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"Why the hell not?"

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Kinky For Governor

Kinky Friedman Wir haben schon viel gelacht über Amerika und seine Politiker. Und jetzt dürfen wir über einen texanischen Politiker lachen. Nicht aus Verzweiflung, wie seinerzeit über Schwarzenegger, wir dürfen vor Vergnügen lachen. Kinky Friedman - das ist der Mann rechts, dem man nicht einmal ein Gebrauchtpferd abkaufen würde - kandidiert mit dem Slogan "Why the hell not?" für den Job als Gouverneur in Texas!
Wer ist Kinky Friedman? Texaner, Jude, 61 Jahre, Hochschulabsolvent, Musiker, Romanschreiber, Freigeist, Politiker. Gemäß eigenen Angaben erfahrener Drogenkonsument und praktizierender Raucher und Trinker. Polemisierender und polarisierender Provokateur, Sänger, Sprecher und Schreiber deutlicher Worte. Tierschützer. Humorist mit Bezug zur Realität und nicht zur Comedy. Gemocht von Bill Clinton, George W. Bush (!), Bob Dylan, Willie Nelson, den DIXIE CHICKS, Steve Earle, Lucinda Williams, Billy Joe Shaver.

Friedmans musikalisches Schaffen ist in Europa nicht populär - und dürfte all den vielen Freizeit-Cowboys hierzulande ohnehin missfallen. Erstens sagte Friedman einmal, dass Deutschland sein zweitliebstes Land sei - nach allen anderen. Zweitens versteht auch der einfältigste Samstagabend-Sheriff aus Castrop-Rauxel eine Message wie "Proud to be an asshole from El Paso" und fühlt sich persönlich beleidigt. Das taten auch die Texaner und Friedman musste mit seinen TEXAS JEWBOYS ab und an ein Konzert fluchtartig verlassen. Über die BLUES BROTHERS lacht Hilfssheriff aber schon, oder?
Songs wie Ride 'Em Jewboy, They Ain't Makin' Jews Like Jesus Anymore oder Get Your Biscuits In The Oven And Your Buns In The Bed waren nie Hits, im Gegenteil, für letzteren bekam er von der amerikanischen Frauenbewegung den Titel "Sexist des Jahres" - und antwortete mit einem freundlichen "Yes, I'm the sexiest".
Lobbyisten jeder Coleur werden nie erkennen, dass es Menschen gibt, die in ihrer Wertschätzung für Lebewesen nicht differenzieren zwischen Kind, Frau, Mann, Tier oder Baum. Fanatiker werden sich immer humorlos angegriffen fühlen.
Er tourte mit Dylan, der wie Eric Clapton auf seiner LP "Lasso From El Paso" als Gast auftrat, löste 1979 seine TEXAS JEWBOYS auf und ging nach New York. Nach einer letzten, nichtssagenden, LP klang seine Karriere als Musiker - mit Unterbrechungen bis heute - aus... und mündete in der des Autoren unbeschreiblich witziger Kriminalromane.
Die meisten seiner bisher knapp 20 Romane sind inzwischen in deutscher Sprache erschienen und gehören zur Pflichtlektüre jedes Liebhabers skurriler Geschichten. Privatdetektiv Kinky stolpert durchs Leben, gibt Kommentare zu Musik und dem Rest des Lebens und löst Fälle, die man allesamt auch zur "Causa Kinky" erklären könnte. Zum in die Hände klatschen komisch, wundervoll sensibel geschrieben, für jedermann verständlich und großartig ins Deutsche übersetzt sind die Romane kleine Essays und Zustandsbeschreibungen von Texas, Amerika, der beinahe ganzen Welt, Kinky Friedman und seinem bei ihm lebenden Gürteltier. Wer mit 20 Bukowski las, Humphrey Bogart, Philip Marlowe und Marilyn Monroe mag, darf mit 40 Friedman lesen.

Und nun will dieser Outlaw Governor werden? Ein lebenslang renitenter Spinner? Ein lausbübischer Witzbold? Einer, der wie seinerzeit Udo Lindenberg nur auf Publicity schielt? Friedman will aus Texas keine bunte Republik machen, er manifestiert einfach zehn Gründe ihn zu wählen, damit es Texas besser geht. Er denkt nicht global, spricht nicht von Kriegen im Irak oder Afghanistan, sagt "Texas politics stinks", resümiert unter anderem, dass das Bildungssystem in Texas eines der nachgewiesen schlechtesten der gesamten U.S.A. ist, er zeigt der vorgeblichen "Political Correctness" den Ausgestreckten und pocht auf persönliche Freiheit (auch wenn es nur um das Recht auf Zigarrerauchen geht - er meint aber das Recht auf ALLES), will den Anteil erneuerbarer Energien in Texas von derzeit lausigen 0,7% steigern und damit neben dem ökologischen Vorteil auch Arbeitsplätze schaffen.
Naiv? Dann lest mal Wahlkampfprogramme hiesiger Parteien. Davon abgesehen ist Kinkys Programm genau jenes, das sich jeder verdammte niederbayrische oder westfälische Provinzpolitiker auf die Stirn meißeln lassen sollte: Ich bin hier damit es uns allen besser geht!

Kinky Friedman ist nicht gegen die Todesstrafe. Er mag nur keine zu Unrecht Hingerichteten mehr sehen. Friedman ist nicht gegen Waffen. Er sagt nur, dass Menschen Tiere erschießen und sich "versehentlich" selbst die Rübe wegballern können - besitzt demzufolge keine Waffen und "reitet nur Zweibeiner". Warum nicht Glücksspiel erlauben, um mit den eingenommenen Steuern Schulen zu bauen? Warum nicht in Gerichtsjurys Nutten, Zuhälter und andere am normalen Leben teilnehmende Menschen einsetzen? Der jüdische Cowboy sagt, was alle Resthirnbegabten denken und er kommt damit an. Zu Recht. Einer seiner Ansagen ist: "I'm for the little fellers, not for the Rockefellers". Cooler Spruch, im Ölmilliardärsland Texas.

Der Quälgeist Wiglaf Droste (wer kann sich an den "Fotofix-Fick" in der TAZ vor ca. 20 Jahren erinnern?) nennt Kinky Friedman "... die größte Ressource an Intelligenz und Menschlichkeit im Staate Texas...". Die Süddeutsche Zeitung zitiert den texanischen Dallas Morning mit "das Rennen ist völlig offen", da der Kandidat der Demokraten bereits hoffnungslos zurückliegt und der seit 2000 amtierende Republikaner James Richard Perry offen der Kungelei mit den alles bestimmenden Konzernen bezichtigt wird.
Why the hell not? Vielleicht gibt Texas ein Zeichen an die Welt und irgend ein intelligenter Rocker fegt auch bei uns endlich den lähmenden Muff der Parteien hinweg. Die globalen Arbeitsplatzvernichtungsmaschinen werden gleich anschließend rasiert, seid vorsichtig! Kinky holt Willie Nelson ins Parlament und wir machen mit Campino Revolution.

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Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 28.07.2006

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