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Babylon

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Babylon
Babylon, Demolition, 2009
Blackie Lawless Lead Vocals, Guitar, Keyboards
Doug Blair Lead Guitar, Backing Vocals
Mike Duda Bass, Backing Vocals
Mike Dupke Drums
Länge: 43 Min 31 Sek Medium: CD
1. Crazy6. Thunder Red
2. Live To Die Another Day7. Seas Of Fire
3. Babylon's Burning8. Godless Run
4. Burn9. Promised Land
5. Into The Fire

Über Blackie Lawless und W.A.S.P. schreiben zu müssen ist kein Vergnügen. Die Band und der beizeiten ausgesprochen unleidliche Herr Duren, so der eigentliche Name von Mr. Gesetzlos, werden seit 25 Jahren so dermaßen durch jede Tastatur der Metal-Welt gezogen, dass es schon beinahe witzlos ist einen neuen "Verriss" zu verfassen. Ja, von W.A.S.P. gibt es ganz unerträgliche CDs. Ja, viele Konzerte waren hochnotpeinlich. Ja, Playback ist scheiße, Herr Sägeblatt. Und außerdem ist der spätestens seit dem letzten Comeback "Dominator" von 2007 wieder gepflegte Ur-Sound so dermaßen "out of style", dass es beinahe schmerzt. W.A.S.P. sind wieder wie 1984 die härtere Ausgabe von QUIET RIOT. Hallo? Hat jemand mitbekommen, dass QUIET RIOT spätestens seit dem Drogentod von Kevin DuBrow vor zwei Jahren endgültig nur noch eine Fußnote der Musikgeschichte ist? Es ist mir zwar persönlich peinlich, dass ich den armen DuBrow schon im Jahr 2004 als potentielle Koksleiche bezeichnet habe, aber absehbar war es, und eingetroffen ist es leider genau so. Sein Zeitgenosse Blackie ist ja bekanntlich absolut frei von derlei Lastern, also seien ihm noch viele Jahre als Poser und Ober-Wespe gegönnt. Wer glaubt nicht die niedlichen Geschichten des Hollywood-Metal…

Grundsätzlich ist die Rückbesinnung auf die alten Zeiten der richtige Weg für W.A.S.P., zu miserabel waren das Pseudo-Soloalbum "Still Not Black Enough" Mitte der 90er und "K.F.D." von '97. Der wendige Herr Lawless erwies sich seitdem als geschickterer Geschäftsmann und erkannte, dass er mit Industrial gar nichts verdienen konnte, ergo ging's Schritt für Schritt zurück, mit zeitlichen und musikalischen Aussetzern zuhauf zwar, aber immerhin. Die beiden Teile der Rockoper "The Neon God" konnte man bis auf die härteren Teile getrost vergessen, aber auf "Dominator" gelangen dem alten Mann tatsächlich mal wieder ein paar anständige Songs. Das Album war insgesamt zwar doch ein Langweiler, aber es ließ irgendwie hoffen. Und "Babylon", dieses neue Werk?

Eine Story hat er sich wieder aus den Fingern gesogen, irgendetwas krudes mit apokalyptischen Reitern und Pipapo, aber das ist egal. Interessant ist vielmehr, ob "Babylon" die endgültige Apokalypse für W.A.S.P. darstellt. Und siehe da, für diesmal ist Lawless dem Schnitter entkommen, denn bis auf eine fade Ballade namens Godless Run reiten Lawless und seine Helfer mit stramm angezogenen Zügeln durchs Fegefeuer. Da kommt nach dem etwas zäh popmetallischen und Richtung Airplay schielenden Crazy bei Live To Die Another Day richtig Stimmung auf. Die Nummer hat eine Hookline, einen starken Chorus und jede Menge Drive. Babylon's Burning ist danach zwar etwas abgeschmackter, aber nicht übel, das erste Drittel der CD geht als okay bis gelungen durch.
Burn ist tatsächlich Burn. Jenes Burn! Man kennt Lawless' Hang zu Coverversionen, aber an DEEP PURPLE haben sich schon andere verhoben. Noch ein "siehe da", W.A.S.P. tun dem Klassiker keinen Schaden an, sie knallen ihn sogar überzeugend und pfiffig, wenn auch recht originalgetreu herunter. Das gefällt, wie auch das gemäßigte Into The Fire, das einen hübschen Spannungsbogen aufbaut. Lawless und Doug Blair werkeln an den Gitarren richtiggehend inspiriert, was in der Vergangenheit nicht Standard war. Das riffige und fast glamrockige Thunder Red lässt das Mitteldrittel endgültig zum Erfolg werden.
Es fällt auf, dass "Babylon" nicht nach Überproduktion klingt, hier wurde allem Anschein nach flott ein Album ohne großen Anspruch auf Legendenstatus gezimmert - und das tut W.A.S.P. gut. Seas Of Fire ist ein weiterer simpler Klopfer, womöglich inspiriert von einer Band die viel größer ist als W.A.S.P.: KISS. Macht nix, wummert gut.
Nach dem erwähnten Godless Run kommt zum Schluss das zweite Cover. Ausgerechnet Promised Land von Chuck Berry musste es sein. Wie viele Versionen mag es davon wohl geben? Und dennoch, auch das kommt gut und fetzig, natürlich auch frei von Überraschungen. Ist halt Rock & Roll.

Im Eishockey würde sich das Endergebnis nach dem dritten Drittel so berechnen: 2:1, 3:0, 2:1. Das gibt mit 7:2 einen klaren Heimsieg. Nicht schlecht für eine Mannschaft, über die man schon viel gelacht hat. Playoff gesichert, aber für mehr als das Achtelfinale wird es auch diesmal wieder nicht reichen, W.A.S.P. ist einfach keine Truppe fürs Finale.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 01.10.2009

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