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Do I Smell Cupcakes?

Springs

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Springs
Springs, Independent, 2012
Dennis Depta Guitar
Robert 'Slady' Marinow Drums, Percussion
Maximilian Tischler Bass, Background Vocals
Paul Benjamin Tischler Guitar, Piano, Keys, Background Vocals
Kevin Traeger Guitar, Piano, Keys, Bass & String Arrangements
Gäste:
F. Naglatzki Trumpet
Sören Jagdhuhn Sax
Andre Jugolew Trombone
Sabine Bremer, Fabiana Stiffler Violins
Martin Stupka Viola
Ladis Cinzek Cello
Produziert von: Christian Kohler & Do I Smell Cupcakes? Länge: 50 Min 53 Sek Medium: CD
1. Reality8. The Quantity Of Things
2. Autumn In Minor9. You Don't Get My Sympathy, Fridge
3. Autumn In Major10. Little Man
4. Gaps & Horizons11. Stranger & Me
5. Inside Out12. Backseat's Broken
6. (In Brackets)13. Skeletons
7. Snake Devotion

Würde ich auch so begeistert sein von der Musik dieser Newcomer am deutschen Musikhimmel, wenn sie nicht eine ganze Menge Leute eingeladen hätten, und mittels Blas- und Streichinstrumenten ihre Tracks zu unterstützen? Ich denke schon - dazu gleich mehr - aber die Tatsache, dass sie das getan haben, hilft mir bei einer Lobhudelei ungemein; erinnert die Platte dadurch doch an die großen Momente des Blas/Jazzrocks, wie sie durch CHICAGO, BS&T, den deutschen ROUNDHOUSE, CHASE und etwa IF dem geneigten Publikum vor Zeiten angetragen wurde. Leider scheint das überhaupt nicht mehr Mode zu sein, sieht man von eine paar Ska Bands ab, bei denen das Problem für mich ist, das sie zu viel Ska spielen.

Um das nicht falsch darzustellen - an Musik wie die von CHICAGO, diesem ungemein unterhaltsamen, zugleich stellenweise extrem komplizierten Gemisch aus Jazz, Rockrhythmen und Popmelodien reicht diese Platte hier nicht ran, und will sie auch gar nicht. Aber genauso wenig ist sie von der neuen deutschen Weinerlichkeit und unmelodischen Schreibe unterwandert, die so viele der zur Zeit erstaunlicherweise so populären Bands - die hier bewusst ungenannt bleiben sollen - pflegen. Zwar sind Ansätze dieses Stils vorhanden, da Herr Traeger am Mike kein Shouter ist (sondern eine angenehme Stimme hat, ohne gleich einen Umfang von drei Oktaven sein eigen zu nennen: das führt dann dazu, dass die meisten Tracks diesen unterkühlten Soff Jazz Touch haben), aber das hier ist viel zu eigenständig, um sich Se Dschörman Pop anzubiedern. Zurück zu den Vocals: sie sind Sänger Kevin auf den Leib geschneidert. Und dennoch zeigt sich - etwa in The Quantity Of Things - das Cupcakes vokal jetzt nicht auf Hartz IV Unterstützung angewiesen sind. Angenehm ist wohl das Adjektiv, mit dem man die Vocals belegt.

Stilistisch wird dann auch nicht heftig gerockt. Schön, durch das Stakkatopiano in You Don't Get My Sympathy, Fridge erinnert der Song (der weniger witzig ist als der Titel vermuten lässt) an SUPERTRAMP's Breakfast In America; dafür unterliegt dem fliessenden Snake Devotion ein Sample und trägt uns so in die Moderne. Sogar ein Rockriff vermeine ich am Ende zu hören; netter Spannungsbogen da zum Schluß hin. Little Man ist eine Ballade an ein kleines Kind, ganz ohne Bläser und so einer der Tracks, wegen denen man die CD auch kaufen könnte. Stranger& Me leitet mit "Play Bach" Klavierakkorden ein, hat eine klugen Aufbau, und bleibt vielleicht ein wenig dahinter zurück, was dieser refrainstarke Song mit seinen Streichern und Gitarrenriff sein könnte.
Scheint hier ein Problem der Cupcakes durch? Mal ein bisschen mehr wagen, etwas heftiger aufs Gaspedal treten - das könnte eine nette Abwechslung sein. So bekommt man hier besonders zum Ende hin eine etwas hohe Dosis an Leonard Cohen Innerlichkeit (natürlich ohne des Meisters Gegrummel, genannt Gesang), was dann auch durch die kunstvolle Orchestrierung nicht immer aufgefangen wird. Doch doch, sie können das - siehe eben Fridge oder Skeletons, wo ansatzweise zugepackt wird. Anfangs, mit diesen sehr netten Tracks wie Reality (was für eine Bläserpartitur!), dem druckvollen Reggae von Autumn in Minor, dem kurzen Sax Kunststück Autumn In Major (COLOSSEUMS Dick Heckstall-Smith läßt grüßen), dem Ritt auf dem Geigenteppich Gaps&Horizons, dem funky Inside Out und dem wundervollen, sanften, etwas an die BEATLES auf "Sgt. Peppers" erinnernden (In Brackets) - da lässt die CD noch größere Hoffnungen in eben die genannte Jazz Rock Richtung zu - aber es mag an mir liegen, dass ich diese überhaupt hege.

Eine CD, die bewusst nicht weh tun will sondern auf Wohlklang setzt, eine weithin sichtbarer Leuchtturm in der flachen deutschen Musiklandschaft, ohne Manierismen wie dem Lindenbergbau, ohne Grönemeyersche Gesangslinienverhunzungen miiiiittelsvooookaldeeeehngn und antiquierte SCORPIONS Gitarrenriffs (ja, gleich habe ich sie alle durch) - einfach mal etwas anderes, Das ist viel gewagt, sehr gut gemacht, und mein Gemecker ist dann auch vernachlässigbar. Los jetzt, Erfolg haben. Ach ja - die Produktion - prima (aber nicht knackig, sagte ich das schon?). Die Texte - stellenweise leicht geheimnisvoll ohne rätselhaft zu sein - gelungene Gratwanderung. Alles außerordentlich nett. Langzeitwirkung.

Dietrich Gastrock, (Artikelliste), 02.02.2012


 
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