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| Congratulations, Columbia Records/Sony Music, 2010 |
| Andrew VanWyngarden |
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| Ben Goldwasser |
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| Gäste: |
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| Matt Asti, Will Berman, Jennifer Herrema, Dave Kadden, Britta Phillips, James Richardson, Gillian Rivers, Sonic Boom |
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| Produziert von: Billy Bennett, Matt Boynton, Greg Calbi, Dave Fridmann, Daniel Johnson, MGMT, Sonic Boom |
Länge: 44 Min 22 Sek |
Medium: CD |
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| 1. It's Working | 6. Siberian Breaks |
| 2. Song For Dan Treacy | 7. Brian Eno |
| 3. Someone's Missing | 8. Lady Dada's Nightmare |
| 4. Flash Delirium | 9. Congratulations |
| 5. I Found A Whistle | |
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Die 2002 als THE MANAGEMENT von den Studenten Andrew VanWyngarden und Ben Goldwasser gegründete Band hatte nur eine Chance: Rick Rubin. Dieser letzte noch lebende echte Talentscout mit dem absolut untrüglichen Gespür für kommerziell verwertbare Musik abseits des Castingshow-Idiotentums holte das mittlerweile in MGMT umbenannte Duo zu Sony Music und prompt landete das erste Album "Oracular Spectacular" weltweit auf mittleren Plätzen aber nachhaltig in den Charts und kein Hip-Club kam fortan mehr ohne die seltsam tanzbare Retro-Popmucke der beiden New Yorker aus. Der Aufstieg passierte "zufälligerweise" just in dem Moment, als 18jährige wieder Gefallen an Lavalampen, an auf Discowände projizierte Psychedelicbilder (wem wurde von wabernden Paisleymustern und Kaleidoskopen nach dem 7 Bier noch nicht schlecht?) und seltsamen Klängen aus uralten Synthesizern fanden - MGMT bediente 2008 die Campus-Kundschaft perfekt. Wer allerdings noch Platten von den BEATLES, BEACH BOYS oder PINK FLOYD selbst gekauft hat, also alle über 40, dürfte sich über die wundersame Melange aus Psychedelic, Pop, Electro-Lounge, Disco und Glamrock gewundert haben, denn so eine Mischung gab es tatsächlich viele Jahre nicht mehr. Interessant war's allemal, aber eigentlich glaubte man nicht an einen längerfristigen Erfolg von MGMT.
Und noch eines fiel markant auf: Der Sound war extrem komprimiert (und entsprechend laut und verzerrt), sozusagen für die MP3-Generation gemacht, was das Gesamtbild für ältere Menschen noch schwerer verdaulich machte. Im Nachhinein haben MGMT zusammen mit dem Produzenten Dave Fridmann nur vorweggenommen, was im letzten Jahr von einer ganzen Schar Produzenten mit den Remaster-Alben der BEATLES gemacht wurde, nämlich einfach die Lautstärke nach oben gezogen und damit konservative Ohren in latente Gefahr gebracht. Was bei den BEATLES an Körperverletzung und Zerstörung eines Weltkulturerbes grenzt, funktioniert bei einer Band mit potentiell neuer Musik manchmal aber doch. Bei MGMT war es ein bewusst eingesetztes Stilmittel, also legitim, auch wenn es sicher nicht jedem Hörer gefiel. Aber geht so ein Anschlag auf die Nerven ein zweites Mal vor dem breiten Publikum durch?
