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Jürgen Ruland über:
Das Jahr 2004 |
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Gute Vorsätze fürs neue Jahr? Ich habe es mir schon lange abgewöhnt, dem Alkohol abzuschwören nur weil ein weiteres Jahr eingeläutet wird. Mit den Jahren setzt vielleicht mehr oder weniger der Verstand ein und lässt das eine oder andere Glas Bier im Fass verweilen. Das Rauchen war mir immer zu teuer, älteren Herrschaften habe ich stets meinen Sitzplatz im Bus überlassen und überhaupt versuchte ich ständig hilfsbereit, freundlich und tolerant zu sein. Belassen wir's dabei und blicken lieber zurück... halt, laute Musik, verdorbene Musik, überhaupt Musik vor der in manchen Kreisen immer noch gewarnt wird... yes Sir, That's The Way I Wanna Rock'n'Roll!!!! Das abgelaufene Jahr hat ernüchternd gezeigt, wie hilflos der Mensch den Naturgewalten gegenübersteht und zuletzt zigtausende elendig ertrinken lassen. Mit Spendengeldern kann man zumindest versuchen die finanzielle Not zu lindern, dem menschlichen Leid steht man im Grunde hilflos gegenüber. Ein paar Euro kann sich gewiss jeder abzwacken... und sei es mit dem Einsparen des Glas Sekt, das man in der Umbaupause eines Westernhagen-Konzertes in sich reinschüttet, anstatt die Kohle vorher lieber zur Finanzierung einer Trinkwasseraufbereitungsanlage gespendet zu haben. Die wirtschaftlich schwierigen Zeiten haben Spuren hinterlassen. Da wo man sich früher mal das eine oder andere Album nebenbei gegönnt hat, zuckt man heute nur noch die Schultern oder leistet sich eventuell die Single. Und weil Neues ja unbekannt ist und man Altbekanntes schätzt und weiß woran man ist (oder es glaubt zu wissen...), wird den Neuveröffentlichungen alter Recken manchmal zuviel Aufmerksamkeit geschenkt. STATUS QUO begleiten mich mit ihrer Musik seit über 30 Jahren und ich sie bei vielen ihrer Konzerte. So abermals bei derer zwei im Oktober des vergangenen Jahres. Doch wenn nicht allmählich wieder ein akzeptables Album das Licht der Welt erblickt, glaube ich zu wissen, dass dem bei der x-ten Tour zum x-ten Sampler nicht mehr so sein wird. Vorfreude ist die schönste aller Freuden (sagt man), doch selbst bei dreikommanull Promille wäre meinereiner nach den letzten Gigs wieder nüchtern gewesen. Das Gegenteil, nämlich unglaubliche (und unerwartete) Freude bereiteten mir MOTÖRHEAD. Nicht nur live, wo sie ja derweilen schwankend in der Form sind, nein, auch "Inferno" ließ mich selig an vergangene Zeiten zurückdenken. Eine Rock'n'Roll-Harke vom Feinsten, mit Groove ohne Ende. Aus deutschen Landen frisch auf den Tisch... nun ja, so ganz frisch war das nicht was RAMMSTEIN da abgeliefert haben. Lange hat's gedauert bis es heraus war, aber erst mal auf der musikalischen "Reise, Reise" lässt sich feststellen, dass gut Ding zuweilen Weile hat. Eine reife Leistung, musikalisch wie auch textlich. Und trotzdem war ich enttäuscht... weil ich keine Karte mehr für Dortmund bekam. Schnief. Tour des Jahres geht an RUSH, die zudem mit dem Cover-Album "Feedback" zum wiederholten Male ihre außergewöhnliche Klasse bewiesen. Die drei Stunden Liveerlebnis konnten einem auch durch die Begleitumstände der Tour nicht vermiest werden. Für mehrere Stunden gab es Musik und eine Show von einem andern (Rock-)Planeten. Der gute alte Rockpalast lebt wieder, zumindest ein bisschen. Lang zurückliegende Auftritte Rory Gallaghers und THIN LIZZYs wurden löblicherweise auf DVD herausgebracht und ließen so manche wehmütige Erinnerung aufkommen. Ansonsten kam zwar massig Masse, aber mangels derer im Portemonnaie blieb der Kaufrausch aus. Die Jahre zuvor hatten zudem einiges aufs Regal gehievt, sodass für die Gestaltung regenverhangener Sonntagnachmittage ausreichend Material bereit lag. Boah ey, ich hasse Sandalen. Ich wurde schon in Turnschuhen geboren (oder waren's Boots?). Und trotzdem gefiel mir "Troja". So gut, dass ich mir einen Konzertmitschnitt von weiß-nicht-wem kniff und demnächst wieder mit den tausend Schiffen übers Meer gen Troja segle. Das Radio kam 2004 wieder zum verstärkten Einsatz. Wir sind Helden, Sportfreunde Stiller, Anastacia, Nelly Furtado, Norah Jones, Avril Lavigne, Robbie Williams... es macht wieder Spaß, richtig gute Singles zu hören oder ab & an sogar mal bei MTViva einen Lichtblick auszumachen. Über die Fohlen vom Bökelberg verliere ich kein Wort mehr. Nicht, weil es das legendäre Stadion als Heimspielort der Borussia mit Beginn dieser Saison nicht mehr gibt, aber... Somit zur letzten erfreulichen Feststellung des Jahres 2004 in diesem Rückblick: Oettinger Export mundet immer noch köstlich. Prost!!! Jürgen Ruland, (Artikelliste), 07.01.2005
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