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ToJa

Train Of Life

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Train Of Life
Train Of Life, Avenue Of Allies, 2009
Tommy Rinn Vocals, Bass, Guitars, Percussion
Jan "JJ" Thielking Guitar, Keyboards, Bass, Vocals, Percussion, Programming
Tim Dierks Drums
Ole Dietz Bass & Fun
Gäste:
Mel, Simone, Andy Olt, Tommy Backhaus, Frank Stockenhofen The Monsters of Voice
Produziert von: ToJa & Marc Bugnard Länge: 51 Min 37 Sek Medium: CD
1. Train Of Life6. All Of My Life
2. No Cross7. Slave To The Machine
3. Just A Love-Song8. Hold My Hand
4. First Love9. Night To Remember
5. End Of A Nation10. Circle Of Lies

CD-Infoblätter können manchmal erhellend sein, vor allem wenn eindeutige Schlagworte wie "Brutal Death-Thrash-Coremetal" zu lesen sind. Bei "Train Of Life" tat sich der Verfasser schwerer, denn die Band ToJa, die übrigens erst bei dieser dritten CD zu einer richtigen Band mit Schlagzeuger geworden ist, verweigert sich einer klaren Schubladisierung. Man muss also reinhören, um den richtigen Rezensenten im Home of Rock zu finden. Und prompt denkt sich der Postverteiler: Hoppla, das Teil hat seine Heimat schon gefunden.
Es ist Heavyrock, sehr differenziert vorgetragen, mit diversen Querverweisen, symphonischen Elementen, aber vor allem mit sehr einmaligen Eigenheiten. Zuletzt hatte der Postboy dieses Aha-Erlebnis bei der ebenfalls deutschen Band TRI STATE CORNER, und die sind verdammt gut.

ToJa ist das Projekt von Tommy Rinn und Jan "JJ" Thielking. Die beiden waren in den Neunzigern bei einer Band namens SYDER und machen seit 1999 gemeinsame Sache. Um ehrlich zu sein: die ersten CDs "First Step" ('99) und "The Spirit Of…" (2006) gingen an uns genauso vorbei wie SYDER zuvor. Vielleicht hat man etwas verpasst, womöglich war das aber alles nur der Anlauf zu "Train Of Life".
Rinn und Thielking sind keine Bubis, die beiden haben etliche Jahre Erfahrung hinter sich, umso erstaunlicher ist, dass für das neue Werk nicht die übliche Selbstvermarktungsmaschine angeworfen wurde. Keine Seite bei MySpace, kein Video bei YouTube, keine CD-Release-Konzerte, einfach nur das Album - und damit die volle Interpretationsfläche für Rezensenten aller Art. Google verrät einiges über diese Kollegen. Da wird Sänger Tommy Rinn in die Halford-Ecke gestellt, GOTTHARD und weiß der Teufel wer noch als Referenz bemüht, bloß niemand sagt, dass die Mischung im Gesamtergebnis spannend und eigenständig wie kaum eine andere Band des Genres klingt. CD-Infoblätter sind also doch meistens nicht zielführend.

Klar ist, dass ToJa wohl ein Studioprojekt bleiben wird, auch wenn erstmals vier Musiker richtige Instrumente bedienen. Im Grunde ist das schade, denn so kitschfreie Power-Balladen wie All Of My Life könnte man live wunderschön ausbauen und Rocker wie Slave To The Machine regen vor der Bühne eher als auf dem heimischen Sofa zum headbangen an. Da wird nicht in Kunstfertigkeit gestorben, es wird flüssig geheavyrockt, wie es einst in guten Momenten ACCEPT konnte.
Zugegeben, die ruhigen und manchmal sehr klassisch gehaltenen Stücke sind nicht jedermanns Sache, wenn es mit Keyboards oder gar Geigenuntermalung zur Sache geht, ist der Bogen für viele sicher überspannt. Aber es wird nie peinlich, nie überproduziert, alles bleibt im Rahmen des Erträglichen. Wenn Night To Remember zur Wiedergutmachung wie eine Verbeugung an die alte MSG zu Gary Bardens Zeiten rockt, hätte man gerne mehr als 4 ½ Minuten. Toller Song.
Der sakrale Gesang zu Beginn des schleichenden Stampfers No Cross kommt gut, doch besser noch kommt der Soul-Groove in First Love. Mitsamt Fingerschnippen, Chorgesang und einer kurz angezupften Blues-Gitarre fährt man gute vier Minuten durch das ToJa-Universum. Ein Trademark-Song. Alles drin, was die Band ausmacht: Heavy Rock, Groove, Pathos, Prog, Melodie.

"Train Of Life" ist einzig keine "Highlight-CD", weil ToJa keine Bühnenband ist. Diese Musik möchte man gerne ekstatisch zelebriert live hören, denn sie ist gut. Gäbe es RAINBOW noch, ToJa wäre die perfekte Support-Band.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 23.08.2009

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