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| Hour Glass, Idiot Stick Music, 1996 |
| Dave Binder |
Slide Guitar, Guitar, Guitar Synth |
| Gerry Griffin |
Vocals, Acoustic Guitar, Mandolin, Harmonica |
| Dario Domingues |
South American Pan Pipes and assorted Flutes |
| Tom McMahon |
Bass, Chapman Stick and Stick Synth |
| Adele Rousselle-Farough |
Accordion |
| T. Bruce Wittet |
Drums, Percussion |
| The Heralds of Hope |
Vocal Percussion, Background Vocals |
| Produziert von: Jeffrey Lesser, Gerry Griffin |
Länge: 46 Min 22 Sek |
Medium: CD |
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| 1. Hour Glass | 6. Lisa |
| 2. It Makes My Blood Run Cold | 7. Back Home to You |
| 3. I'm Not Broken, I'm Just Bent | 8. Melilla |
| 4. A Hard Rain Will Fall | 9. Chasing the Dragon |
| 5. I Hate Love | 10. There's No Way to Get Through This Life Alive |
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Auf der Rückseite des Booklets sieht man Gerry von vorne - ein netter, harmloser Mann mit Stirnglatze, langen Haaren, Brille - Marke Kunstprofessor. Auf dem Cover sieht man ihn von hinten - mit einem großen Tattoo auf dem Rücken. Man wundert sich etwas, denkt, naja, wird wieder so ein einsamer Klampfer am Lagerfeuer mit netten Liedlein sein - hört dann diese Tom Waits Raspelei auf Hour Glass und wird von diesem sparsam arrangierten Rocktrack weggeblasen, nicht zuletzt wegen des hervorragenden Gitarristen - so etwa wie Melissa Etheridge auf ihrem ersten Album, und genauso rau und direkt.
Moment mal, was ist denn das jetzt? Track zwei - It Makes My Blood Run Cold - mit einem sehr rätselhaften Text, der den Zuhörer ratlos zurück lässt, ist ein netter, melodischer Country Song. Ein Blick in die Vita des Herrn Griffin hilft? Tut es, denn Gerry war in den 90ern unschuldig wegen Drogenvergehens in einem spanischen Knast (Melilla) eingesperrt - und dieser Knast ist wohl die Hölle auf Erden, und merkwürdigerweise auf dem afrikanischen Festland. Wie auch immer, die meisten Songs wurden dort geschrieben und sind vor diesem Hintergrund zu verstehen, und so beschäftigt such Hour Glass mit der Angst davor, dass die Zeit ungenutzt vergeht und man nichts daran machen kann, der Cajun Song (mit wundervoller Slide) I'm Not Broken, I'm Just Bent beschäftigt sich damit, wie man im Knast Erfahrungen macht, und wie sie einen formen, Chasing The Dragon mit Rauschgifterfahrungen und wie es einen beherrscht, obwohl man meint, die Sucht kontrollierne zu können.
Die von Akkordeon, E-Gitarre/Slide und Gerrys Stimme geprägten Songs sind alle ohne jedes Mätzchen, aber sehr effektive Americana im Wortsinn - er entnimmt das Beste aus Cajun, Folk, Blues, Rock und Country und rührt damit eine sehr intensiv schmeckende Melange an, die durchaus mit dem Besten von Waits und Etheridge verglichen werden kann, ohne allerdings den leichten Pop Appeal der frühen Etheridge Werke zu haben. Dafür schreit die geschundene Seele an manchen Stellen ihr Leid raus, und man merkt, dass hier jemand sein Seelenheil sucht - etwa in A Hard Rain Will Fall, und wenngleich das jetzt kein neuer Bob Dylan ist - seinen eigene Still hat er allemal. Auch ein Vergleich mit dem seligen Willy DeVille kommt in den Sinn.
Aber nochmal: sehr großen Anteil daran, dass das eine sehr gutes bemerkenswertes Album ist, hat Dave Binder an den Gitarren. Ich betone das, weil das Folgealbum ein rein akustisches Ding ist, und es sich da zeigt, ob das einen ähnlichen Appeal hat - ohne Binder. Das hier jedenfalls ist eine nachträgliche Entdeckung und sollte unbedingt von den Fans des Classic Rock und der Americana einer Prüfung unterzogen werden. Man muss wohl nicht Jahre in einem stinkigen spanischen Knast verbringen - aber dem Songwriting hat es wirklich gut getan, obwohl er sicherlich mal einen Song Had I Never Been To Spain schreiben wird ….
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