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2004

Das Jahr der Über- und der geistigen Tiefflieger
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Musik:
Nicht nur sportlich war 2004 das Olympiajahr. Die Masse an musikalischer Grütze hätte locker einen Platz auf dem Treppchen verdient. Auf jeden Fall Silbermedaillen verdächtig.
Neben diversen Zombi Retortenbands wie NU-PAGADI und Heimatdeppen a la Holzmichel gab es auch richtig gute Mucke. Mann oder Frau mußten nur etwas Mühe aufbringen und nicht den Pop-News im Frühstücksradio vertrauen.
Einige meiner absoluten Favoriten waren:
DELTA MOON. Eine saugeile Swamp-Cajun-Rock-Truppe, die sich handwerklich wahrlich nicht hinter LITTLE FEAT und Konsorten verstecken müssen.
Oder George DeVore, der mit "Four Under Par" eines der besten Rockalben des Jahres auf die Menschheit losließ. Jeder Song ein Treffer.

Es ist eigentlich ungerecht, ein paar Musiker und Bands an den positven Pranger zu stellen. Ich könnte hier seitenweise gute CDs aufführen. Aber so sind halt die Jahresrückblicke. Es soll ja ein Auszug und kein detailliertes Protokoll der stattgefundenen Ereignisse sein.

Eine weitere brilliante Rockröhre war Sass Jordan, die auf ihrem "Racine" Album in bester STONES und DACES Manier mein Rockerherz höher schlagen ließ.
Außerdem gab es da noch THE CODETALKERS, die zusammen ungefähr 250 Jahre Bühnenerfahrung mitbringen, aber erst jetzt ihr Studio-Debüt fertigstellten.
Außerdem mal wieder die BLUEDOGS. "Halos and Good Buys" toppte sogar ihre schon starken Vorgänger um einiges. Roots Rock vom Feinsten und ein Muß für Saitenfreaks.

Das Comeback des Jahres feierten HEART mit ihrem modern und frech arrangierten "Jupiters Darling". Kein müder Aufguß der 80er Mainstream Jahre sondern modernste Arrangements auf der Höhe der Zeit.

Für das beste Liveerlebnis war diesmal Aynsley Lister zuständig. Mit seiner neuen Besetzung rockte er allen Blues-Traditionalisten ihre Clapton Lethargie aus den betagten Knochen. Der Junge ist nicht nur ein fabelhafter Techniker sondern ein ebenso fabelhafter Songwriter.

Als extreme musikalische Enttäuschung entpuppte sich erneut Bruce Hornsby, der endgültig dem Hip-Hop Wahn verfallen ist. Schade, das jemand sein Talent für asoziale Töne verschwendet.

Gute Live DVDs sind endlich keine Mangelware. So überraschte Bill Deasy mit den Überresten von seinen GATHERING FIELD mit seinem Live Auftritt im Club Cafe. Ein wahres Schmankerl für alle Acoustic-Rock Fans. Und seine Songs gehen ins Ohr, wie die Zecke in die Haut. Leider ist die Codefree DVD nur auf der Website www.billdeasy.com erhältlich.
Eine weitere kleine aber feine DVD präsentierte zum Ende des Jahres der gute Edwin McCain. "Tinsel and Tap Shoes" ist 100 Minuten abwechslungsreicher und perfekt präsentierter Rock und Roots. Trotz (nur) Dolby 2.0 ist der Sound nahezu perfekt und ungemein druckvoll.
Erhältlich zu einem fairen Preis bei Bärchen Records. Doch auch seine CDs sollten in keiner guten Sammlung fehlen.

Für die Hammer DVD des Jahres sorgten allerdings die Lennon Brüder von VENICE mit ihrem Auftritt im Amsterdamer Royal Carre Theatre.
Gesanglich gehört die Band nach der dort gezeigten Leistung ins Guiness Buch der Rekorde. Ihr vierstimmiger Gesang ist richtig choreografiert. Da können selbst ihre großen Westcoast Vorbilder wie die EAGLES oder DOOBIE BROTHERS nur schwerlich mithalten. Ich habe viele Bands in den letzten 30 Jahren gesehen. Solch ein Satzgesang sucht allerdings Seinesgleichen.
Die technische Qualität der DVD ist dazu schlichtweg überragend. Das gilt sowohl für den brillianten Dolby Digital 5.1 und 2.0 Ton wie auch für das bestechend scharfe und detailfreudige Bild.
Erhältlich bei JPC.

Film:
Neben den üblichen deutschen Komödie-Plattheiten wie "Traumschiff Surprise", der muffigen Sandalen Werbung "Troja", dem Rockkrepierer "School Of Rock" und dem Kung Fu Dünnpfiff "Kill Bill" gab es auch wirklich gute Filme im abgelaufenen Kinojahr 2004. Die wollte zwar kaum jemand sehen. Aber im Kino geht es leider zu wie in den Musikcharts: "Scheiße schwimmt oben"!
So wurden "The Cooler" und Tim Burtons "Big Fish" leider nur von einer Minderheit gesehen. Die große Masse verpasste zwei wunderschöne Filme. Während "The Cooler" die Geschichte eines Casino-Pechvogels auf Freiersfüssen schildert, ist "Big Fish" großes Erzähllkino in bester John Irving Tradition.

Doch auch das Mainstream-Kino hatte Einiges zu bieten. Zum Beispiel Gene Hackman als fiesen Geschworenen-Experten in dem spannenden Gerichtsthriller "Das urteil" oder die hinreissende Nicole Kidman in dem Bürgerkriegs-Epos "Unterwegs nach Cold Mountain".

TV:
Zwischen Dschungelcamp und Bachelorette wurde von den Privaten gekonnt jede Annäherung an die magische IQ-Quote von 30 vermieden.
Da Harald auf Weltreise war, sorgte Ditsche für eine der wenigen TV-Höhepunkte im abgelaufenen TV Jahr 2004. Der WDR präsentierte zudem wieder einige gelungene Satiresendungen. Höhepunkt sicherlich u.a. die Auftritte von Volker Pispers, der mit seiner gekonnt beissenden Kritik niemals ins Fahrwasser der plumpen Comedy gerät.

Joachim Domrath, (Impressum, Artikelliste), 04.01.2005

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