HoR Logo kl CD-Review:

Logo Marya Roxx

Payback Time

Logo Home-of-Rock

Link Homepage:
Offizielle Marya Roxx Homepage
Link Homepage:
Marya Roxx @ MySpace.com
Link Kaufen:
Amazon.de
Link Plattenfirma:
Global Music Ltd
Mehr Info:
All Music Guide (englisch)

Unser Disclaimer
Payback Time
Payback Time, DR2 Records, 2010
Marya Roxx Vocals
Paul Crook Guitars
Scott Metaxas Bass
Brian Tichy & Anton Fig Drums
Derek Sherinian Keyboards
Produziert von: Kevin "Caveman" Shirley Länge: 37 Min 38 Sek Medium: CD
1. Time To Run6. Rebel
2. Oh Yeah7. Nothing Going On
3. Strong8. Loverboy
4. '21?!'9. Payback Time
5. Filth10. Boneyard

Was wird uns denn da untergejubelt. Marya Roxx aus Tallinn, Estland, nähe L.A., Kalifornien mit ihrem Soloprojekt "Payback Time". Aber wer will uns was und warum zurückzahlen?
Zum Verständnis. Auch in Estland heißt niemand wirklich Roxx, das ist nur ein ganz besonders clever verschlüsselter Hinweis auf die Profession der Frau Maarja Kivi, die im Grunde richtig gut singen und schreien kann. In ihrer Jugend sang Frau Kivi/Roxx bei der schnuckeligen Girlieband VANILLA NINJA, welche sogar beim Eurovision Song Contest für die Schweiz mitmachen durfte, weil sie ja aus Estland kam und einen in der Schweiz geborenen und in Deutschland sein Unwesen treibenden Manager hatte, die Schnuckeltruppe. Dieser Manager manipulierte dann irgendwann die Hitparaden, indem er die CDs seiner Künstler massenhaft selbst kaufte, weil er seinen Schützlingen ansonsten "einen massiven Wettbewerbsnachteil" verschafft hätte - und der Stern von VANILLA NINJA begann auch schon wieder zu sinken. Die zukünftige Frau Roxx war da aber wegen Schwangerschaft bereits ausgestiegen und konzentrierte sich fürderhin auf Kind und Solokarriere. Anfangs nahm sie den schuftigen Manager noch mit, aber der brachte nichts mehr zustande und die nur knapp über 20 Jahre alte Sängerin und ehemalige Pop-Bassistin schickte ihn zum Teufel, mit dem er bis heute in Person von Gracia Baur zusammenlebt. Die kam übrigens 2002 bei DSDS auf den fünften Platz, also noch hinter Küblböck und Alexander Klaws, und wurde beim Eurovision Song Contest 2005 hervorragende Letzte. Maarja, die seit 2007 nur noch Marya heißt, investierte derweil ihre ersparten Estnischen Kronen in ein ganz großes Vorhaben: "Payback Time".

Irgendwann im Jahr 2007 heuerte Marya Roxx ein paar dicke Fische an und nahm in Kalifornien ihre Solo-CD auf. Kevin Shirley, der Alles-Produzent, Brian Tichy, der Überall-und-FOREIGNER-Schlagzeuger, Paul Crook (ehemals Gitarrist bei ANTHRAX), Derek Sherinian und ein paar andere Studioasse reisten an und spielten für ein paar warme Mahlzeiten und den angenehmen Anblick von Frau Roxx "Payback Time" ein. Und weil sie alle so überwältigt waren von ihren Qualitäten, loben sie die kleine Frau in den allerhöchsten Tönen ("great", "awesome", "she sings in tune" etc.) in den bei YouTube zu bewundernden Videos. Oh, glückliche Metal-Familie.
Dummerweise passierte anschließend mit "Payback Time"… gar nichts. Das Album irrte wie der Fliegende Holländer über die Schreibtische der Plattenfirmen, doch keine wollte das teure Produkt angemessen würdigen, also versank ein erster Veröffentlichungsversuch irgendwo am Kap der Guten Hoffnung. Jetzt endlich, nach drei Jahren, hat sich mit dem britischen Label DR2, das zum mittelständischen Unternehmen Global Music Ltd gehört, ein Partner, der die CD in die Läden karrt. Also doch noch "Payback Time"?

Wer will einer mehr als sympathischen jungen Frau wehtun? Sie ist klein, zierlich, hübsch, kann bezaubernd lachen und einen ebenso bezaubernden Schmollmund vorführen. Außerdem kann sie tatsächlich singen. Aber als Songwriter und Arrangeur bräuchte sie dringend Hilfe - und zwar nicht von sündteuren Söldnern. Die Coverversion Time To Run von PHANTOM BLUE bzw. den Songwritern John Norum und Glenn Hughes zeigt gleich zu Beginn das Problem klar auf: Die Kleine kreischt ganz vorzüglich in den Spuren von Joan Jett, Doro Pesch, Nina C. Simone oder GIRLSCHOOL, aber die absolut seelenlose Darbietung lässt sogar die mehrheitlich peinliche Frauenkombo PHANTOM BLUE groovig erscheinen. Jedes Solo, jeder Trommelschlag, jede Keyboardnote auf "Payback Time" ist vom Reißbrett respektive Notenblatt abgespickt, Platz für Persönlichkeit oder gar Swing ist keiner, und den Rest erledigt Kevin Shirley mit einer "Wall of Sound", für die ihn IRON MAIDEN dem schröcklichen Eddie zum Fraß vorwerfen würden. Doch das ist nur die eine Hälfte des Dilemmas, die andere ist, dass Maryas eigene Songs zwar heavy und wenigstens im Ansatz teilweise eingängig tönen, ihnen aber leider Gottes keinerlei Spaß anzuhören ist. Erst rifft es erfrischend derb, dann kommt ein prima Gesangs-Hook, aber anschließend trampelt entweder der Drummer alles in Grund und Boden oder Paul Crook spielt ein Solo von der Woolworth-Warenhausstange. Das ist schon langweilig genug, doch es kommen noch einige restlos unerhebliche Songs dazu, die trotz der Lautstärke zum Nickerchen einladen. Maarja Kivi ist kein böses Mädchen für doomigen Fließbandkrawall, die entsprechenden Versuche sind unglaubwürdig, vor allem wenn im Chorus ein leicht frustriertes "I'm only 21" erschallt.

Inzwischen ist sie ja 24, aber auf dieser Schiene sollte sie nicht weiter fahren. Die Zukunft darf gerne metallisch sein, aber eben bitte mit einer richtigen Band und gemeinsam erarbeiteten Songs, die dann auch den nötigen Groove haben sollten. "Payback Time" ist für die große Bühne und anspruchsvolle Hörer zu schwachbrüstig, und vor allem dürfte es für die arme Marya kein lohnenswertes Investment gewesen sein. Mensch, Mädel, es geht deutlich preisgünstiger, ehrlicher, authentischer und besser. Aber vielleicht irrt der schreibende alte Sack auch komplett und die headbangende Jugend findet "Payback Time" ganz toll. Wer weiß.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 22.12.2010


 
© Home of Rock 2001 & ff., Impressum & Kontakt