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The Bounty Hunter Gang

Separate Roads

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Separate Roads
Separate Roads, Eigenvertrieb, 2007
Gary Brynok Lead Vocals
Chris Davis Lead, Slide & Rhythm Guitars, Lead Vocals (High Wire, Bad Things & Slowly Now)
Thom Greis Lead & Rhythm Guitars, Vocals
Jeramy Kattner Bass
Frank Arcure Drums, Vocals
Produziert von: The Bounty Hunter Gang Länge: 61 Min 09 Sek Medium: CD
1. High Road8. Smilin'
2. You Don't Have To Be Lonely9. What A Fool
3. Strong10. Oh My Girl
4. High Wire11. I Need To Know
5. Lose Your Name12. Bad Things
6. Same Mistake13. Honest Man
7. Separate Roads14. Slowly Now

Aha, nach den Waffennarren HOGJAW vor ein paar Tagen nun die etwas gepflegtere Feder aus dem Hause Southern Rock. Das erkennt man natürlich unschwer schon direkt am Cover: Ein oller Zug, olle Gleise und fünf olle Typen, von denen immerhin einer einen Cowboyhut auf hat. Könnte natürlich auch Country sein, was THE BOUNTY HUNTER GANG aus Pennsylvania anbietet, aber die erste Assoziation passt dann doch. Es ist Südstaatenmusik.
Wer nun aufgrund des Bandnamens auf eine weitere HATCHET-Nachlassverwaltungskapelle hofft, darf sich wieder hinlegen. Wie schon gesagt setzen die Männer um den formidablen Sänger Gary Brynok und Gitarrist/Songwriter/Chef Chris Davis auf gepflegte Unterhaltung - und sollten damit Begehrlichkeiten bei Kennern der OUTLAWS und Artverwandten wecken. Dem potentiellen Käufer muss aber bewusst sein, dass "Separate Roads" einen nicht unerheblichen Anteil balladiger bis beinahe süßlicher Töne aufweist, ergo sind diese Kopfgeldjäger für die Fraktion der "Hell yeah!" Schreier nur bedingt eine Empfehlung. Für den Rest aber…

Die Band tingelt seit 13 Jahren umher, "Separate Roads" ist bereits über ein Jahr alt, jetzt aber erstmals in Deutschland erhältlich, und die Biographie liest sich bis auf die üblichen Vorband-Jobs recht unspektakulär. Das passt übrigens zum ganz und gar unaufdringlichen Auftreten des klassisch besetzten Fünfers: Zwei Gitarren, Gesang, Bass, Schlagzeug, keine Keyboards (zu hören sind ganz leise dennoch welche), dafür ein bemerkenswert guter Raumklang auf dieser Konserve. Ganz besonders freut man sich über die Absenz dümmlicher Nationalparolen und sonstigen Säbelrasselns und genießt die 14 Kapitel Wohlklang am besten bei einem frisch fruchtigen Roten zu den zart gebratenen Garnelen (Tipp: Die gut gewürzten Prawns nach einer Minute aus der Pfanne nehmen und in Kokosmilch mit Zitronengras bei schwacher Hitze durchziehen lassen, am Schluss Zitronensaft drüber, Basmati-Reis dazu, perfekt). Sollte die Zufallsfunktion des CD-Players beim ersten Bissen gerade Smilin' ansteuern, ist das kein Zufall sondern Vorbestimmung.

Die CD startet flott mit jenem problemlos wieder erkennbaren Gitarrensound, den Hughie Thomasson zum Markenzeichen gemacht hat. Aber, und das gilt für die gesamte CD, die BOUNTY HUNTER GANG ist weit entfernt von einem billigen Plagiat, wir haben es mit einer von Grund auf eigenständigen Band zu tun, auch wenn man im folgenden You Don't Have To Be Lonely selbstverständlich an die ALLMAN BROTHERS und Dickey Betts denken muss. Na und? Das sind eben die Helden der Vergangenheit, heute wird solche Musik von diesen deutlich jüngeren Herren kultiviert.
Strong und einige weitere Nummern gemahnen an Bands wie POCO, schlechtestenfalls AMERICA oder Henry Paul (vor BLACKHAWK), manchmal an die DOOBIE BROTHERS oder LITTLE FEAT und High Wire könnte mit etwas Phantasie gar von den späten GRATEFUL DEAD stammen. Die drei letztgenannten haben mit den BOUNTY HUNTERs unter anderem die Lust an schönen Stimmen und geschmackvoller Percussionarbeit gemein. Das hat was, auch wenn's manchmal etwas arg soft wird.
Dazwischen kommen zur Aufmunterung immer wieder Highway-Songs wie Lose Your Name oder Oh My Girl. Fußballer würden es "kontrollierte Offensive" nennen, wenn Chris Davis und Thom Greis zu ihren luftigen Gitarrenfahrten ansetzen und mit offenem Visier scheinbar mühelos wunderbare Akzente setzen.
Sänger Brynok kann den Blues interpretieren, allerdings hätte sich die Band vielleicht etwas schwungvolleres als den Bar-Blues I Need To Know einfallen lassen können. Ähnliches gilt für das von Chris Davis gesungene Bad Things, doch die klasse Harmonien retten auch diese Nummer, die ansonsten nur als fett- und nährstofffreie Diätversion von ZZ TOP durchginge.

"Separate Roads" ist alles andere als ein wild rockendes CeDelein, aber ein sehr, wirklich sehr schönes und höchstens um fünf Minuten zu lang geraten. Vor allem natürlich für die entspannten Stunden geeignet, aber auch für die nächste längere Familienreise nach Süden. Chapeaux.

P.S.: Der Teufel soll mich holen, wenn im abschließenden Slowly Now nicht der Geist von George Harrison augenzwinkernd im Background summt. Auch so was muss man erst unfallfrei hinkriegen.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 10.06.2008

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