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SwampDaWamp

Rock This Country

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Rock This Country
Rock This Country, SAOL/H'Art/Zebralution, 2009
Gig Michaels Lead Vocals, Acoustic Guitar
David Lee Drums
Michal Hough Guitar, Vocals
Mike "Scooby" Huffman B3, Keyboards, Vocals
Keith Inman Lead Guitar, Vocals
Cody Bennett Bass, Vocals
Gäste:
Angie Primm & Gayle Mayes Background Vocals (Good God)
Produziert von: Ken Coomer & Charlie Brocco Länge: 40 Min 43 Sek Medium: CD
1. Lady8. Rock This Country
2. Helluva Night9. Half My Life
3. Double Or Nuthin'10. Shame
4. Good God11. Welcome To The Inn
5. American ManHidden Track:
6. Six Tons11. Stoned
7. Daddy Said

Das sozusagen 2 ½. Album von SwampDaWamp heißt "Rock This Country" - und hat ein Konzept. Dazu gleich noch. Sofort sei gesagt, dass eine Weiterentwicklung nach dem Debut von 2007 und der EP "2.0" aus dem letzten Jahr nicht stattgefunden hat. Das ist gut so, denn der Sechser aus Nordkarolinien ist musikalisch derzeit die wohl beste amerikanische Reinkarnation einer stattlichen Southern Rock Band. Es rockt und groovt und sumpft auf "Rock This Country" exakt so, wie man es sich als Freund solcher Musik vorstellt. Ein Sänger mit einem richtigen Organ, Gitarren satt, Hammond wo Hammond nötig, eine Rhythmusgruppe mit Druck ohne Ende und beizeiten ein paar ruhige Töne und/oder Mädels im Chor. Südstaatenrock eben. Guter noch dazu.
Bis zu diesem Punkt ist "Rock This Country" ein absolutes Muss in der Sammlung der Zielgruppe. Jetzt kommt die Begründung, warum SwampDaWamp leider doch nur ein Kann ist.

Schuld ist das Konzept. "Rock This Country" hat eine Botschaft, nämlich das Land zu rocken. Dummerweise ist damit nicht dieses oder jenes oder gar unser Land gemeint, nein, es wird explizit darauf gepocht, dass SwampDaWamp eine amerikanische Band ist, und demzufolge ausschließlich Amerika gerockt werden soll. Und dort auch nur die richtige Kundschaft. Okay, viele Amis denken nicht weiter als bis an ihre West- oder Ostküste, aber die immer signifikanter werdende Neigung gewisser Rockbands, sich explizit von der Welt ab und dem Nationalismus zuzuwenden, muss einem halbwegs aufgeschlossenen Europäer drastisch auf die Nerven gehen. Man kann gegen die so genannte Globalisierung sein, vor allem gegen die von den Konzernen erschaffene Globalisierung, aber wenn eines schon immer weltweit für gleiche Euphorie und Gemeinschaft gesorgt hat, dann ist es der Rock & Roll. Ausgerechnet den jetzt zu einer uramerikanischen Erfindung zu machen und darüber hinaus mit Volks-, Heimat- und Glaubenstümeleien punkten zu wollen ist gelinde gesagt einfach nur vorgestrig.
Damit wir uns richtig verstehen: Niemand will diesen Jungs verbieten, dass sie stolz auf ihre Heimat und Herkunft sind, das sind wir schließlich auch (Hinterhof in München Schwabing ist eine Vita auf die man wahrlich stolz sein kann. Von welcher Farm kommt ihr?). Allerdings sind hierzulande nur die ganz einfach gestrickten Kandidaten so borniert, um andere auszugrenzen. Das wäre ein "Spaß", wenn sich Bands und Fans aus Thüringen, Westfalen, Italien, Hamburg, Baden-Württemberg, Holland (obwohl…), Bayern, Washington, Frankreich und Tschechien nicht gemeinsam ins Vergnügen stürzen würden.
Viele deutsche Fans sagen über Bands wie SwampDaWamp achselzuckend, dass die Amerikaner nun mal so wären und das alles eigentlich gar nicht böse gemeint ist und die Musik sei ja toll. Antwort: DIE (weltoffenen) Amerikaner sind nicht so, die Musik ist ohne Frage toll, aber wer solche Texte schreibt, der meint sie auch so, und ist darüber hinaus kleingeistig. Über die Frage der Knarre im Haus bzw. Auto könnte man noch grinsen, wenn nicht jährlich tausende unschuldige Menschen daran sterben würden, aber so manche andere Aussage auf "Rock This Country" ist so dünn wie dumm wie unüberlegt reaktionär.
Freunde, Ihr wollt doch eure CDs auch bei uns verkaufen, auch um euren Traum vom freischaffenden Musikerleben weiterhin leben zu können. Oder? Ihr seid eine prima Band, aber überlegt euch bitte mal, dass dazu auch Respekt gegenüber allen Nicht-Rednecks gehört. Danke. Und noch etwas: Man muss beileibe nicht immer nur Schubidu-Themen besingen, im Gegenteil. Aber der Grundgedanke des Rock & Roll war niemals eindimensional. Jimi Hendrix war auch Amerikaner, doch seine Version der Nationalhymne sagt alles über sein Verständnis. Damals war Vietnam, heute ist Irak und Afghanistan. Gewisse Leute sollten aufhören die "Helden" zu preisen und endlich dem Wahnsinn ein Ende bereiten anstatt litaneiartig den Truppen zu huldigen. "Morituri te salutant" war bei Caesars Gladiatoren, heute sollte "ergo bibamus" (darum lasst uns trinken) und "O dulce nomen libertatis" (oh, süßer Name Freiheit) gelten.

Musikalisch bieten SwampDaWamp neben einer prima Produktion alles was LYNYRD SKYNYRD auf "God & Guns" vermissen lassen, nämlich feisten und feinsten Southern Rock anstatt drögem NewCountry. Man darf "Rock This Country" getrost als Highlight einstufen, denn viel mehr ist in dieser Musikrichtung nicht mehr zu erwarten. Eigene Songs, die auch noch inspiriert und ohne größere Kopieraktionen vorgetragen werden, sieht man mal von gewissen Pianopassagen, die Billy Powell selig genau so gespielt hat, und der verblüffend an REBEL STORM erinnernden Harmonie in Good God ab. Eine herrliche Mischung aus Rockern und Balladen, gewürzt mit ein paar Countryklängen und vielen Feinheiten der Instrumentalisten. Ganz große Klasse hat das. Wenn nur nicht dieses andere Thema wäre. Aber vielleicht stört das auch nur notorische Cowboyhut-Verweigerer.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 30.09.2009

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