HoR Logo kl CD-Review:

The Coal Porters

Turn The Water On, Boy!

Logo Home-of-Rock
Startseite > CD-Reviews > The Coal Porters > Turn The Water On, Boy!

Turn The Water On, Boy!
Turn The Water On, Boy!, Prima Records, 2008
Neil Robert Herd Guitar, Vocals, Cromachs
Sid Griffin Mandolin, Autoharp, Vocals
Paul Sandy Double Bass
Gemma White Fiddle, Vocals
Hana Loftus Fiddle (Here In The Dock & Silver Raven)
Matt Woolvett Banjo, Vocals (Silver Raven & Mr. Guthrie)
Gäste:
Chris Hillmann Mandolin (Mr. Guthrie)
Rick Townend Dobro (Here In The Dock)
Pat McGarvey Lead Vocals (Here In The Dock), Banjo
Esther Mae Griffin Lead Vocal (Butterfly Hearts)
Produziert von: President James A. Garfield (1831-1881) Länge: 39 Min 36 Sek Medium: CD
1. Final Wild Son7. Tea & Tobacco
2. Mr. Guthrie8. Butterfly Hearts
3. The Sound Of Life9. These Four Walls
4. Adam & Evil10. Here In The Dock
5. Behind My Eyes11. Fox Ate My Shoe
6. Silver Raven12. A Light From The Mountains

Mmmh, gegen einen wie Sid Griffin mag man nicht anschreiben. Der Mann hat Bücher geschrieben, verfasst Texte für englischsprachige Print- und Onlinemagazine im Roots-Bereich und spricht bei der BBC höchst gelehrt über Musik. Man kann das alles nachlesen oder als Podcast hören und danach sollte man sich als Schreiberling anstrengen, wenn man über das letzte Werk der COAL PORTERS referieren will. Um ehrlich zu sein, so einen Autor und profunden Kenner der Musikgeschichte hätte man gerne im eigenen Magazin, dann könnten alle Konkurrenten flugs ihre Berichterstattung über alles nach den BYRDS einstellen.
Andererseits ist so eine Vielfachfunktion aufgrund Maximalwissens für einen Musiker oftmals gar nicht unbedingt förderlich, geht man doch an seine eigene Musik schnell unbeabsichtigt professoral heran. Wie Griffin darüber denkt ist nicht bekannt, aber das ein oder andere Werk seiner Bands THE LONG RYDERS und eben THE COAL PORTERS mutete in der Vergangenheit doch etwas verkopft und stark strukturiert an.
Wer dem aktuellen Output "Turn The Water On, Boy!" diesen Vorwurf machen will, sollte bedenken, dass Sid Griffin erstens das Teenageralter verlassen hat und zweitens seine Aufgabe offensichtlich nicht in der des Unterhalters sondern des unterrichtenden Hausmusikers sieht. Dass er nebenbei auch noch einen Hero wie Chris Hillmann für einen Song akquirieren konnte und seine Tochter Esther Mae so herzerweichend Butterfly Hearts singt, darf er sich stolz aufs Banner schreiben.

Die Musik auf "Turn The Water On, Boy!" ist selbstverständlich purer Bluegrass, also Countrymusik aus einer vergangenen Zeit. Es passt ganz gut, dass die artverwandten HACKENSAW BOYS zeitgleich ihr neues Werk veröffentlichen, hat man so nämlich einen Vergleich und vor allem doppelt Spaß.
Die Frage nach der musikalisch besseren CD ist müßig, unterm Strich geben beide Bands alles - und beide nicht als vergnügungssüchtige Saufbands, sondern als seriöse Kulturbewahrer. Dass Sid Griffin darüber hinaus auch einen politischen Anspruch pflegt, gibt ihm einen leichten Vorsprung. Sein Denken kann man im wunderschönen Mr. Guthrie hören, ausgerechnet jenem Song, dem Chris Hillman seine Mandoline spendiert. Kluger Kopf, der Griffin.

Ein Highlight auf "Turn The Water On, Boy!" ist Behind My Eyes. Vermutlich gesungen von der Geigerin Gemma White, hat man beim Hören unweigerlich Tränen in den Augen. Weit weg von ausgebildeter Stimme transportiert diese Frau Gefühle, die in der Popmusik überhaupt nicht möglich wären. Grandios. Etliche andere Songs rühren ähnlich an, andere dürften ihre Wirkung erst live entfalten.
Insgesamt hat Sid Griffin mit seinen COAL PORTERS ein wunderschönes Album eingespielt, das der ehrwürdigen Bluegrass-Musik vielleicht ein Stück aus dem plärrenden Ghetto der missratenen Dixie-Picker heraushilft.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 12.07.2008

Sagt uns die Meinung zu diesem Artikel oder ergänzt oder verbessert ihn:

Startseite > CD-Reviews > The Coal Porters > Turn The Water On, Boy!

 
© Home of Rock 2001 - 2008, Impressum