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| Saint Lu, Warner Music, 2009 |
| Saint Lu |
Vocals |
| Peter Weihe |
Guitars |
| Christian Lohr |
Keyboards |
| Marlon Browden |
Drums |
| Steve Sidwell |
Horn & String Arrangements |
| Produziert von: Patrik Majer |
Länge: 39 Min 44 Sek |
Medium: CD |
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| 1. Don't Miss Your Own Life | 7. All That I Ever Wanted |
| 2. Rockstar Car | 8. All In One [Multifunctional Mum] |
| 3. Love Song | 9. I Say Yeah, You Say No |
| 4. Ankle-Biter | 10. Memory |
| 5. Here I Stand | 11. Mister Blow |
| 6. What Is That Love? | |
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Saint Lu heißt nicht wirklich Saint Lu, in Oberösterreich werden kleine Mädchen gemeinhin nicht auf diesen Namen getauft. Aber Saint Lu klingt gut, merkt sich leicht und passt auch irgendwie zu der jungen Frau, die inzwischen in Berlin lebt und mit ihrer ersten CD direkt bei einem Majorlabel untergekommen ist. Wer die gar nicht so heißende Saint Lu schon mal gesehen hat, dürfte ziemlich entzückt gewesen sein; außer natürlich, er hält Angela Merkel für eine Schönheit mit Seele und Gefühl. Das tun nicht viele, alle anderen sollten sich an Frau Lu aus Österreich, nicht China, delektieren. Die hat Soul & Emotion im Überfluss zu bieten.
Alle, auch die härtesten Heteromänner, wissen, dass der junge Robert Plant nicht nur ein unglaublicher Sänger sondern der bestaussehendste Typ aller Zeiten hinter einem Mikrofonständer war (und die Frau, die uns einen Beschwerdebrief schreibt, weil doch schließlich Jon Bongiovi der Allerschönste ist, bekommt den Preis "Friseurin des Jahres"). Also, Heteros, stellt euch den jungen Plant in weiblich vor, rein optisch natürlich nur, dann wisst ihr, was auf euch zukommt. Eine ausgesucht attraktive Rock-Frontfrau mit Klamotten und Accessoires, die seit 40 Jahren immer gleich cool sind. Das ist schön und auch gut, aber die Qualifikation für eine Karriere als Rocksängerin ist es nicht. Wenden wir uns also von den bezaubernden Bildern ab und der Musik zu.
Das der Einfachheit halber "Saint Lu" betitelte Debutalbum wurde unter anderem in dem aus irgend welchen Gründen berühmten Londoner Studio eingespielt, in das man nur über einen Zebrastreifen kommt. Die längst vergessene Popband THE BEATLES hatte 1969 auf dem Weg dorthin halbwegs anständige Kleider an, Jahre später liefen die Vögel der RED HOT CHILI PEPPERS nur mit Socken über dem Schniepel zur Arbeit. Man hofft, dass Saint Lu…, ach, ist ja auch egal. Außerdem wurden in den Abbey Road Studios eh nur die Geiger und Bläser aufgenommen.
Der erste Eindruck von "Saint Lu" ist der, dass hier eine mächtig produzierte Scheibe mit Profis an den Instrumenten am Start steht. Ein Hendrix-Intro, große Pauken und eine Sängerin mit gehörig Duffy-Appeal. Zu kurz gedacht, denn Saint Lu kann nicht nur mit der putzigen Sixties-Interpretin aus Wales mithalten, sie kann auch Anastacia, Tina Turner und natürlich die Joplin. Nur die eigene Identität bleibt fürs Erste ein wenig auf der Strecke - meint man kurzzeitig jedenfalls.
Beim dritten Song sind die Bedenken erledigt, man hat sich damit arrangiert, dass Saint Lu ein wirklich frisches Retro-Produkt ist, dass sie gegen die halbwegs dezent schwurbelnden Geigen problemlos ansingen kann, dass Soul, Blues und Sixties-Rock nicht nur in der weichgezeichneten und von viel zu vielen Woodstock-Aufarbeitungen verklärten Rückschau geniale Musik ist, nein, man versteht, dass junge Künstler heute wieder heiß sind auf dieses alte Zeug, und zwar nicht, weil jede Mode sowieso irgendwann ein Comeback hat, sondern sich gute Kunst Jahrzehnte und Jahrhunderte konserviert, Trash dafür immer ruckzuck im Mülleimer des Vergessens landen wird. Love Song ist der perfekte Soundtrack für den geistigen Film in die Vergangenheit und rockt nebenbei noch bravourös.
Natürlich sind die Arrangements teilweise sehr nah an den oben genannten Vorbildern, die arme Amy Winehouse ist dabei nicht zu vergessen, aber wenn man bedenkt, dass es vor 40 Jahren gefühlte 500 Janis-Epigonen gab (von denen einzig Maggie Bell mit STONE THE CROWS ein echter Bringer war), tut ein dritter oder vierter Act heutzutage überhaupt nicht weh. Im Gegenteil, wenn er so durch die Tür drückt wie Saint Lu es tut, bekommt man Lust auf mehr.
Was hätte wohl das Genie Phil Spector 1970 mit Saint Lu angestellt? Wir werden es nie erfahren, denn der paranoide Irrsinnige Spector sitzt wohl bis zu seinem Lebensende im gleichen Knast wie das Monster Charles Manson. Hätte er vielleicht die Gitarre in All That I Ever Wanted noch mehr nach George Harrison klingen lassen? Hätte er die Geigen zu einem Inferno angestiftet? Unerheblich, denn der Drive-Through-Rocker All In One fegt alle Grübelei hinfort, und der nach einer harten Nacht in einer besonders gefährlichen Bar klingende Blues I Say Yeah, You Say No lässt hoffen, dass nicht nur potentielle Drogenleichen von der verbliebenen Großindustrie gepusht werden. Eine wie weiland Plant posende und (bewunderungswürdige) Haare schüttelnde Saint Lu ist tausendmal angenehmer als unkontrollierbare Pandemieauslöser wie die Winehouse.
Eine junge Frau mit großem Potential bringt ihr Debut auf den Markt. Dieses Debut ist von exzellenter Qualität, die bei einer heutzutage eigentlich üblichen Indie-Produktion vermutlich nicht möglich gewesen wäre. Man hofft, dass die verantwortlichen Menschen bei Warner mit diesem potentiellen Star sorgsam umgehen und nicht auf den schnellen Charterfolg sondern auf Nachhaltigkeit setzen. Es ist nämlich nur eine Frage der Zeit, bis sich verdammt viele Menschen und Rockfans ;-) in die Schöne mit der scharfen Stimme verlieben.
PS: Wäre ich 1969 ff. eine Frau gewesen, dieser Robert Plant wäre fällig gewesen…
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