Wir werden es nie erfahren, denn das zweite MGMT-Album ist die komplette Dekonstruktion der bisherigen Karriere der beiden Hipster wider Willen. Diesmal haben VanWyngarden und Goldwasser mit Pete Kember (aka Sonic Boom und ehemals bei SPACEMEN 3) produziert und einen ganz anderen Weg eingeschlagen. Wo "Oracular Spectacular" einfach nur knallte, schwurbelt sich "Congratulations" beinahe warm ins Ohr. Der Gesang ist noch näher an den BEE GEES und BEACH BOYS, das Instrumentarium noch bizarrer und an den BEATLES ab etwa "Revolver" ausgerichtet, die floydschen Momente noch deutlicher am g'spinnerten Syd Barrett orientiert. Und: Auf "Congratulations" ist kein Hit zu finden. Jedenfalls nicht auf den ersten Blick/Hör, denn kein einziger der neun Songs hat eine durchgängige Hookline oder gar ein tanzbares Schema. Breaks und Tempiwechsel überall, in sich verwobene Klangkonstrukte ohne Kids-kompatiblen Zusammenhang, unverschämterweise hat man am Ende der Dreiviertelstunde sogar den vagen Eindruck, ein klassisches Konzeptalbum gehört zu haben - und Konzeptalben haben keinen Single-Hit.
"Congratulations" ist kein Konzeptalbum (ist denn "Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band" eines?), aber die Lust an der Verwirrung - des stylischen Kritikers - zieht sich wie ein roter Faden durch das Werk. Mit "Congratulations" dürften die Nachfahren der intellektuellen Spex-Autoren wie Diedrich Diederichsen mächtige Probleme haben, denn weder ist eine Weiterentwicklung im Sinne von Innovation spürbar noch schlagen sich MGMT eindeutig auf die Seite der bedingungslosen Trendsetter; "Congratulations" ist schlicht eine Vorwärts-in-die-Vergangenheit Exkursion zweier neugieriger Exstudenten mit mehr oder weniger zufälligem Welterfolg.
Wenn es ein Kernstück auf "Congratulations" gibt, ist es das 12 ½-minütige Siberian Breaks. Im Grunde ist das nicht ein Song, es sind eher drei oder vier ineinander übergehende Lieder (man denke an "Sgt. Pepper"!), die irgendwie eine Geschichte über die Topographie Sibiriens erzählen wollen. Wirr, nicht? Man könnte mit Begriffen wie Art-Pop oder Progressive-Rock um sich werfen, aber das ist es auch nicht, denn spätestens mit der eindeutigen Anspielung Lady Dada's Nightmare - ein Instrumental! - ist wieder der schräge Humor der beiden Yuppie-Freaks im Spiel, und Humor hat im Prog-Rock keinen Platz. Mit Brian Eno verhält es sich ähnlich. Es ist wohl eine Verbeugung, hat aber musikalisch mit dem autodidaktischen Soundgenie nichts zu tun, spintisiert eher in Richtung kaputtem Powerpop der Mittsiebziger, als Eno längst auf dem Ambient-Trip war.
Wenigstens der Opener It's Working hat Momente der Charts-Tauglichkeit und einen anständigen Refrain, aber die werden konsequent von Spinett und Breaks unterbrochen. Man sieht förmlich das fiese Grinsen von VanWyngarden und Goldwasser. Den coolsten Schachzug haben sie sowieso bereits im Vorfeld erledigt, als es Flash Delirium als kostenlosen Download auf der Homepage gab, also doch eine Quasi-Single, und sich Goldwasser postwendend für die den Fans angetane Enttäuschung entschuldigte. Das ist so herrlich verquer wie das ganze Album.
Beim schnöseligen Club-Publikum dürfte "Congratulations" durchfallen, in den Feuilletons wird es einen tiefenpsychologisch analysierenden Seufzer geben und so mancher Freund sämtlicher erwähnter Namen darf sich mit dieser CD entspannt aufs Sofa begeben und dem kalkulierten Unfug frönen. Die zwei Amis sind nämlich begabt UND schlau. Man darf gespannt sein, wie die dritte Scheibe klingen wird, denn die ist bekanntlich die schwierigste - falls man die zweite so elegant gemeistert hat wie MGMT. Vielleicht ist die Kreativphase aber nun schon vorbei und MGMT gehört alsbald der Vergangenheit an. Man weiß es nicht.
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