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Deuce
Deuce, Angel Creek Records, 2009
Frank Thomas Lead Vocals, Guitar
Drew Carrano Drums, Vocals
Mark Turko Lead Guitar, Vocals
Ken Dempsey Bass, Vocals
Produziert von: Carl Osgood & The Bonesmen Länge: 36 Min 02 Sek Medium: CD
1. Do It Again6. Cloud
2. Love Letter7. I Believe
3. Morning Noon Or Night8. Fallin Apart
4. Talkin 'Bout Tonight9. Last Train To Clarksville
5. I'll Be Fine10. Slow Down

Wieder so eine Band, die in der großen weiten Welt des Pop niemanden interessieren wird, die noch nicht mal in der kleinen Welt des Classic Rock großartig Staub aufwirbeln wird, weil, ja, weil warum eigentlich?
Weil THE BONESMEN ein Vierer aus Connecticut ist? Weil THE BONESMEN mit ihrer zweiten CD "Deuce" so ziemlich alle gängigen Klischees einer, siehe oben, Classic Rock Band bedienen? Weil deftiger Rock & Roll vom Land nichts ist für den modernen und urbanen Menschen? Ach was, es ist alles viel banaler. Der Grund ist: Rockmusik dieser Art ist seit Jahren nur noch ein Fall für alternde Spezialisten, die zahlenmäßig immer weniger werden, weil Jobverlust, Frau und Kind wichtiger sind als Entdeckungsreisen ins früher so geliebte Land des lokalen Plattenhändlers (und seit dessen Dahinscheiden in die virtuellen Weiten der großartigen Mailorderläden im Internet). So sieht das aus, da können wir schreiben was wir wollen, da können wir auf den günstigen Dollar hinweisen ("Deuce" kostet $ 9,99, das sind irgendwas um € 7) oder mit dem nackten Arsch Fliegen fangen, für "Deuce" von THE BONESMEN werden sich wie so oft nur 23 Käufer im deutschsprachigen Europa finden.
Ach ja, zwei weitere Gründe gibt es noch. Erstens hat die Band noch kein Mensch in Europa live gesehen, sogar die Auftritte zuhause in New Haven halten sich in sehr übersichtlichen Grenzen, und zweitens fehlt es den Knochenmännern an Originalität und Jugend, um aus dem Stand nennenswerte Menschenmengen zu mobilisieren. Es steht ja sogar in der eigenen Biographie: "The Bonesmen is your drunken uncle's rock'n'roll…". Prima, welche 17jährige Nichte möchte sich die Musik ihres Bier trinkenden Onkels anhören?

"Deuce" ist ein hervorragend produziertes Album geworden, der zuständige Mensch heißt Carl Osgood und beherrscht die Sprache des Rock & Roll-Zynikers, wie man auf seinem (leider nicht ganz aktuellen) MySpace-Profil nachlesen kann. "Deuce" hat auch eine Coverversion, das göttliche Last Train To Clarksville von den MONKEES in einer heißen Version nämlich. Und "Deuce" hat in Cloud einen herrlich sägenden Song, den die STONES nur so ähnlich geschrieben haben. Wenn man sich darauf einlässt, flutscht sogar eine typische 80er-Ballade wie I Believe gut ins Ohr. Der Shuffle Fallin Apart geht sowieso sofort ins Bein, aber schreibt man "fallin" nicht eigentlich mit Apostroph? Egal, denn das von einem zünftigen Banjo eröffnete Abschlusslied Slow Down kommt mit fettem Bass und Gitarren von links und rechts richtig gut.
Man startet die CD neu und freut sich am riffrockenden Do It Again, dem glamigen Love Letter und den zuerst irgendwie untergegangenen Masterpieces Morning Noon Or Night und Talkin 'Bout Tonight. Dynamischer geht Rock & Roll kaum. Es ist auch eine Meisterleistung des Produzenten, denn so wundervoll transparenten Boogiesound bekommen 99% der anderen Indie-Bands nicht hin.

THE BONESMEN sind hiermit jedem Classic-, Southern- und Hard Rock Fan mit bestem Gewissen empfohlen. Allein, es fehlt der Glaube, dass es dieser und vergleichbar guten Bands helfen wird. Auf Livebildern machen die BONESMEN übrigens einen verdammt guten Eindruck. So muss eine Rockband aussehen.
Verdammt, irgendwie muss doch solche Musik an den Konsumenten zu bringen sein. Hört doch endlich auf uns. Bitte.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 02.03.2010

Viele bekannte Bands kommen aus New Haven in Connecticut... ähm, nur fällt mir gerade keine ein. Macht aber auch nichts, denn wenn es nicht gerade Gator Country oder Jacksonville oder Boston ist, spielt der Herkunftsort wohl eher keine Rolle?
Schon mal in Connecticut gewesen? So ähnlich wie bei uns der Schwarzwald, bloß mit weniger Bergen und weniger Leuten - viiiiel Platz; eben durchaus stellenweise ländlich, ursprünglich, und schön; lebenswert.
Klar, wo ich hin will, oder? Wenn man von hier kommt, macht man wohl eher keinen Industrial Metal, sondern rockt im Stil von John Mellencamp, Bob Seger und CCR knackig und kräftig drauflos. Man findet einen Produzenten, der das adäquat umsetzt, und so wird die zweite Platte der Band nach "Skin And Bones" dem Freund des Classic Rock mit Southern Einsprengseln gefallen; eine Vorliebe für harmonisches Songwriting und Classic-Rock-Gitarrenlinien und -Riffs schadet nicht.

Nun muss man aber auch die Kirche im Holzfällerdorf lassen - hier wird nix neu erfunden, und auch nur wenige Tracks verdienen das Prädikat 'Ausgezeichnetes Songwriting' oder 'Earschplittenloudenboomer' (STEPPENWOLF). Aber: es gibt auch keine Ausfälle - alles sehr solide. I'll Be Fine bleibt hängen, Cloud ist ein Rocker für den HUMBLE PIE Freund, I Believe eine BON JOVI Ballade, mit Fallin Apart wird der Boogiefreund an Frau HATCHET erinnert; warum der alte MONKEES Hit Last Train To Clarksville mit auf die CD musste, weiß ich eher nicht, aber auch das kommt nett.

Fazit - das ist gut, ohne herausragend zu sein; gefällt, und ist für jede Autobahnfahrt und das dazu gehörenden Lenkrad-Drumming bestens geeignet, ohne dass man völlig von der Straße abgelenkt wird.

Dietrich Gastrock, (Artikelliste), 18.08.2010


 
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