HoR Logo kl CD-Review:

Logo Krackerjack

Rock On!

Logo Home-of-Rock

Rock On!
Rock On!, Eigenvertrieb, 2007
Rasmus Bruun Bass
Jeppe Christensen Drums
Claus Greve Organ, Keyboards
René Mikkelsen Guitars, Backing Vocals
Allan G. Pedersen Lead & Backing Vocals
Produziert von: Ole Vedel & Krackerjack Länge: 51 Min 04 Sek Medium: CD
1. Love 'Em To Death6. Back Together
2. This Heart7. Waiting For Tomorrow
3. Rock On!8. Hungry Boy
4. Blame It On The Little Big Man9. Lullaby
5. Lonely10. Too Late

Die Dänen KRACKERJACK geistern schon seit ungefähr drei Jahren irgendwo im Kleingedruckten durch die Gazetten und Onlinemagazine, so richtig wahrgenommen hat man sie aber nie. Eigentlich logisch, machen sie schließlich Musik von mindestens vorvorgestern und hatten für ihre beiden ersten CDs so gut wie gar keine Unterstützung in unseren Breiten. Existent ist die Band schon seit 1997, von damals sind aber nur noch der Gitarrist und Songwriter sowie der Schlagzeuger mit dabei, der Rest kam wohl erst 2005 dazu. "Rock On!" ist der dritte Versuch, wieder ohne Label, aber wenigstens mit einer agilen Promotionfirma und dem Mailorder AOR Heaven im Hintergrund.

Die CD fällt schon wegen dem recht witzigen Gitarren-Opa in Leder auf dem Cover auf, irgendwie assoziiert man sofort knackigen Gute-Laune-Rock'n'Roll - und so kommt das auch. Der Opener Love 'Em To Death ist ein derart ausgewachsener Shuffle, dass jedem QUO-Fanatiker sofort der Blutdruck entgleitet. Herrlich banales Gereime wie "She's so pretty, she's so wise - long legs and bedroom eyes" verursacht zusammen mit einer schnittigen Boogie-Gitarre akuten Ausfallschrittalarm. Dass sich im Refrain auch ein torfrockiges "dengldengldengl" verstecken könnte macht angesichts der brummenden Orgel und der geschickt auf die Urinstinkte zielenden Gitarren-Obertöne gar nichts, das Ding ist geiler Rock & Roll und erweist sich in der Folge als: Fußangel.
Kein einziger der weiteren neun Songs belastet so hemmungslos die Tanzschuhe des Hörers und man braucht drei, vier Durchläufe, um die erste Enttäuschung darüber zu verwinden. Irgendwann findet man sich mit der Endgültigkeit nur einer Götternummer (natürlich nur für die einfachen Gemüter) ab und entdeckt ganz vorzüglichen Melodic Rock. Oder ist es Classic Rock? Beides? Was ist eigentlich der Unterschied?
Eine Nummer wie This Heart hat nach dem Eröffnungshammer die absolute Arschkarte, da kann es noch so sehr nach JOURNEY und Konsorten klingen, eine reelle Chance auf die große Liebe gibt es nicht. Andererseits handelt es sich um feinstens gespielten und produzierten AOR, der zu seiner Zeit ganz vorne gewesen wäre. Allan G. Pedersen hat eine leicht angeraute Stimme, die möglicherweise einem Jeff Scott Soto seinen Aushilfsjob bei JOURNEY hätte kosten können, wenn ihn Neal Schon gekannt hätte. Solchen Stoff gibt es auf "Rock On!" noch öfter, manchmal klingt es etwas ausgelutscht, meist jedoch faszinierend. Das Opus Blame It On The Little Big Man beispielsweise geht mit dicken Keyboards, filigran harter Gitarre und einer beklatschenswerten Gesangsleistung mächtig unter die Haut.
Lonely ist eindeutig eine Gemeinschaftsproduktion von URIAH HEEP und (späten) RAINBOW, dass es sich um eine Band namens KRACKERJACK handelt muss ein Irrtum sein. Wie gesagt, zeitgemäß ist das alles nicht, was allerdings vernachlässigenswert ist, schließlich singt Pedersen in Back Together "Don't wanna think of the future, just wanna live in the past", und so geht es der Zielgruppe von KRACKERJACK auch.

Unter Lala-Verdacht geraten KRACKERJACK kaum, nur ein, zwei Mal wird es etwas zu seicht, doch im Schlussdrittel von "Rock On!" werden die Töne wieder harscher. Hungry Boy jammt wie DEEP PURPLE im Sonnenuntergang am Strand, speziell René Mikkelsen an der Gitarre und Organist Claus Greve toben sich freudig erregt aus, Lullaby marschiert wieder in Richtung RAINBOW zu Joe Lynn Turners Zeiten. Der Schlusspunkt Too Late ist zwar eine Ballade, hat aber gleichwohl Westcoast- und Airplay-Potential. Hübsches Liedchen.

Wäre nicht dieser irreführende Boogie Love 'Em To Death, "Rock On!" bekäme von jedem Melodic-Rocker das Prädikat "Besonders wertvoll" verliehen. So darf der Rock'n'Roll-Prolet sagen: Schau an, es gibt AOR mit Eiern!

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 09.08.2008

Sagt uns die Meinung zu diesem Artikel oder ergänzt oder verbessert ihn:


 
© Home of Rock 2001 - 2008, Impressum