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Inflation bei den Ticket Preisen

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Neulich erstand ich Karten für eine YES Show. Der Spaß kostete mich schlappe 49,45 Ocken pro Ticket. Eine ziemliche Stange Geld. Als ich mich dann im Bekanntenkreis darüber aufregte, erntete ich nicht das erhoffte Verständnis. Alle zuckten nur resignierend mit den Schultern und überhäuften mich dann mit Beispielen aus ihrer jüngeren Konzertvergangenheit.
Die Quintessenz des Ganzen lässt sich schnell auf den Punkt bringen: International bekanntere Acts sind preiswerter kaum noch zu erleben. 38 Euro, 40 Euro, 45 Euro sind heutzutage normale Preise für ein Konzertticket.
Warum ist das so?

Zum Einen sicherlich, weil sich eine Tour für die Bands auch lohnen muss. Die Kosten sind immens. Equipment, Hotels, Transport, Versicherungen, Energie, das alles und noch viel mehr will erst einmal finanziert werden. Dazu will auch noch der Tross partizipieren, den eine Band so im Schlepptau hat. Viele wichtige Leute tummeln sich im Windschatten der Musiker und erledigen viele wichtige Dinge, und das auch nicht immer gratis. Wenn dann noch ein paar Cent übrig bleiben sollen, diktiert die Deckungsbeitragsrechnung und der Break Even Point schnell die Preisuntergrenze.
Zum Anderen aber auch, weil die Bands und Veranstalter offensichtlich mit diesen Preisen durchkommen. Es gibt halt sehr sehr viele Fans, mich eingeschlossen, die bereit sind, für eine Show einen halben Hunderter auf den Tresen zu knallen. Aber was ist die Motivation dahinter? Was treibt uns in die Hallen? Klar, man will seine Helden mal live erlebt haben. Oft ist ein guter Gig auch ein ziemlich tolles Erlebnis. Die Frage ist halt, ob das Preis-Leistungsverhältnis stimmt.
Auch gibt es Fans, die Konzerterlebnisse sammeln. So Typen kennt eigentlich jeder. Erzählt man mal unbedarft, dass man sich eine Platte von Ozzy, Gary Moore oder Van Halen geleistet hat, streckt einer den Kopf in die Runde und verkündet sonor und meist zunächst einsilbig: "Hab ich auch schon gesehen!" Um nach der rhetorischen Pause auszuholen: "1984 in Karlsruhe! Monsters of Rock!" Längere gespannte Pause, dann: "War Scheiße!"

Bei der besagten YES-Show hat mir ein junger Musik-Freak eine weitere Erklärung geliefert.
Der Kerl war so um die 18, senkte also das Durchschnittsalter schon gewaltig. Er sah mich mit großen Augen an und sagte im Brustton der Überzeugung: "Wer weiß denn, ob die noch mal kommen. Die machen ja nicht mehr lange!" Auch ein Grund. Und genau der Grund, warum ich mir seit 1982 (da war ich 16) vorgenommen habe, mal irgendwann einen Stones-Gig durchzustehen.
Ein Kollege ersteigerte jetzt, schmerzlos grinsend, eine Eintrittskarte für Simon and Garfunkel. Die kam auf gerade mal 220 Euro. OK, der hatte das legendäre Central-Park Konzert gehört - (mit gesehen ist so eine Sache, denn er stand 2-3 Kilometer südöstlich der Bühne). So ist das Ganze wohl unter: "Verklärung aus der Vergangenheit" zu verbuchen.

Ein dummer Nebeneffekt dieser Angelegenheit ist, dass die hohen Preise unsere begrenzten Budgets auffressen. Da bleibt auf einmal nicht mehr genug übrig, um noch eine zweite Show in einem Club anzusehen. Obwohl für das gleiche Geld locker zwei bis drei Konzertbesuche in Clubs drin gewesen wären. Und so langsam aber sicher steigt bei mir die Wettschätzung für solche intimeren Gigs stetig. Irgendwie ist man mittendrinner, man erlebt die Band unmittelbarer. Das macht die Frage nach dem Preis-Leistungsverhältnis bei den großen Shows noch quälender.

Kurios ist auch, dass man für die "Ticket-Preise" kaum noch vernünftige Tickets bekommt. Wow, was hatte wir schon für Kunstwerke in den Händen, als wir damals vor den Hallen Schlange standen. Gut, in Erinnerung geblieben ist mir die Karte für einen DIRE STRAITES-Gig irgendwann in den 80ern. Von Phillips präsentiert, hatte das Ticket die Form von einer oder (sogar zwei?) CDs. Da war die Karte noch ein Erinnerungsstück für sich. Man "fühlte" den Event schon und noch, wenn man den Karton nur ansah. Als ich mir das Yes-Tickets holte, verließ ich die Vorverkaufsstelle mit einem lächerlichen Computerausdruck. Das Ding war ohne jede Identität, ein absolutes Neutrum. Nicht schlecht habe ich gestaunt, als ich bei einem Kinobesuch fast gleichaussehende Teile bekommen habe. Der Hauptunterschied (bis auf den Preis natürlich), war der Aufdruck: "Spiderman 2" statt "YES". Bin aber auch schon ganz ohne Karte aus einem Konzert gekommen, nur mit einem Stempelaufdruck auf der Hand.

Sicher werden die Shows in Zukunft nicht billiger werden. Aber jeder sollte und wird für sich selbst entscheiden, was er bereit ist zu zahlen und ob seine Erwartungen dann erfüllt wurden. Ich persönlich werde mich in Zukunft mehr in den Clubs tummeln. Und vielleicht kann ich in einigen Jahren auch über die eine oder andere dann "stadionfüllende" Band grimmig sagen: "Hab ich auch schon gesehen!" - Kunstpause - "2004 in Forst!" - Kunstpause 2 - "War absolut klasse!"

[Weiterführende Literatur findet man natürlich im Home of Rock, z.B. hier]

Olli "Wahn" Wirtz, (Artikelliste), 22.08.2004

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