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Das Jahr 2001 begann eigentlich schon im Herbst 2000. Da begannen nämlich die Planungen für das Home of Rock. 10 andere, ausreichend verrückte Typen, waren schnell gefunden und nur ca. 234.000 Mails später, Tage und Nächte voller Überlegungen, Diskussionen, Kämpfen mit der Technik (und dem Techniker *g*), Planungen, Irrtümern, Designversuchen undundund war der 08.02.2001.
Ein historischer Tag der deutschen Musikgeschichte. Das Home of Rock ging online.
Jetzt, knapp 1 Jahr, Hunderte von Artikeln, explodierten Online- und Telefonrechnungen, Millionen von Mails, Tausenden Mark Portogebühren später, sind die Brauereien saniert, Lebern und Familien ruiniert, Tastaturen zerborsten und Britney & Co. tummeln sich immer noch in den Hitparaden.
Eines haben wir aber sicher geschafft: Wir haben den Leuten, die sich für handgemachte und ehrliche (Rock) Musik interessieren, eine Plattform gegeben, auf der sie sich informieren können, wo sie diskutieren können und wo sich die Erzeuger "unserer" Musik wiederfinden können. Ohne überheblich zu sein, da sind wir den etablierten Medien einen Schritt voraus.
Für mich persönlich war 2001 ein phantastisches Rock & Roll Jahr.
Nach mehr als 20 Jahren, in denen ich der Musik hinterher renne, und nach langen Jahren, in denen nur wenig bis gar nichts spannendes in der Szene passierte, tat sich (vor allem in Deutschland) so viel, dass man kaum mehr mit dem anhören nachkommt. Rock & Roll lebt.
So ganz nebenbei habe ich durch das Home of Rock auch noch einen Haufen Leute kennen gelernt, denen es ganz ähnlich geht. Und wir haben ein phantastisches Team, das man durch die Bank als Freunde bezeichnen kann.
Das wir nicht die einzigen Gitarrenjunkies auf der Welt sind, merkt man an den Besucherzahlen. Seit einigen Monaten haben wir beständig mehr als 10.000 verschiedene Leser monatlich auf unseren Seiten. Und die Zahl steigt weiter von Monat zu Monat. Und ganz falsch liegen wir anscheinend auch nicht, denn die Zahl derer, die 5 Seiten und mehr pro Besuch lesen, ist etwa 15x höher als im Netzdurchschnitt. Darauf sind wir stolz.
Wir sind natürlich auch stolz auf die vielen positiven Rückmeldungen, das Interesse vieler Bands und Musiker und die große Unterstützung unserer Freunde aus der Industrie und Medienbranche.
Es gibt natürlich auch Sachen, auf die wir nicht stolz sind. Beispielsweise konnten wir das Comeback der Kelly Family nicht verhindern, unser Wahlspruch "Gitarren statt Knarren" wurde nicht von allen Menschen befolgt, es gibt immer noch genügend schlechte Musik da draußen und manche Leute ignorieren uns immer noch hartnäckig. Euch kriegen wir auch noch!
Die Musik:
In der tabellarischen Jahresübersicht fehlen einige Bands. Nicht weil sie nicht gut genug sind, sondern weil ich meine, dass in meinen Platten des Jahres nur komplette Longplayer vertreten sein sollten. Trotzdem seien sie hier zum Teil noch mal ausdrücklich erwähnt. HARD TO HANDLE, UNCHAINED, DICHT'N'DURCH (denen man ganz besonders übel mitgespielt hat), 99 FROGS, TRIPLE TROUBLE, TIM BEAM und all die anderen, die in diesem Jahr Demos, Mini-CDs, Live-Aufnahmen etc. eingespielt haben. Wenn all diese Bands mit kompletten CDs kommen, dann müssen wir uns um das nächste und übernächste Jahr keine Sorgen machen.
Dazu die vielen Bands, die hervorragende CDs gemacht haben. Ganz weit vorne natürlich WASTELAND; SHAGALAG und die absolute Top-Kapelle LIZARD. You made my year perfect!
Neben "meinen" persönlichen Favoriten gab es noch eine ganze Reihe anderer Musik, die meinen Player, teilweise wochenlang, blockiert hat.
Jam Bands, die mir Ulli geschickt hat. Americana (das ist ein Oberbegriff, der alles und nichts sagt) von Manni, zwischen begeisternd und Fragezeichen in die Augen schreibend. Country, von Daniel per Postkutsche geliefert (sobald Cowboy nicht in sein Bier weint ist er klasse).
Voodoo von Markus direkt aus New Orleans herbeigezaubert (Markus kann inzwischen sogar durch Glastüren gehen!). Sogar mittelalterliches Getrommel von Martin höre ich mittlerweile und nächstes Jahr mach ich mit Martin einen Drachenbändigerkurs.
Reggaegroove, den ID anschleppte. Joachim, der andauernd unglaubliches Zeug ausgräbt (ich sag nur GENYA RAVAN und JOE CERISANO). Ralf, der mich immer wieder überrascht, mit seiner Vielfalt ("Hauptsache heavy und zum Pils passend").
Und natürlich Werner, der mir hartnäckig das Takte zählen beibringt, obwohl bei mir eigentlich nach 4 Vierteln Schluss ist (Wein vertrag ich aber mehr). Und natürlich all die Tipps und CDs, die von unseren Gastschreibern und Lesern kamen.
Das gibt unterm Strich 2 neue, komplett volle CD-Regale (und die nächsten sind schon bestellt). Das gibt auch 365 Tage, die derart mit Musik gefüllt waren, das für andere Sachen kaum mehr Platz war. Macht aber nichts, denn das Fernsehprogramm war eh Mist.
