernen, wie man diese Musik macht. Ich war ein Wochenende in der Kirche, ein Wochenende in enger Beziehung mit Christus und da habe ich viel über diese Musik gelernt. Seitdem versuche ich dieser Musik zu helfen.
HoR: Anderes Thema. ROAD PIZZA. Das war eine Coverband, die Du gemacht hast.
Bruce: Ja, immer noch. Wenn wir zu dritt und elektrisch spielen, Bud (Daniel Bud Ford, Bass), Cadillac (Danny "Cadillac" Lastinger, Drums) und ich, nennen wir uns ROAD PIZZA und spielen Coversongs wie z.B. Allright Now, Honky Tonk Women, Bad Company und solche Songs. Wir machen das immer noch. Ein heavy Trio.
Wir drei spielen aber auch zusammen akustisch. Ich spiele akustische Gitarre, Bud Bass und Cadillac spielt Congas und solche Percussion Instrumente. Wir nennen uns dann THE BONGO BROTHERS (allgemeines Gelächter). Wir machen dann auch Coversongs, aber wenn viele Leute kommen, die Doc Holliday kennen, dann spielen wir natürlich auch einige Doc Holliday Nummern.
Viele Fans wissen es natürlich, dass wir die Jungs von Doc Holliday sind. Obwohl wir das nicht groß ankündigen. Die Fans sind natürlich stolz, wenn sie uns sozusagen zufällig so sehen. Aber die meisten Leute denken einfach nur "Oh, das ist die älteste Band die ich jemals gesehen habe, aber sie spielen ganz gut." (wiederum allgemeines Gelächter).
HoR: Keine Aufnahmen von diesen Bands?
Bruce: Es gibt keinen Grund Coversongs aufzunehmen.
Lustige Sache übrigens. Ich denke drüber nach, mit Doc Holliday eine "Southern Roots" CD aufzunehmen. Also die Songs, mit denen wir aufgewachsen sind. Vielleicht Songs von Charlie Daniels oder der MARSHALL TUCKER BAND. Ein Spaßprojekt, aber ich denke, die Leute würden gerne unsere Interpretationen dieser Songs hören.
HoR: Eddie Stone hat ein eigenes Album gemacht. Kennst Du es?
Bruce: Ja. Cool.
HoR: Spielt er live?
Bruce: Er spielt drei mal die Woche in einem Club in Macon. "Whiskey River" heißt der.
HoR: Hast Du den Film "Almost Famous" gesehen und was denkst Du darüber?
Bruce: Ja, ich hab ihn gesehen. STILLWATER ist nur ein Name und er hat nichts mit der Band Stillwater zu tun. Davon abgesehen gibt es einige Bands mit diesem Namen.
Der Film ist beschissen. Er ist einfach nicht gut und ich kann nicht verstehen, dass er so viele Preise gewonnen hat.
HoR: Wir haben ja vorhin schon über Jailbreak gesprochen und das die Nummer auf dem neuen Album sein wird. Ich persönlich finde die Version großartig. Auch vom Sound her.
Bruce: Hmm. Es ist der gleiche Sound wie auf "Legacy". Eddie Stone hat auf Jailbreak Keyboards gespielt. Klingt gut. Es ist einfach ein guter Song.
HoR: Auf der Doc Holliday Homepage war längere Zeit ein Album namens "Lost Tracks & Flashbacks" angekündigt. Das wird nun wohl die neue CD sein?
Bruce: Ja. Sie heißt jetzt "A Better Road". Gewisse Leute mochten den Namen "Lost Tracks & Flashbacks" nicht (grinst).
Als zweite Möglichkeit hatte ich den Namen "Diary Of A Band, Vol. 1". Das ist der Name eines alten John Mayall-Albums. Ich liebe diesen Namen.
Der Name wurde aber auch abgelehnt. Sie wollten etwas mit "Road" im Titel. Ich habe gesagt, ok, dann eben "A Better Road". Wir haben ja auch einen Song der so heißt. Ich glaube, das ist eine gute Beschreibung dessen, was und wo wir heute sind. A different road...
HoR: Du mußt eine Menge Material von alten Shows haben. Immerhin mehr als 20 Jahre.
Bruce: Nicht so viel wie man meinen könnte. Grade aus den alten Tagen. Einige Tapes.
Aber ich habe ein sehr gutes DAT-Tape von einer Radioshow, die wir in Finnland gemacht haben. Ich werde versuchen, eine Best Off Collection zusammenzustellen und da wird dann einiges von diesem DAT drauf sein.
Wir haben eine unplugged Version von Doin' It Again. Wir sind auch durch diese unplugged Phase gegangen. Haben akustisch in Finnland und sonst wo gespielt. Damals dachten wir, dass ist cool. Davon haben wir noch einiges Material.
HoR: Das war's. Die Jungs von den Southern News haben mir meine Fragen alle gestohlen. Aber vielleicht kannst Du unseren Lesern noch ein letztes Wort mit auf den Weg geben.
Bruce: Ich bin sehr stolz auf die Leute, die uns über all die Jahre unterstützt haben und ich bin sehr dankbar dafür. Das ist nicht selbstverständlich. Ich bin nur ein Gitarrist und Sänger und es ist toll, dass ich immer noch Bestellungen bekomme aus Italien, Finnland, Frankreich, Deutschland, Arizona, Kalifornien oder New Hampshire. Manchmal ist es wirklich unglaublich. Einfach toll.
Meine Tochter ist seit 3 Jahren auf der Universität. Und Dad kann ihr immer noch ein bisschen Geld schicken. Das ist nicht schlecht.
SN & HoR: Bruce, vielen herzlichen Dank. Es hat sehr viel Spaß gemacht. Viele unserer Leser werden Dich sicherlich im Herbst sehen.
Wir danken für das Zustandekommen dieses Gesprächs: Georg Bayer (Lizard) sowie Dirk Saußele, Hans-Georg Weimar und Michael Beyer von den Southern News.
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