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SweetTooth

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SweetTooth
SweetTooth, Idynomite Media, 2008
Matt Silvia Vocals, Acoustic & Electric Guitars, Resophonic Guitar
John McBride Guitars, Theremin, Organ, Piano, Synthesizer
Jeff Johnson Bass, Electric Guitar
Robert Garbowski Drums, Tambourine, Djembe, Triangle, Taos Drum
Gäste:
Jeff Berkley Djembe, Backing Vocals
Neil MacPherson Clavinet, Wurlitzer Electric Piano, Hammond Organ
Bill Coomes Backing Vocals, Congas, Vibro Slap, Shaker, Percussion, Tambourine
Cathryn Beeks & Barbara Nesbitt Harmony & Backing Vocals
Rebecca Newman Vocals (The Rain)
Marcia Claire Upright Bass (Bring On The Love)
Christopher Dale Backing Vocals (Bring On The Love)
Produziert von: Jeff Berkley & John McBride Länge: 62 Min 39 Sek Medium: CD
1. Part Of We8. Bleeding Nerve
2. All Wrong9. Holiding Back The Rain
3. There And Back Again10. The Rain
4. Lovergirl11. Pushing You Away
5. The Crutch12. Bring On The Love
6. El Cajon13. TV
7. No Big Mystery

Wo wir soeben bei DOPEFIEND von intelligenter Rockmusik sprachen, kommen SWEETTOOTH (SweetTooth) gerade recht, um weitere Schranken einzureißen.
"When I was 13 years old I discovered several new things. PINK FLOYD, AC/DC, LED ZEPPELIN, AEROSMITH, BLACK SABBATH, etc, etc…", schreibt Produzent Jeff Berkley im überwältigend üppigen Booklet der ersten CD dieses Vierers aus San Diego. Später im Text sagt er: "This record ist the sum of all those childood dreams!" Ja, dieser Jeff Berkley hatte die richtigen Jugendträume, und vor allem hat er für SWEETTHOOT einen erstklassigen Job gemacht.

Nach der letzten echten Rock-Revolution, dem (britischen) Punk Mitte der 70er des letzten Jahrtausends, gab es keine grundlegende Fortentwicklung der Rockmusik mehr. Die Versuche von Bands wie SOUNDGARDEN in den Achtzigern mündeten im Grunge, der mit Cobain starb. Seither wird mit dem Begriff "Alternative Rock" inflationär gehandelt, wenn man für eine schlechte Band eine Schublade sucht. Betrachtet man mit dem Abstand von 20 Jahren einige der Seattle-Grunge-Pioniere (nicht die von der Industrie im Tausenderpack nachgelieferten Epigonen), kann man neben grässlichem Sound und fragwürdigen musikalischen Leistungen verblüffenderweise tatsächlich einige echte Perlen entdecken, aber letztendlich greift man als etwas älterer Hörer doch wieder auf die Gründerväter wie THE VELVET UNDERGROUND oder THE STOOGES zurück, denn die waren nicht nur wirklich neu, sondern auch gefährlich.
Was bisher gefehlt hat, ist ein künstlerisch hochwertiger Brückenschlag zwischen all dem was man gemeinhin Classic Rock und Alternative Rock nennt. Mit SWEETTOOTH hat man nun wenigstens die ersten Brückenpfeiler - und zwar ohne ein Weltkulturerbe oder die Kleine Hufeisennase zu gefährden.

SWEETTOOTH bekennen sich uneingeschränkt zum Rock der Sechziger, Siebziger und dem der Neunziger, vor allem aber zu dem was Rockmusik ausmacht: Der Welt mitzuteilen, dass man anders ist, unangepasst, laut, bereit zum Kampf. Zu Recht nennt die Band ihre Musik "Authentic Rock".
Man sollte es tunlichst vermeiden, SWEETTOOTH mit anderen Bands zu vergleichen, denn man kommt dabei schnell vom Hundertsten ins Tausendste und trifft den Kern doch nicht. Belassen wir es also beim Aufkleber "Inspired by Rockmusic". Da mag es wohl ab und an nach brennend heißem Wüstensand klingen, auch mal nach verbranntem Gummi, aber dazwischen bläst ein frischer Wind von der Ostküste jeden Mief weg, doch auch ein laues Lüftchen von der Westküste ist immer willkommen (TV). Auch die Musiker ergänzen sich so kongenial, dass keiner egozentrisch heraussticht, wenngleich natürlich Gitarrist John McBride ein ganz besonders explizites Beispiel seiner Zunft ist, was man vorzugsweise an seiner keinen Moment nervenden Präsenz erkennen kann. Was für ein wohltuender Unterschied zu all den Saitenhexern aus der Varney-Klonfabrik. Einen kleinen Alleingang leistet sich McBride mit dem Song The Rain, bei dem er Gitarre und Tasteninstrumente alleine bedient und sich nur von einer Sängerin unterstützen lässt. Im Booklet sind zu diesem Song alte Plattencover abgebildet. Erkennbar sind Ry Cooder, die STONES, LED ZEPPELIN und PINK FLOYD. Und vor eben jenen verbeugt sich McBride mit Rain.
Da ist aber noch Bandleader, Sänger und Songwriter Matt Silvia. Der singt so schön, dass man erst in There And Back Again realisiert, welch Talent hier am Werk ist. Zusammen mit den grandios arrangierten Backing Vocals erzeugt Silvia eine Stimmung, die zuletzt der verstorbene Hughie Thomasson mit seinen OUTLAWS in den großen Zeiten herbeizauberte.
Apropos Arrangements. Die diversen exotischen Instrumente wie Djembe, Theremin oder gar Triangel haben niemals den Zweck, die Songs zu verändern, sie untermalen sie nur, geben die eine und andere Klangfarbe dazu, ändern aber nicht den rockmusikalischen Charakter. Wenn es so psychedelisch wird wie in Holding Back The Rain, taucht außer einem Synthesizer allerdings kein untypisches Instrument auf, ein weiterer Beleg für die absolut durchdachte Vorgehensweise dieser Herren.

AC/DC weigern sich standhaft, ihre Songs zum legalen Download bei iTunes bereitzustellen. Die Begründung ist, dass sich die Australier als Album- und nicht als Single- bzw. Band für einzelne Songs sehen. Das mag den Kids altmodisch erscheinen, für einen "normalen" Rockfan ist es sowieso undenkbar, nur drei, fünf oder sieben Songs eines Albums auf seine Festplatte zu laden. SWEETTOOTH ist nun eine Band, bei der es geradezu unmöglich ist, ein paar wenige Nummern aus dem Kontext zu reißen, auch wenn es sich natürlich nicht um ein Konzeptalbum handelt. SWEETTOOTH werden niemals einen Singlehit haben, aber ihr Debutalbum ist ein Monument, das man möglicherweise in 15 Jahren als Meilenstein für die Entwicklung der Rockmusik seit dem Jahr 2008 bezeichnen wird, weil es eine Alternative zum ewigen Classic Rock und dem verzweifelten Versuch neue Musik zu erfinden geboten hat.
Wäre dies einer unserer Crosschecks, meine Note wäre die 1 = genial.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 20.10.2008

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