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Hört man sich die Weihnachts- und Neujahrsreden von Flutschfinger Köhler, Merkel oder gar - Achtung: Höchststrafe! - Stoiber an, überkommt einen das dringende Bedürfnis zu kotzen. Wahlweise könnte man auch freundschaftliche Gefühle zu verfassungsfeindlichen Demokratiegegnern entwickeln - ist denn der Sozialismus wirklich tot? Mehr Zynismus, mehr Heuchelei und mehr Verlogenheit als uns die Machthaber entgegenbringen geht nicht mehr. "Ich und meine Frau wünschen Ihnen, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, alles Gute für das Jahr 2007" schleimte sich Stoiber auf widerwärtigste Weise durch 10 Minuten Sendezeit. Was er uns wirklich wünscht ist schlichterdings vollkommene Hirnerweichung, endgültige Abhängigkeit von seiner christlich-sozialen, haha, Ausbeuterpolitik, und sich wünscht er die widerspruchslose Wiederwahl. Um diese hehren Ziele zu erreichen, kann man ja schon mal seine Spitzel-Schergen aussenden und dem Fußvolk auf die renitenten Finger klopfen.
Ja, es war kein gutes Jahr, dieses Jahr 2006. Da halfen keine schwarz-rot-geilen Hysterieorgien im Fußballsommer und des römischen Chefinquisitors heilige Sprüche übertünchten im September die Malaise auch nur notdürftig. Glaubensbewegten Event-Pilgern nimmt man die Ernsthaftigkeit ihres Bemühens für eine bessere Welt mit klarem Verstand nämlich nicht ab. Ihr seid nur Sektierer! Und wenn Klinsmann die Polen schon durch die Wand knallen möchte, wäre man gerne sein Adjutant, der ihm noch ein paar andere Flitzpiepen für den Nachschuss bereitstellt. "Ein wunderschöner Spannschuss von Miro Klose und Merkel platzt aus ihrem Jackett ... Asamoah tritt an, durchbricht die gegnerische Mauer und donnert Ratzinger unters Lattenkreuz - herrlich!"
Wie soll es angesichts all dieses Elends unserer lieben kleinen Lieblingsbeschäftigung gehen? Miserabel geht es ihm, dem Rock & Roll. Was vor Jahrzehnten als Subkultur und gegen alle bürgerlichen Widerstände begonnen hat, ist jetzt eine Subkultur ohne Widerstand, ohne Lobby, ohne (Kauf-)Kraft. Da ist keiner mehr, der den Rock & Roll öffentlich lebt, sieht man mal von einigen verirrten Drogensüchtigen wie Pete Doherty ab. Nein nein, Rock & Roll leben bedeutet nicht, im Delirium mit Kate Moss zu kollidieren, Rock & Roll lebt man qua Geisteshaltung und mit Würde. Oder so: "Fakt ist, dass wir derzeit am Ende des Pop stehen, der dauernd monotoner wird. Der Rock liegt im Sterben ... Wir haben uns viel zu lange vorgemacht, dass Rock'n'Roll revolutionär ist. Vergesst es, Freunde! Rock ist zu Tode reaktionär. Ein wirklicher Revolutionär war Strawinsky." So sprach Gordon Matthew Sumner, auch bekannt als Sting von THE POLICE, in diesem Jahr. Außerdem wurde er zum Ritter der britischen Königin ernannt - genau wie Rod Stewart, Eric Clapton, Mick Jagger und Roger Daltrey. Als Weihnachtsgeschenk gab er eine Reunion-Tour von THE POLICE für 2007 bekannt. Ist das Rock & Roll oder gar revolutionär? Ist der Konsument wirklich so bescheuert? Volle Hallen bei üppigsten Preisen sind zu erwarten (1 Euro pro Ticket wird sicherlich einer Hilfsorganisation zur Verfügung gestellt, wir sind schließlich Gutmenschen). Der Konsument IST so bescheuert.
Natürlich gibt es neben diesen Verrätern auch noch die "echten" Rocker in unserem Universum. Aber die spielen keine Rolle im Tagesgeschehen der Medien und kommerziell schon gar nicht - warum sollte man sie an dieser Stelle also aufzählen? Wer sich wirklich dafür interessiert, kann ja einfach unsere Neuigkeitenseite durchstöbern und unsere verzweifelten Versuche Beachtung für die wahre Subkultur des Rock & Roll zu finden nachlesen. Beinahe 6 Jahre tun wir es nun schon und manchmal könnte man verzweifeln. An der Blindheit der Industrie, an der Ignoranz der Kundschaft, an der eigenen Unfähigkeit und Schwäche.
Klingt das alles irgendwie bitter und resigniert? Soll es nicht. Der Rock & Roll hat uns (v.a. mir) auch im Jahr 2006 wieder endlos viele Stunden allerbester Unterhaltung geboten, er hat fürchterliche Tage und Wochen zu einem guten Abschluss geführt, hat uns zum Lachen, Feiern, Singen und Trinken gebracht, kurz gesagt hat er einmal mehr den größten Teil des Lebens eingenommen. Schön war's wieder!
Ich danke allen engagierten Lesern für ihre Zeit, allen Musikern für ihr Schaffen, allen Medienpartnern für ihre Unterstützung und allen aktiven Mitarbeitern des Home of Rock für ihr Herzblut. Ihr seid die Besten!
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