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Destroy The War Machine

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Destroy The War Machine
Destroy The War Machine, Silversonic Records/FRW Music/H'ART, 2010
Kory Clarke Vocals
Johnny H Guitar
Rille Lundell Guitar
Janne Jarvis Bass
Johan Linstrom Drums
Gäste:
Chris Rose Drums
Produziert von: Kory Clarke, Janne Jarvis & Rille Lundell Länge: 35 Min 50 Sek Medium: CD
1. Fuck The Pigs5. Burning Bridges
2. The Fourth Reich6. Bad News (Rock N' Roll Boyfriend)
3. Motor City7. She's Glaswegian
4. Don't Believe8. Knocking 'Em Down (In The City)

Kory Clarke ist ein Steher. Und das, wo sich der New Yorker vermutlich nicht makrobiotisch ernährt und seine Droge wohl kaum Schokolade ist. Der Versuch mit DIRTY RIG war mangels Klasse zum Scheitern verurteilt, die SPACE AGE PLAYBOYS existieren offensichtlich noch vor sich hin und seine derzeitige Anstellung bei TROUBLE erscheint unpassend. Wenn man mit ihm schon einmal gesprochen hat, bleibt einem ein reichlich desperater Zyniker im Gedächtnis, der dennoch durchaus charmant sein kann, und letztlich steht über seiner gesamten Karriere der Name WARRIOR SOUL - den kriegt er nicht mehr los, also benutzt er ihn auch 15 Jahre nach dem eigentlichen Ende der Band wieder.
Es gibt noch einen anderen Steher: Iggy Pop. Dem eifert Kory Clarke seit dem ersten - und grandiosen - Album "Last Decade Century" seiner Band WARRIOR SOUL nach. Der Unterschied zwischen den beiden ist, dass der mit einer Portion Genialität ausgestattete Herr Osterberg (oder ist es Bauernschläue plus Gefühl für den Zeitgeist?) zu einer Zeit groß wurde, als ein Rock-Outlaw noch zur Ikone werden konnte indem er sich öffentlich mit Glasscherben aufschnitt und seine Drogensucht zum Kult machte. Des ungeachtet litt Iggy genau wie jeder andere Junkie wie ein Hund, er hatte am Ende schlicht Glück und eine zähe Konstitution, sonst wäre er längst so tot wie all die anderen Drogensüchtigen aus den frühen Jahren der Rockmusik. Für die neue CD von WARRIOR SOUL hat es Kory Clarke nun endlich geschafft, einen Song von Iggy zu covern. Knocking 'Em Down (In The City) vom 1980er Album "Soldier", übrigens trotz namhafter Besetzung kein Meilenstein in Pops Geschichte, dauert auf "Destroy The War Machine" von WARRIOR SOUL exakt genau so lang wie seinerzeit auf "Soldier", aber es klingt anders. Clarke hat sich für die metallische Version entschieden und macht damit das nicht besonders bemerkenswerte Designerpunk-Original immerhin zu einem heavy Punk-Arschtritt. So ganz kann man die Wahl dieses Songs nicht verstehen, speziell wenn man Clarkes inzwischen reichlich kaputte Stimme hört, gegen die Pop wie ein Zeisig im Frühling klingt. Aber gut, es ist wie es ist.

"Destroy The War Machine" hat bereits eine längere Geschichte. Nachdem Clarke WARRIOR SOUL mit Schweden und dem Briten Johnny H (Gitarre) reanimierte, nahm er die Urfassung von "Destroy The War Machine" auf und verkloppte sie 2008 bei Konzerten unter dem Namen "Chinese Democracy". Das konnte natürlich nicht lange gut gehen, Herr Rose soll dem Vernehmen nach kein angenehmer Prozessgegner sein, also wurde der Name zuerst in "And We Rock'n'Roll" und schließlich in "Destroy The War Machine" geändert. Nach zwei Jahren wurde nun auch ein Vertrieb für Europa gefunden. Mehr als dritte Liga stellt WARRIOR SOUL nach all den Jahren nicht mehr dar, Herr Clarke muss sich mit ganz kleinen Brötchen begnügen. Das hindert ihn aber nicht an bitterbösen Texten und wüsten Beschimpfungsarien, es scheint, dass das Leben in der Rock'n'Roll-Diaspora unser Schmuddelkind zu einer noch härteren Nummer gemacht hat. Allerdings erheben sich die neuen WARRIOR SOUL deutlich über das schwache Niveau von DIRTY RIG, bei denen nur Krawall herauskam.
Das neue Album hat zumindest in Ansätzen Melodien zum wütenden Gebolze zu bieten, mit Motor City einen astreinen Detroit-Brocken, der gut und gerne auch von den jungen STOOGES sein könnte (wenn sie heute jung wären, 1969 war derlei natürlich noch nicht möglich), dezente TROUBLE-Annäherungen und einige Reminiszenzen an die alten Kriegerseelen. Eintönig sind die nur 36 Minuten demzufolge nicht, allerdings darf man sich nach dem Nährwert dieser Musik durchaus fragen. Der Sinn eines Treters wie Fuck The Pigs mag sich einem nicht recht erschließen, The Fourth Reich ist eine ebenso hasserfüllte wie hilflose Abrechnung mit den amerikanischen Kriegsregierungen der letzten Jahrzehnte, das Video dazu ist allerdings trotz aller gezeigten Klischees sehenswert, und ein paar andere Songs entsprechen punktgenau dem Kick-Ass-Rotzrock ganzer Heerscharen jugendlicher Haudraufbands. Da Kory Clarke nicht mehr jugendlich ist, scheint eine gewisse Stagnation in seiner Entwicklung eingetreten zu sein.

Schlecht ist "Destroy The War Machine" nicht, eigentlich im Gegenteil, aber metallische Riffwände und Punk'n'Roll-Attacken zu gemäßigt hysterischem Gebrüll haben wir in den letzten 20 Jahren beileibe genügend gehört, womöglich braucht man noch so ein Werk nicht unbedingt. Wer anders denkt, ist mit dieser Scheibe bestens bedient.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 12.03.2010

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