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Argent

High Voltage Festival

Victoria Park, London, 25th July 2010

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High Voltage Festival, Victoria Park, London, 25th July 2010
High Voltage Festival, Victoria Park, London, 25th July 2010, Concert Live, 2010
Rod Argent Keyboards, Vocals
Russ Ballard Guitar, Vocals
Other Bass, Drums
Produziert von: Concert Live Länge: 55 Min 25 Sek Medium: Do-CD
CD 1:
1. The Coming Of Kohoutek5. Liar
2. It's Only Money Part 2/It's Only Money Part 16. She's Not There
3. Keep On Rolling7. I Don't Believe In Miracles
4.Rejoice
CD 2:
1. Since You've Been Gone/Hold Your Head Up2. God Gave Rock And Roll To You

Manchmal muss man eben etwas warten. In diesem Fall dauerte es 40 Jahre seit meiner 'Entdeckung' der Band ARGENT, bis ein vernünftiges Live-Album auf den Markt kommt.
Aus den ZOMBIES, die von Rod Argent zusammen mit Sänger Colin Blunstone geleitet wurden, und leider keinen ganz großen Erfolg hatten, ging ARGENT um Rod, dem Gitarristen und zweiten Songschreiber Russ Balllard, Bassist Jim Rodford und Drummer Bob Henrit hervor. Nach der sehr an den ZOMBIES-Pop angelehnten Platte "Argent", die aber immerhin den später von THREE DOG NIGHT gecoverten Hit Liar enthielt (den übrigens auch Rickey Medlocke auf seiner Solo-LP "Rick Medlocke And Blackfoot" ganz hervorragend coverte) und dem schon fast sakralen "Ring Of Hands" (die eigentlich, was den Erfindungsreichtum, die Melodien und die Performance angeht die beste ARGENT-Platte war) kam dann mit "All Together Now" und Hold Your Head Up der Erfolg. Die Band konnte den auch noch einmal mit "In Deep" toppen, welches die Hits It's Only Money, Part 1&2 und das von KISS gecoverte God Gave Rock'n'Roll To You enthielt, die letzteren von Ballard geschrieben.

Es folgte das etwas dahingeschluderte Live-Album "Encore", wo man den Eindruck gewinnt, die Band will so schnell wie möglich wieder von der Bühne herunter, gibt Gas wie der Teufel und hechelt durch die Songs wie sonst was. "Nexus" versuchte sich an mehreren längeren Instrumentalstücken, hatte aber auch Geradeausrocker wie Thunder And Lightning zu bieten und war durchaus hörenswert. Abgang Ballard, und für die eigentlich gar nicht so schlechte Platte "Circus" wurden die Gitarristen John Grimaldi und John Verity engagiert - man versuchte, weiterhin auf hohem Niveau zwischen Pop und Pomp zu agieren, aber das Publikum war es leid, und ehrlich gesagt, ich auch. Ich sehe eben erst, dass 1975 noch "Counterpoints" veröffentlicht wurde, aber das ging völlig unter.
Sony hat diese ersten fünf Alben zu einem Spottpreis in einer Box der Serie "Original Album Classics" wieder veröffentlicht.
ARGENT in die 'Prog Rock' Ecke zu stecken, bloß weil sie manchmal längere, ausgeklügelte Tracks auf ihren Platten hatten, trifft es wohl nicht ganz, denn die Band war durchaus auf Hits ausgerichtet, und konnte richtig schön drauflos rocken. Ebenso wie WISHBONE ASH - die wohl auch niemand als Proggies bezeichnen würde - ging es ihnen immer um geschmackvolle, anspruchsvolle, aber auch gut unterhaltende Musik. Und daher sollte man sich, wenn man diese Richtung bevorzugt, diese Box zulegen, denn sie enthält wirklich einige Schätze.
Es folgten Soloarbeiten von Ballard und Argent, ARGENT AND BLUNSTONE mit "Out Of The Shadows", sogar die ZOMBIES wurden reinstalliert … und nun eben ARGENT. Und da "Encore" nicht meinen Gefallen fand (und die BBC Live-Compilation zwar gut war, aber eher eine Sammlung von Songs live dargeboten - wobei sich einige wiederholten - als ein Live-Album war), freute ich mich umso mehr, dass Concert Live nun ein ARGENT-Konzert veröffentlicht - wie gesagt, nur 40 Jahre nach meiner Entdeckung.

Bei so einer Zeit von "Das Warten hat sich gelohnt" zu sprechen ist vielleicht etwas vermessen, aber die Doppel-CD ist gut. Das Rhythmusteam steht voll unter Strom, Rod an den Keyboards bringt die Solokaskaden auch fehlerlos rüber, einzig Ballard schwächelt anfangs, kommt aber dann bei den späteren Tracks in die Puschen. Die Vocals der ARGENT Songs enthielten oft Stellen mit höheren Tönen, die schwer zu meistern sind, wenn man keine 20 sondern 55 ist. Auch hier gibt es einen oder zwei Patzer, aber - hey, it's only rock'n'roll, and it's live, stoopid!
Über die Songauswahl kann man kaum streiten, und - ja, ich habe es nachgesehen: RAINBOWs Hit Since You've Been Gone ist von Ballard - der Mann war zu seiner Zeit die reinste Hitmaschine!
Etwas kurz ist das Konzert schon geraten, und natürlich bleibt dabei der eine oder andere Lieblingssong auf der Strecke und ist nicht auf der CD, aber als Dokument einer Band, die es nochmal versucht, und dabei gut abschneidet, und somit Leute in weitere Konzerte locken kann, ist das vollauf gelungen, und jeder, der wie ich nun endlich mal hören will, wie seine alten Recken live abschneiden, ist hier richtig.

Dietrich Gastrock, (Artikelliste), 25.09.2010

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