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Manchmal kommen sie wieder

Oder: Die hohe Kunst des Coverns

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Wir befinden uns voll im so genannten RETRO-FIEBER. Längst verschollen geglaubte Sachen werden wieder zum Verkaufsrenner. Endlich kann er/sie die neueste Cover-CD mit einem Gläschen Tri-Top geniessen und das im trauten Nierentisch- und Flokati-Teppich-Ambiente.
Insofern ähnelt der Mensch in dieser Hinsicht der ordinären Milchkuh. Will sagen, er ist ein begeisterter Wiederkäuer.

Und was dem gemeinen Pöbel lieb ist, kommt den Künstlern und Bands gerade recht.
Aus allen Ecken dieser Welt rollen die berühmt berüchtigten Cover CDs auf einen zu.
Wohlgemerkt: Covern muß keineswegs negativ sein! Was gab es doch für tolle Dylan-Versionen der BYRDS oder das geniale Sympathy For The Devil von BLOOD SWEAT & TEARS. Doch das waren in der Regel einzelne Nummern auf vielschichtigen Alben.
Heute wimmelt es von Künstlern und rührigen Produzenten, die einem komplette CDs mit Coverversionen aufs Ohr drücken wollen.

Alles fing mit der handwerklich perfekten aber ansonsten höchst überflüssigen BEATLES REVIVAL BAND an. Was als Live Act noch Sinn macht, weil es das Original längst nicht mehr zu sehen gibt, ist als Platte überflüssig wie ein Kropf. Warum die dritte Garde hören, wenn ich die erste Garde ohne Probleme kaufen kann.

Doch das ist ja alles harmlos, gemessen am heutigen Stand der Dinge.
Das ganze offizielle Klau-den-Song Theater nahm eigentlich mit Clapton's "From The Cradle" seinen Lauf. Und das in einer derart lieblosen Darbietung, dass sich die gecoverten und oftmals längst verstorbenen Musiker im Grabe umdrehen müssten.
Jeff Healey ließ es sich auch nicht nehmen und ging, Gottseidank, ziemlich baden. Huey Lewis versuchte es mit den guten alten Rock'n Rollern und konnte zu keiner Zeit die Stimmung der vergangenen Zeit wiederbeleben.

Doch nicht nur die erste Liga (rein verkaufstechnisch) ist auf den teilweise lukrativen Retro-Zug aufgesprungen. Demnächst steht uns ein neues Joe Bonamassa Album mit COVERS-SATT ins Haus. Hat der begnadete Gitarrist das wirklich nötig?
Wahrscheinlich nur, um in den erlesenen Club der Blues-Langweiler aufgenommen zu werden.
Und wieder dabei ist natürlich Robert Johnson. Ich weiß nicht, wie oft der arme Kerl in den letzten Jahren wiedergekäut wurde. Gerade im Blues-Genre nervt die als Heldenverehrung getarnte COVERITIS schon recht heftig.

Doch auch der gute Rock'n Roll bleibt nicht verschont. Paul McCartney's uninspiriertes Rock'n Roll Süppchen "Run Devil Run" ist gerade verkocht, da kommt mit "Good Rockin' Tonight" der nächste Oldie-Erguss aus den Rillen (siehe Review im HoR).

Und dann gibt es da noch die Coversongs, die keiner erkennt. Gemeint ist die liebliche Rapper- und Hip(p)-Schrott Fraktion. Wer vermutet auch schon Bruce Hornsby oder POLICE hinter dem Computer-Sound-Gelärme.
Na, wenigstens bringt es den Komponisten noch ein paar zusätzliche Dollar.

Das ist alles ärgerlich. Doch richtig gemein wird die Sache erst dann, wenn ganze Band-Legenden aus ihren Gräbern geholt werden weil die große Kohle lockt.
Aktuelles abschreckendes Beispiel sind T-REX, die jetzt (wieder) auf Tour gehen. Bolan, Took und Finn sind längst verstorben. Und doch lebt die Band. Hat man uns bei der Genforschung Wichtiges vorenthalten? Unglaublich und fast schon ein Fall für den Staatsanwalt.
Das ist so wie die Elvis Presley Band ohne Elvis Presley.
Ich freue mich schon auf die neue T-REX CD "Dinosaur's never die".

Das Beispiel T-REX macht Mut und läßt für die muskalische Zukunft hoffen. Wie gerne würde ich doch Buddy Holly oder Sam Cooke live sehen.
Also, wacht auf all ihr Hinterzimmer-Producer und macht Euch Gedanken. Und kommt mir nicht mit der Ausrede, die Herrschaften seien längst tot.

Noch so ein Fall für sich sind CREEDENCE CLEARWATER REVISITED. Die durften den Originalnamen, Dank sei John Fogerty, doch nicht klauen. Manchmal gibt es eine Gerechtigkeit im Musikerleben. Das Projekt ging dann auch gehörig in die Hose. Das freut nicht nur John Fogerty.

Wie sieht die Zukunft aus? ABBA und die A-TEENS sind ja zur Zeit nicht mehr angesagt. Vielleicht werden bald die BEATLES in Form der B-TEENS auf unsere jüngsten Musikfans losgelassen?
Der Clou wären sicherlich aber die "I Cover Myself" Alben: Eric Clapton covert sich selbst. Vielleicht noch ein paar Gitarren als Overdubs und fertig ist die neue im 12356 Bit Format remasterte neue Version von I Shot The Sherif und Co.
Auch SANTANA müsste sich nicht mit bekannten Rockstars und neuen Songs plagen. Einen Tag ins Studio und fertig ist der Aufguss alter Songs.
"Best Of" darf man die Scheiben dann allerdings auf keinen Fall nennen. Das klingt nach bekanntem Material. Wie wär es mit Eric Clapton's I Shot The Sherif Again und bei Carlos mit It Hears As It Goes (engl. Übersetzung für Oye Como Va) oder vielleicht Samba Party.

Oder blüht uns eines Tages der COVER-MIX. Man nehme einen Teil Mr. Postman, zwei Teile Sweet Home Alabama und etwas Staying Alive. Fertig ist ein komplett neuer Song. Musiker brauchen nie mehr komponieren. Sie mixen sich einen neuen Song. Der Begriff Soundmixer bekommt eine völlig neue Bedeutung.

Aber was mach ich mir eigentlich Gedanken. Die Musikindustrie hat bestimmt noch pfiffigere Gedanken parat. Doch bis es so weit ist, wird Robert Johnson's Crossroads noch weitere 300 x gecovert. Ich freue mich schon diebisch auf all diese neuen Versionen.

Joachim Domrath, (Impressum, Artikelliste), 25.08.2003

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