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Saturnine

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Saturnine
Saturnine, ProgRock Records, 2010
Markus Berger Guitar
Christian Eichlinger Drums, Backing Vocals
Alexander Göhs Vocals
Markus Maichel Keyboards, Backing Vocals
Michael Neumeier Bass
Produziert von: Markus Berger & Markus Maichel Länge: 62 Min 39 Sek Medium: CD
1. All My Life5. Maybe One Day
2. Drifting6. Modal Acousma
3. Last7. Vanessa
4. Never Return

Wow! Werte Besucher unserer Musikseiten, ich hatte es an anderer Stelle schon geschrieben und kann es hier nur wieder untermauern: das Jahr 2010 wird für die Rockmusik ein ganz, ganz gutes Jahr. Da ist nichts von Krise zu bemerken oder besser gesagt: scheinbar setzt die Krise in den Kreativen ungeahntes Potential frei. DANTE aus Augsburg reihen sich problemlos da ein und setzen mit "Saturnine" - ihrem zweiten Album - ein echtes Markenzeichen im progressiven Rockbereich.

Schon mit dem Opener All My Life präsentieren die 5 Herren, dass sie es mit dem Wort "progressiv" durchaus Ernst meinen. Jetzt nicht in dem Sinne, dass sie wirklich was ganz neues in die Waagschale werfen, aber in dem Sinne, dass sie vertrackt und kompositorisch auf hohem Niveau zu Werke gehen. Dann geben sie dem Eröffnungsstück noch 12 Minuten, um ihn sich in seiner Gänze entfalten zu lassen - das trauen sich nicht mal manche alte Hasen im Geschäft. Erinnerungen werden wach an DREAM THEATERs Meisterwerk "Scenes From A Memory". Manch eine Melodie scheint für DANTE Pate gestanden zu haben.
Weiter geht es mit Drifting, dem zweitkürzesten Song. Mit Piano und Gesang schleicht er sich langsam von hinten in die Gehörgänge, um sich nach und nach zu einer mit traumhaften Orchesterparts gespickten Nummer zu entwickeln. Ich würde das als glatte Ballade durchgehen lassen, weiß aber nicht, ob man sich mit diesem Wort bei Proggis Freunde macht. Danach kommt der für mich geilste Song auf "Saturnine" - Last. Sollte man jemals fragen, wie sich METALLICAs "Garage Days" gepaart mit DREAM THEATERs "Awake" anhören würde, hier ist die Schnittmenge aus beiden. Ein rauer, dreckiger Sound, gespickt mit Pianoläufen an den richtigen Stellen, das ist schon ganz großes Kino. Das folgende Never Return mit seinem durchgehenden Mitbang-Rhythmus, den überraschenden Melodieverläufen, unterlegt mit einer schönen Orgel, steht den anderen Songs in nichts nach.
Maybe One Day ist eine traurige Pianoballade und damit das zweite ruhige Stück - erinnert mich ein wenig an CENTRAL PARK. Modal Acousma ist ein Instrumentalstück für Proggisten wie es im Lehrbuch steht. Hier fahren die 5 Bajuwaren schon eine mächtige Schippe an Vertracktheit auf, ohne dabei zu sehr nur die Musikhochschulabsolventen mit Doktortitel im Blick zu haben. Nachvollziehbar und trotzdem zum Staunen. Bleiben zum Schluss noch 19 Minuten Zeit, um Vanessa in voller Pracht zu hören. Einstieg wie zu METALLICAs "S&M"-Phase, um dann ein Ritt durch schnelle und ruhige Passagen zu werden. Spätestens jetzt wird bewusst, dass die Idee zur Gründung einer Band bei einem DREAM THEATER-Konzert entstand. Hier wird sehr viel von den Amerikanern verwurstelt, was aber nicht schlimm ist, weil nicht geklaut wird. Nur geschickt verbaut.

Alle Achtung, meine Herren, das ist wirklich durchgehend großes Kino für die Ohren und sollte nicht allzu lange auf einen Nachfolger warten lassen. Diese Scheibe macht süchtig.

Friedemann Schmidt, (Artikelliste), 27.06.2010


 
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