Wir waren bei Konzerten, die mich so begeistert haben, dass mir noch 2 Tage später das Kreuz schmerzte und die Leber ächzte.
Mein Highlight war sicher die Doc Holliday/Lizard Tour. Andere, wie STATUS QUO, haben mich mal wieder in den Ausfallschritt gezwungen. Wieder andere kannte ich vorher nicht und ich war trotzdem hin und weg. Die MASTERS OF REALITY beispielsweise. Das Comeback des Jahres waren sicher die QUIREBOYS. Und den Kunstgenuss des Jahres bot uns JACK BRUCE.
Wir führten Interviews mit Künstlern, von denen man nicht annehmen konnte, dass sie so derart angenehm, unkompliziert, nett und freundlich sind.
Wenn eine Legende wie JACK BRUCE 45 Minuten wie ein Buch erzählt, BRUCE BROOKSHIRE beim Essen grinsend erwähnt, dass er sich an manche Konzerte in den 80er Jahren nicht mehr erinnert, DAVID KNOPFLER seine Meinung zu Reichtum und Besitz erzählt, die Jungs von J.B.O. ein Stündchen mit einem rumalbern und trotzdem was zu sagen haben, GENYA RAVAN bereitwillig Dutzende von Mails beantwortet oder PAUL O'NEILL aus New York anruft und 90 Minuten erklärt, dass man den Menschen in Afghanistan um Himmels Willen Brot und Bildung bringen soll, damit nie mehr solche Monster ihr Unwesen treiben können, dann sieht man, wie sehr diese Leute, die für uns/mich schlicht Helden sind, im normalen Leben stehen und dass sie genau wissen, was um sie herum passiert.
Der Wahnsinn:
Kluge Menschen haben alles schon gesagt. Trotzdem noch mein Senf.
Ich war zu Fuß auf dem Weg zum amerikanischen Konsulat in München, als das Handy läutete und Adelina mir sagte, dass ich mir den Weg wohl sparen könne.
Es war ungefähr 15 Uhr. Ich bin zum nächsten erreichbaren Fernseher (bei einer befreundeten Firma) und habe dort das zweite Flugzeug in den anderen Turm rasen sehen.
Vor Jahrzehnten gab es in den USA die berühmte Radiostory von George Orwell, die Millionen Menschen in Panik versetzt hat. Und seltsam, das war mein erster Gedanke. Nur, wo liegt der Witz in solchen Wiederholungen? Reichen all die blöden Hollywood Filme nicht?
Zum ersten mal seit langer Zeit haben mir die Knie gezittert und als ich den Fußweg zurück hinter mir hatte, gab es das WTC nicht mehr. Nur 25 Minuten später. Vor ein paar Jahren stand ich selbst dort oben und ich war sprachlos. Jetzt war ich es wieder. Aber vor Entsetzen. 2 oder 3 Tage konnte ich keinen klaren Gedanken fassen, habe mir (wie alle anderen) die möglichen Folgen ausgemalt, habe versucht, meine Vorurteile in den Griff zu bekommen, habe mich wieder und wieder gefragt, warum und vor allem, wie bringt man Menschen zu solchen Taten. Ich weiß es natürlich bis heute nicht.
Was ich aber weiß ist, dass dieser 11. September die Welt wirklich verändert hat. Jeder kennt die grausigen Bilder von Erdbeben, Kriegen, Hungersnöten und all dem, leider täglichen, Wahnsinn. Wir sehen es, aber es ändert sich nichts deswegen. Wir sind abgestumpft, überinformiert, spendenbereit. Aber eine solch apokalyptische Untat verändert die Welt, denn es ist nicht nur gänzlich sinnlos und verachtend, sondern es trifft auch jemanden, der zurückschlagen kann. Und der sich künftig gegen solche Taten zu schützen versucht. Die Folgen werden wir alle spüren.
Mir macht nicht nur das monströse Verhalten dieser Mörder Angst, sondern vor allem die psychologische Wirkung auf andere Wahnsinnige, Eiferer, Hetzer und potentielle Massenmörder. Wenn bei Big Brother die Einschaltquoten nicht mehr stimmen, wird eben die Regel verschärft und es gibt nur noch einmal die Woche was zu essen. Was werden uns irgendwelche Glaubenskrieger demnächst bieten?
Noch etwas macht mir Angst und Übelkeit: Die unglaublich eiskalte Vorgehensweise "unseres" "Managements". Lippenbekenntnisse, Treueschwüre und 10 Sekunden später der Blick auf die Aktienkurse. Pfui Teufel. Jugoslawien, Irland, Palästina, Afghanistan und all die anderen. Was muss denn noch sein, damit endlich vernünftige Taten von Euch folgen?
Außerdem nehme ich den Hut ab für die anderen Toten des Jahres. George Harrison, Herman Brood und John Lee Hooker seien stellvertretend genannt. Was für eine Band da oben jetzt grade eine Session macht...
Der Knüller des Jahres:
War selbstverständlich unser Redaktionstreffen im Schwarzwald.
Heiliger Bimbam. Markus hat uns in sein Heimatgäu gelockt und der arme Wald hat es gebüßt. Die örtliche Brauerei hat profitiert, das BBQ war exzellent und die Sonne hat uns gelacht. 12 Menschen um die 40 (na ja, ich bin natürlich deutlich drunter), benehmen sich 2 Tage wie 40 Menschen um die 12. Cowboy und Drachentöter vernichten Whiskey, Voodoozauberer rutscht Rutschen, Frauen sinken aus Autos, Webmaster tanzen ums Feuer. Nur ich habe den Überblick behalten und den U-Bahn-Bau in Grafenhausen überwacht. Das mit den Gläsern tut mir leid...
We do it again! Und dann hat Joachim keine Ausrede mehr!
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