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Editorial:
A Cyberspace Oddity(Groundcontrol to Major Frank)&Alternde Rockstars und unzufriedene Fansoder: Das Leben als nicht mehr junger Rockstar ist allemal besser als der Tod |
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Diesmal ein Double Feature im Editorial. Auf den ersten Blick ohne Zusammenhang. Doch auf den zweiten...
Letzte Woche besuchte ich, auf Empfehlung, eine dieser "Schickt uns Eure Songs, wir machen Euch zu Stars" MP3-Musikseiten im Internet. Nachdem das Registrieren gut geklappt hat, hörte ich mich intensiv durch das breitgefächerte Musikangebot der von den Usern upgeloadeten Eigenkompositionen. Meinen Besuch in der Rockecke (immerhin 25 Tracks) beschränkte ich auf zwei zufällig herausgepickte Songs: "Bumm,crash,hämmer,da da da da da da da, Ei wonna miet ju in se hell, wenn se dewil rings se bell" shouted es mir entgegen. Cool, da lernt man doch die alten Scorpions mit ihren astreinen Niedersachsen-Englisch wieder schätzen. Na mal hören, was der Musikernachwuchs so zu sagen hat, also äußerst gespannt in den Musiker-Chatroom einloggen. Jetzt nur nicht weiter auffallen und die Lage mit einem Scherz entkrampfen: "bbH" ( bin blond, brauche Hilfe). Ich fühle mich sooo allein, I'm lost in space. Bin ich etwa zu alt, um mit Musikbaukästen zu spielen? Verstehe ich den Musikernachwuchs des 21.Jahrhunderts nicht mehr? Habe ich die zweite Hippierevolution mißverstanden oder frißt die Revolution gerade ihre Kinder? END OF TRANSMISSION. Frank Buske, (Artikelliste), 18.10.2003
Wenn gealterte Rock-Stars auf der Bühne erscheinen, ist die Fangemeinde immer auf das Äußerste gespannt. "Bringt er es noch, wie ist er drauf, spielt er noch die Riffs wie anno domini. Die Falten im Gesicht werden von den Erste-Reihe-Stehern gezählt wie die Minuten der jeweiligen Solis. Die zwischenzeitlich schon etwas welk gewordenen Blumenkinder gehören zweifelsfrei zum zahlungskräftigeren Publikum. Bestes Beispiel: Die gigantischen Ticketpreise der Rolling Stones. Egal, ob Mick Jagger sein Gesicht mit regenerativen Gurkenscheiben belegt, seine Falten sind einfach echt, und der Spott darüber ist ein lohnendes Geschäft. Je oller, je doller, das fröhliche Alter im Rock-Zirkus hat Hochkonjunktur. Wie aber sieht es mit jenen Rock-Stars aus die ihre Alterzipperlein nicht mehr vollständig oder ganz kaschieren können? Sie werden mitunter gescholten, diffamiert und im schlimmsten aller Fälle, als Zumutung empfunden. Das öffentliche zur Schau stellen von Gebrechen, wird von einigen Fans mit Ablehnung quittiert. Die Enttäuschung darüber, dass die einstige musikalische Virtuosität einem Alterungsprozess zum Opfer gefallen ist, erzeugt Unbehagen. Alternde Idole haben es einfach schwer in einer vom Jugendwahn geprügelten Zeit. Selbst ein altersmüde gewordener Papst, der sich immer mehr in sabbernden Reden verliert, ereifert die Nation mehr, als die Inhalte und von Hunger und Krieg heimgesuchte Völker. Nun denn, "teuer bezahlte Konzertabende" dienen nunmal der Kurzweil und der Entspannung, jedoch nicht der Konfrontation womöglich mit dem eigenen Altern. Wie röhrte doch Roger Daltrey (59) Sänger von "The Who" einst in die jubelnde Menge "I hope I die before I get old". Die zwischenzeitlich errungene Erkenntnis, "dass das Leben als nicht mehr junger Rockstar allemal besser ist als der Tod", sollte den einen oder anderen unzufriedenen Fan wieder mit seinem altgewordenen und immer noch auf der Bühne stehendem Star versöhnen. Freuen wir uns darüber, gemeinsam mit unseren Rock-Idolen alt zu werden, und dass die großen Alten - die die noch unter uns weilen, und die die nicht mehr unter uns sind - anerkannt, gewürdigt und gehört werden. Denn sie sind die Klassiker des einundzwanzigsten Jahrhunderts. Brigitte Gerstenberger, (Artikelliste), 13.10.2003
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