|
|
| Only Child, Yesterrock, 2010 (1988) |
| Paul Sabu |
Vocals, Guitar |
| Murrill Maglio |
Bass & Backing Vocals |
| Tommy Rude |
Keyboards & Backing Vocals |
| Charles Esposito |
Drums & Backing Vocals |
| Produziert von: Paul Sabu |
Länge: 47 Min 55 Sek |
Medium: CD |
|
 |
 |
| 1. Just Ask | 8. Rebel Eyes |
| 2. Always | 9. Scream Until You Like It |
| 3. I Wanna Touch | 10. Shot Heard Around The World |
| 4. I Remember The Night | Bonus Tracks: |
| 5. Love To The Limit | 11. Young Guns |
| 6. I Believe In You | 12. Vice Versa |
| 7. Save A Place In Your Heart | |
 |
Was soll man denn über Paul Sabu noch erzählen, was im Home of Rock noch nicht geschrieben wurde? Der Mann war und ist ein Sucher des großen Hits, ein durch und durch kommerzorientierter Musiker, Songschreiber und Produzent, der seit 30 Jahren keine Qual scheut, um Geld zu verdienen. Und er ist ein dem sogenannten Melodic Rock verfallener Mensch. Man kann ihm beides nicht zum Vorwurf machen, schließlich möchte man ja seine Brötchen verdienen und im besten Fall dabei noch Spaß haben. Es geht Paul Sabu finanziell wohl ganz gut, er kann sich so derbe Späße wie "Strange Messiah" leisten, bei den VOICES OF ROCK mitträllern und ansonsten der Wiederveröffentlichung seiner alten Werke harren.
Diesmal hat es das Einmalprojekt ONLY CHILD aus dem Jahr 1988 getroffen, das uns neu vorgelegt wird. Die LP gleichen Namens konnte man über Jahre und bis heute in den Grabbelkisten bei Plattenbörsen finden und im Jahr 1995 gab es vom längst untergegangenen Label "Long Island Records" eine Compilation mit fast allen Songs von "Only Child" und Sabus Frühwerk "Kidd Glove" zu erwerben. Das haben aber wohl nicht sehr viele Leute getan, speziell "Only Child" wurde über die Jahre immer mehr zum verklärten und in der Öffentlichkeit vergessenen Meisterwerk seiner Zunft. Zu Recht?
Nein, denn wer einen Melodic-Breitwandrocker mit Keyboardgeschwülsten und Chorwucherungen wie Just Ask an den Anfang seiner Platte stellt, will einfach nur in die Charts (des Jahres 1988).
Ja, denn insgesamt ist "Only Child" eine LP, die in puncto "Härte trifft Melodie" ganz weit vorne war. Der Kollege Russ Ballard war auf seinen Scheiben in den 80ern lange nicht so konsequent (heavy) und bemühte sich noch deutlich mehr um Radioairplay, und Sammy Hagar hatte zwar die originaler- und originelleren Kracher, dafür aber auch schlimmere Schmierseifenliedchen im Repertoire. Außerdem war er '88 eh schon bei VAN HALEN.
Bis auf ein paar wenige reine Melodic-Songs ließ Paul Sabu auf "Only Child" gehörig die Sau raus. Natürlich merkt ein Blinder, dass Freund Hagar bei Fast-Foreward-Brechern wie Love To The Limit und anderen nicht nur stimmlich Pate stand, aber das ist nach 22 Jahren vollkommen egal. Die Tanzflächen-Poser-Fraktion wird mit einem Save A Place In Your Heart heute so gut bedient wie damals und die zugehörigen Blondinen werden gar nicht merken, dass solche Nummern gar nicht an völliger Überzuckerung leiden, sondern eher an die großen Hymnen von VAN HALEN erinnern.
Man muss für "Only Child" kein bedingungsloser AOR-Fanatiker sein, das Teil gefällt auch dem stinknormalen Hardrocker. Natürlich gibt es Keyboardkaskaden, die heute so nicht mehr gespielt werden, aber es gibt aus dem furchtbaren 80er-Jahrzehnt zigtausend grässlichere Anschläge auf den guten Geschmack. Dafür hat Sabu mit Scream Until You Like It einen nie richtig erkannten Metal-Klassiker erschaffen. Den hatte Blackie Lawless mit W.A.S.P. bereits 1987 als Studio-Bonus-Track in einer Blödmannversion auf "Live… Into The Raw" anlässlich des Soundtracks zur Horrorfilm-Albernheit "Ghoulies II" verbraten (Sabu verkaufte seine Songs schon immer, sogar für "Baywatch").
Und ja, Namensgebungen wie (Kiss me like a) Shot Heared Around The World sind grenzwertig, aber es knallt und ist deswegen gut.
Die beiden Bonus Tracks Vice Versa und Young Guns kennen vermutlich nur Filmfreunde. Vice Versa entstammt einer gleichnamigen Komödie von 1988, Young Guns konnte ich als Nicht-Cineast leider nicht zuordnen. Beide Songs geben gut Gas, vor allem Vice Versa rockt sich zum heimlichen Höhepunkt dieser Neuveröffentlichung. Das ist richtig schwitziger Stadion-Rock, wie man ihn live nur von den ganz fetten Acts gesehen hat. Also von VAN HALEN…
"Only Child" ist in der Tat eine jener Platten, die man zur Vervollständigung seiner Sammlung besitzen darf. Dazu muss man nicht zwingend AOR- und Melodic-Rock-Fan sein, aber wenn man diese Musik ab und an auch gerne hört, hat man einen erstklassigen Vertreter des Genres an der Angel. Die erste LP von BOSTON, wenigstens eine oder zwei von FOREIGNER, TOTO und STYX sowie den genannten Sammy Hagar muss man schließlich auch im Regal stehen haben. Gerade mit dem großen zeitlichen Abstand macht Herr Sabu mit ONLY CHILD zwischen den Superstars eine gute Figur.
|