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Mojobone

Cowboy Mode

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Unser Disclaimer
Cowboy Mode
Cowboy Mode, Hippodome Music, 2010
Marcus Källström Drums, Percussion, Backing Vocals
Per Wilberg Vocals, Guitars, Bass, Keyboards, Harp
Gäste:
Michael Amott Lead Guitar #2
Christopher Shorooi Lead Guitar #5
Anna Sofi Dahlberg Vocals #6
Petra Kvännä Vocals #7,8
Gustav Nygren Saxophone #9
Produziert von: Mojobone and Roberth Ekholm Länge: 43 Min 17 Sek Medium: CD
1. Over the Hill6. Shadow King
2. Damaged Gods7. 25 Years
3. The Peacemakers8. Celebrate Armageddon
4. Cowboy Mode9. End of Music, End of Story
5. The Ones That Got Away10. Over the Hill Blues

Ab und zu, so ganz ab und zu, bläst Dich etwas wirklich weg, und Du gewinnst den Glauben an die Wichtigkeit und Erneuerbarkeit von Pop Musik wieder. Sitzt da mit großen Augen, denkst: Unglaublich, so habe ich das ja noch nie gehört; und ärgerst Dich schon in dem Augenblick über all die bereits vergebenen 'TIPP'-Icons, denn das hier ist die CD die, wirklich einen solchen Icon verdient. Zweimal dranhängen? Einen neuen erfinden? Den Supericon (unter der Gefahr, dass dann irgendwann die Über-über CD kommt, und Du noch ein Icon …)?
Das dann wohl doch nicht; zumal all die anderen Icons ja auch berechtigt waren. Also dann doch einfach eine hymnische Besprechung. Also - das ist die dritte CD - nach "Tales From The Bone" und "Crossroad Message" - der beiden Schweden; with a little help from some friends. Ließen die ersten beiden schon den Classic Hard und Blues Rock hören, waren das doch noch Fingerübungen gemessen an "Cowboy Mode". So albern der Titel klingt, hier findet die sich auf den Vorgängeralben angedeutete Entwicklung Ihre fulminante Vollendung. Es wird offensichtlich, dass die mit den beiden früheren CDs gesammelte Erfahrung, was Sound, Songs und Performance angeht, hier zusammenkommen; fast so, als hätten Per und Marcus ein 'Aha, so geht das'-Erlebnis gehabt und verarbeitet.

Enorm wuchtig klingen Over The Hill und I Got My Mojo Working aus dem Speaker, finster und auf massive Gitarrenwänden aufgebaut; BLACK SABBBATH trifft KINGS X; jedoch gleichzeitig unglaublich melodisch und nachvollziehbar - kein finsteres Gehämmer, sondern excellentes Songwriting. Hier fliegt ein IRON BUTTERFLY; nimmt man den Namen ernst - eiserne Eleganz und Zartheit; wobei man es wohl den TITAN BUTTERFLY nennen muss, den Zeitläuften geschuldet.
Beim zweiten Track Damaged Gods ist dann nur noch die KINGS X Nähe zu vermelden, mit einigen QUEEN Chorussen - kurz angedeutet - im Mittelteil. Aber - das heißt jetzt nicht, dass hier sklavisch abgeschaut wurde; nimmt man etwa das Solo und die Bridge und Riffs in der Mitte muss man konstatieren, das so bei den Königen und Königinnen gehört zu haben; vielmehr ist es der Sound und zum Teil das Riffing, dass an die KINGS denken lässt; also etwa so wie KINGS meet Classic Rock; und mit positiver Grundstimmung. Interessanterweise listen MOJOBONE auf Ihrer MySpace Seite an die 100 Bands als Einflüße - aber die KINGS X nicht.
Bei The Peacemakers schwingt ein Boogie durch, und das Ganze wird noch etwas melodischer, fast schon pop-ig; fast! Die Gitarrenwände verhindern ein Abgleiten des Schmetterlings.
Cowboy Mode wiederum ist dann völlig BLACK SABBATH, allerdings mit Solos verziert, die Tony Iommi so wohl nicht ins Volk schleudern würde, und wundervollen Breaks im Mittelteil; die nun schon bekannten (und natürlich erhofften) Gitarrenwände rechts und links drohen Dich zu erdrücken ….
Man denkt fast: jetzt ist aber gut mit all der Finsternis und Wucht - und - Voila! - die Jungs haben das geahnt: Gaspedal voll durchtreten - der eher konventionell daherkommende Track The Ones That Got Away bietet eine Erholungspause; ein HUMBLE PIE Riff als Basis, wird ohne Scheu und ohne Angst, jetzt dem Kommerz anheimzufallen, gerockt; und auch der künstlerische Anspruch leidet darunter nicht, aber es rockt eben gut.
Aber es geht auch lyrisch und leise - Shadow King, und an einem Track wie 25 Years hätte sicher auch ein Herr Lennon seine Freude gehabt, denn der hat ja mit Tracks wie Mother etwa oder Cold Turkey vorgemacht, wie man Härte und Zartheit kongenial verbindet.
Eine Shaft-ähnliche Wah-wah Gitarre, eine feister Bass, und wir zelebrieren Armageddon. Hier kommt, wenn man es nicht schon vorher gemerkt haben sollte, Mojobones Melodiosität im Refrain voll zum Tragen - im Verbund mit der Gitarre eine ganz wundervolle Konstruktion. Stilmäßig ein ganz zurückgelehnter Funk, der in Heaviness explodiert - und vice versa.

Schön, End Of Music, End Of Story wird nur durch das an ROXY MUSIC erinnernde Sax Solo gerettet; denn hier gibt es Anfangs ein Zuviel an Depri und Finsternis; tintengleich-schwarz schwappt das über Dich, und keine Rettung in Sicht - erst das Sax Solo bietet Halt; und der letzte Teil des Songs spielt eben ganz wunderbar mit ROXY MUSIC Versatzstücken; die ROXYs des Anfangs, wohl gemerkt; nicht die 80-er Popper. Double Lead von Gitarre und Sax, parallel und gegenläufig, unweigerlich in - siehe Songtitel - Kakophonie endend und somit dann wieder ein kleines Meisterwerk. Das witzige Ende der CD - der erste Track, ein Reprise jetzt als Blues, akustisch.

Es gibt weiter nichts zu sagen - entweder der geneigte Leser ist schon auf dem Sprung zum MySpace, um zu hören; oder eben nicht - und dann kann man ihm nur alles Gute wünschen, denn er verpasst eine der CDs des Jahres 2010.

Dietrich Gastrock, (Artikelliste), 24.07.2010


 
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