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Jurojin

The Living Measure Of Time

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The Living Measure Of Time
The Living Measure Of Time, Majestic Elder Recordings - ADA/Warner Music, 2011
Nic Rizzi Guitar
Yves Fernandez Bass
Simran Ghalley Tabla
James Alper Vocals
Länge: 30 Min 12 Sek Medium: CD
1. Ingress7. The Winter
2. The Scars8. The Equinox
3. The Liar9. The Dreaming
4. Proem

TOOL, das sind ja BLACK SABBATH in Wiener-Schnitzel Format. Nimm einen SABBATH Song, schick Ozzi aufs Klo um seine Brille oder sonst was zu suchen, und klopf diesen Song so platt und flach wie geht. Und wenn das auf dem Teller dann an allen Enden überlappt, mach Dir aus Kaiserschmarrn ein paar Monsterriffs und wickel' alles darum. Und wenn Du denkst, ja, so geht's, nimm halt noch ein paar Riffs, aber mach' alles im Dunklen - und fertig ist das TOOL. Nein? Das ist viel besser?
Ja, mag sein. Die Songs sind sorgfältig komponiert und - ach so ja, die Stimme, die Vocals. Während Ozzi auf'm Klo ist, ruf den Studio Postboten rein, den, der wegen des schlechten Wetters da draußen die Stimme verloren hat, und lass ihn ein paar Verse … ähm, also, darbieten. Und wenn er sagt, ich kann aber doch gar nicht singen, sagst Du - Max nix, mahn.

JUROJIN (die japanische Gottheit der Langlebigkeit und des Glücks in alten Tagen lt. Wikipedia), deren Debüt am 11.03.2011 veröffentlicht wird, werden schon überall als die Band gehandelt, die sich TOOL Anhänger unbedingt anhören sollen - die neuen TOOL also. Und das ist tatsächlich, so unter uns Fleischliebhabern, gar nicht so verkehrt. Die Vorgehensweise ist so ähnlich wie die oben beschriebene, und dass das Ergebnis trotzdem nicht nur wie TOOL klingt, hat neben der glasklaren Produktion mit dem häufigen Einsatz von akustischen Gitarren zu tun. Dieser Trick führt dazu, dass manche Tracks eine ganz exquisite Stimmung und einen Glanz bekommen, der über das zuweilen eher etwas dünne musikalische Material hinwegtäuscht - dazu gleich mehr.

Das geht ja eigentlich ganz gut und wenig wienerisch los: ein Intro, dann überzeugt The Scars mit großem Drive, einem eigentlich unerwartet starken Groove und einem nettem Bass Solo. Von gesungenen Vocals kann man allerdings kaum sprechen, denn schön und melodisch ist anders; muss aber ja auch nicht sein, und das Gesamtkonzept passt zusammen; und die Riffs sind wirklich gut und gekonnt.
The Liar ist dann ähnlich wie The Scars, auch ein guter Groove, wunderbare Rolls vom Drummer, eine sehr eng verzahnte Rhythmussektion; zwischendrin plötzlich ein Break zu einem melancholischen Ende hin, nur mit Bass, Vocals und Drums - und dazu dieser klagende Leadgesang - sehr stimmig, dann die Sologitarre - alles sehr gut. Aber eher nicht abwechslungsreich.
Proem mit seinen asiatisch anmutende Klängen bietet Percussion (indische Tabla)und Gitarre und geht ohne Zweifel als große Kleinkunst durch.
Soweit, so gut. Und dann wird es kalt. The Winter könnte Ältere an RENAISSANCE oder gar CURVED AIR erinnern (Sonja Kristinas Stimme war ja auch gewöhnungsbedürftig), ein mid-tempo Song, der allerdings so ein bisschen ziellos vor sich hin mäandert. The Equinox bietet dasselbe Soundbild wie Proem; etwas depri-mäßig und ohne jegliche Spannung gibt es wieder viel perkussives plucker-plucker. The Dreaming erinnert etwas an PINK FLOYD, benutzt dasselbe Rezept wie The Equinox und auch die Double Bass Drum und auch wieder nette Riffs können nicht verhindern, dass die tonlos klagende Stimme und das nun bekannte Songwriting das Ganze nicht mehr retten. IMHO ist das spätestens ab der The Winter kultivierte Langweile - gute Performance, gute Produktion, aber letztlich ziemlich eintöniges Songwriting, das die Performance und Aufmachung über die Substanz setzt; das aber so raffiniert macht, dass man fast darauf reinfallen könnte. Aber man hat ja Ohren.

Tja, und so stimme ich nur bedingt in den Chor der Jubilanten ein - nicht nur das Songwriting ist wienerisch; der ganze Albumflow erinnert an Österreich - erst gibt es hohe Berge, aber dann wird's flach. Vielleicht ganz schön zwar immer noch für die Liebhaber handgemachter Werkzeuge, aber ich denke, die CD stirbt den Tod des perfektes Stylings.

Dietrich Gastrock, (Artikelliste), 02.03.2011

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