|
|
| Hey Jimi - Slowman And Friends Play Hendrix, Slow Records, 2010 |
| Bengt Alm |
Bass |
| Stefan Rosén |
Drums |
| Slowman |
Guitars, Vocals |
| Produziert von: Slowman und Anders L. Johansson |
Länge: 41 Min 52 Sek |
Medium: CD |
|
 |
 |
| 1. Electric Angel | 7. Vodoo Child |
| 2. Fire | 8. Foxy Lady |
| 3. Purple Haze | 9. Little Wing |
| 4. Manic Depression | 10. The Wind Cries Mary |
| 5. Red House | 11. Crosstown Traffic |
| 6. Bold As Love | 12. Angel |
 |
Wahrscheinlich sollte ich diese Review jemanden anderes schreiben lassen: ich bin kein Freund von Tribute Alben, die frühen Hendrix Alben - genial, wie sie nun mal sind - fand ich soundmäßig immer mittelmäßig, und was Slowman angeht, habe ich zwei Alben von ihm positiv besprochen, und wenn ich das jetzt wieder tue sagt jeder:"Ja ja, da hat er seinen Heroen gefunden …". Außerdem dachte ich von vorne herein in den oben beschriebenen Kategorien: "Ach je, ein Tribute Album - Slowman, musste das denn sein?"
Es musste!
Zahlreiche Leute haben sich ja mehr oder weniger gut und gelungen an Hendrix versucht - sie alle aufzuzählen würde sich nur lohnen, wenn ich nach Zeilen bezahlt würde (als ob ich hier überhaupt bezahlt würde!). Das Problem für die Gitarreros: sie standen oft unter dem Druck zu zeigen, dass sie alles das und noch viel mehr von Hendrix gelernt hätten. Und egal wie gut das Ergebnis auch war - oft zeigt sich: sie sind eben nicht Hendrix, der neben seine Genie als Gitarrist ja auch ein wirklich guter Sänger und Songwriter war.
Und mal ehrlich - wieso höre ich mir nicht das Original an? Na eben aus dem genannten Grund - ich mag den Sound nicht, obwohl der zugegeben viel zu dem Mythos Hendrix beigetragen hat, dieses unfertige und rohe, end-60ies eben. Und da kommt Slowman.
Hendrix (oder sonst wen) zu spielen heißt ja nun nicht, Note für Note nachzuspielen - selbst in der Klassik gibt es da ja Spielraum. Vielmehr, so denke ich, heißt es, Hendrix nachzuempfinden. Sich in die Songs einzufühlen, und sie unserem heutigen Empfinden und eben dem Empfinden der eigenen Persönlichkeit entsprechend zu spielen und die Besonderheiten, den Kern des Songs, herauszuarbeiten. Wenn überhaupt Tributes, dann will ich den Künstler, den Tribütanten, in dem Werk wiedererkennen - es soll ja ruhig adaptiert klingen - nachspielen ist einfach (ja, ich weiß, das muss man auch können, schon klar!). Und das in einem modernen Sound. Ist es gut, verleitet mich das Tribute, die Originale aus dem Schrank zu holen um zu hören, wie die klangen. Ist es herausragend steht es als eigenes Kunstwerk da.
Und damit wären wir bei Slowman und seiner Backing Band (die ebenfalls die Originale nicht Note für Note und Break für Break nachspielt), die genau das geschafft haben.
Denn was die da zaubern kann man nur hören, nicht beschreiben. Anspieltipp: Bold As Love. Das Slowmansche Slide Solo ist schlicht umwerfend - weil es eben nach Slowman klingt. Und das gilt für jeden Track, selbst für den - verhältnismäßig - pop-igen Eingangstrack, den Slowman selbst geschrieben hat. Hier schafft er es, den Track so klingen zu lassen, als wäre er von einem reifen, älteren Hendrix geschrieben worden. Fire verliert etwas von der Hektik des Originals, die Spannung zwischen den Bass im mittleren Tempo, der Rhythm Guitar Hektik und dem nervösen Schlagzeug ist fast greifbar.
Hinzu kommt, das Slowman manchmal geradezu gespenstisch wie Hendrix singt - etwa in Foxy Lady.
Alles ein Genuss von Anfang bis Ende - und auch schwierigere Tracks wie Vodoo Child kommen in eigenem Gewand rüber, ohne das Vorbild zu verleugnen (und nicht ganz so klinisch im Ansatz zu sein wie Stevie Ray Vaughan). Red House ist sogar soweit möglich noch mehr Blues als das Original, und eine weiterer Anspieltipp. Little Wing steht der berühmten Original und auch der nicht minder berühmten Kopie Claptons/Derek & The Dominoes in nichts nach - nur das Slowmans Ton wärmer,rauer und etwas herzlicher ist (er muss ja auch den Blues nicht bis in alle Ewigkeit an die nächste Generation weiter geben, EC in Ehren).
Zusammenfassend hat Slowman hier das geschafft, was Peter Mayer auf Goodbye Hello für die BEATLES geschafft hat - die Tracks angemessen und zeitgemäß übersetzt. Natürlich entbehrt das der rauen Brillianz der Originale - Du kannst das schließlich nur einmal schaffen, die Zeiten sind andere, die Aufnahemtechnik ist eine andere - und ist somit etwas leichter verdaulich - und trotzdem oder gerade deswegen so herausragend, weil bei diesem Prozess auch etwas von der Schlacke und Fülsel (auch Hendrix stand ja unter seinem eigenen Druck) verloren geht. Slowman beschränkt sich, dehnt die Stücke nicht aus und bringt sie auf den Punkt (leider, muss man manchmal sagen, denn der Mann ist ein Großer an der Gitarre unn hier wäre Mehr tatsächlich mehr).
|