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Fughu

Absence

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Absence
Absence, Eigenvertrieb, 2010
Ariel Bellizio Guitars
Santiago Bürgl Vocals/Guitars
Alejandro López Drums
Juan Ma López Bass
Marcelo Malmierca Keyboards
Produziert von: Fughu Länge: 55 Min 12 Sek Medium: CD
1. Ashes7. Snow
2. Dead End Start8. Solitude
3. Storm9. Sun
4. Tilt10. Red V
5. Slow11. Get Me (Inside)
6. Absence12. Pain Craving Broken Stop

Fugu" ist eine japanische Spezialität. Es besteht aus dem Muskelfleisch von Kugelfischen, deren Haut und Innereien durch das darin enthaltene Tetrodotoxin hochgiftig sind. Durch die richtige Zubereitungstechnik wird verhindert, dass das Gift in die Speise gelangt.
Die Wirkung wie auch die Gefährlichkeit der Kugelfische wurde bereits im ältesten chinesischen Kräuterbuch (Pen tsao chin) erwähnt. Die Zahl der Menschen, die in Japan in den Jahren 1956 bis 1958 an Fugu-Vergiftungen starben, belief sich auf 420. Daher muss heute in Japan jeder, der mit Fang, Handel oder Zubereitung zu tun hat, eine spezielle Lizenz besitzen. […] Fugu ist auch das einzige Nahrungsmittel, das den Mitgliedern der kaiserlichen Familie nicht aufgetischt werden darf. […] In Deutschland ist die Zubereitung von Fugu verboten.“

Soweit WIKIPEDIA zum Thema Fugu. Wenn es sich dabei allerdings um eine argentinische Progmetal-Band handelt, dann ist weder der Genuss noch die Verbreitung davon in Deutschland verboten. So kommt es also, dass uns dieses Debütalbum hier zum Sezieren aufgetischt wird. Vorneweg sei direkt gesagt, dass es sich dabei keinesfalls um leichte Kost handelt. FUGHU durften bei der letzten DREAM THEATER-Südamerika-Tour als Support vor den Progkönigen auf die Bühnenbretter klettern und das Publikum entsprechend warm spielen. Somit hat das argentinische Quintett bereits seine Weihen erhalten. Und? Zu Recht!

Wie schon gesagt, handelt es sich bei „Absence“ nicht um Partymusik, Schlager oder „Musik zum Nebenherhören“. Zu vielschichtig, zu komplex sind die 12 Songs, die uns die Steakvernichter in den gut 55 Minuten um die Ohren blasen. Sind die ersten drei Stücke in meinen Ohren noch eher als Einsteiger zu verstehen (frei nach dem Motto: „wenn du dabei nicht abdrehst, wird dich der Rest auch nicht kaputtkriegen!“), geht es mit Tilt erst richtig los. Unterschiedlichste Stimmungen werden in den 7,5 Minuten verbaut, dass das Herz des Progisten höher schlägt. Das heißt nicht, dass die ersten drei Stücke schlecht sind, nein, keinesfalls, aber erst ab Song #4 fängt es an richtig interessant zu werden.

Vorhersehbar ist bei den Argentiniern nichts. Immer wenn man meint, dass man das Lied durchschaut hat, schlägt der Songaufbau einen Haken und eröffnet eine neue Richtung. Mit Slow leitet man in 30 Sekunden füllermässig in das Titelstück über. Absence hat in seiner „Kürze“ soviel an Progmetalzutaten zu bieten, dass man fast schon überfordert ist. Alleine der Gesang hat in seiner Abgedrehtheit durchaus Parallelen zu SYSTEM OF A DOWN aufzuweisen, allerdings kann die Musik mit den durch geknallten Amis nicht mithalten. Ist halt anders. Nach dem man aus der kurzen Bewusstlosigkeit – so wird absence medizinisch übersetzt – wieder aufgewacht ist, leiten die leisen Pianoklänge von Snow über zu Solitude. Das entpuppt sich als reine Pianoballade und verschafft dem Hörorgan eine Verschnaufpause. Sun gilt als instrumentale Zugabe zum Vorgänger, bevor dann in „Red V“ wieder alle Mann (bis auf den Sänger, den hat man wahrscheinlich im Aufwachraum liegen gelassen) an Bord steigen und in einem simpel anmutenden Intermezzo auf die Zielkurve zulaufen. Aber Vorsicht: was auf den ersten 2 Minuten simpel wirkt, könnte auch schnell umschlagen!

Get Me (Inside) könnte – im Vergleich zum Rest des Albums – fast so was wie die radiotaugliche Singelauskopplung werden. Wobei man auch dafür noch entsprechende Radiosender finden müsste. Hier tauchen Querverweise zu DREAM THEATER meets „Phantom Of The Opera“ auf – vom Mainstream ist das alles meilenweit entfernt. Zum Schluss werfen FUGHU dann die letzten Eingeweide des Kugelfisches über Bord und servieren in den letzten 10 Minuten ein munteres Cocktail aus zart bis hart, melancholisch bis munter drauflos rockend.

Was etwas nervt ist die Stimme des Sängers. Teilweise sehr gewöhnungsbedürftig, mitunter sehr nervend, dann doch wieder passend. FUGHU erfinden das Progmetal-Rad nicht neu, dürften sicherlich den einen oder anderen neuen Hörer auch in unseren Breitengraden finden, aber auch genauso abschrecken, da mal eben nicht so zu genießen.

Aber bei dem was ein „Fugu“ in China kostet, wird der auch nicht mal eben wie ein Hamburger bei McD runtergeschluckt. Der Kugelfisch will genossen werden, was anderes bleibt einem bei der Musik hier nicht übrig, wenn man sie voll und ganz genießen möchte.

Friedemann Schmidt, (Artikelliste), 02.09.2010


 
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