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| Performing This Week… Live At Ronnie Scott's, Eagle Rock, 2008 |
| Jeff Beck |
Guitar |
| Jason Rebello |
Keyboards |
| Tal Wilkenfeld |
Bass |
| Vinnie Colaiuta |
Drums |
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Länge: 70 Min 13 Sek |
Medium: CD |
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| 1. Beck's Bolero (Page) | 9. Led Boots (Middleton) |
| 2. Eternity's Breath (McLaughlin) | 10. Angel (Footsteps) (Hymas) |
| 3. Stratus (Cobham) | 11. Scatterbrain (Beck, Middleton) |
| 4. Cause We've Ended As Lovers (Wonder) | 12. Goodbye Pork Pie Hat / Brush With The Blues (Beck, Hymas, Mingus) |
| 5. Behind The Veil (Hymas) | 13. Space Boogie (Hymas, Phillips) |
| 6. You Never Know (Hammer) | 14. Big Block (Beck, Bozzio, Hymas) |
| 7. Nadia (Sawhney) | 15. A Day In The Life (Lennon, McCartney) |
| 8. Blast From The East (Hymas) | 16. Where Were You (Beck, Bozzio, Hymas) |
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Jeff Becks Musik fand ich oft extrem schwierig zu verstehen, sicherlich für Gitarrenfreaks das richtige Futter, aber für den Normalo-Rockriffliebhaber wie mich doch eher ein Fall von "Ja, muss ich mir auch mal anhören, wenn ich Zeit habe". Aber: man sprach mit Hochachtung von diesem besten aller Rock Gitarristen nach Hendrix (ohne genau sagen zu können, was ihn so gut macht, da man selber nicht Gitarre spielt). Andy Powell nannte ihn in meinem Interview auch den besten, aber einen, mit dem er nicht spielen wolle.
Aber dann sah ich ihn auf Claptons "Crossroads Guitar Festival 2007" bei der 3sat Übertragung Cause We Ended As Lovers spielen, und es war nicht die sehr nett aussehende Bassistin, die mich dazu brachte, diesen Track im Gedächtnis zu behalten, und daher jetzt hier diese Besprechung des Livekonzerts, allerdings ist das nicht dieselbe Band wie damals.
Meine Hoffnung war, dass der Meister aller Gitarren nun zu einem etwas verdaulicheren Stil gefunden hat, und man sich zurücklehnen und das Ganze genießen könne. Nun, Gott sei Dank ist dem nicht so.
Das hier ist schlicht großartig, eine Erfahrung zwischen extremem Gitarren-Overkill und Jazzgefrickel und sehr lyrischem, leisem Gitarrenspiel, Fusion Musik im wahrsten Sinne des Wortes: Jazz, Rock, Pop, Reggae, und als Basis immer der Blues.
Die Band ist absolut großartig; wer den Drummer Vinnie Colaiuta, der u. a. mit Frank Zappa und Sting gespielt hat, den Reggae Behind The Veil umschmeicheln, umgarnen und auseinander nehmen hört, weiß, was Schlagzeug spielen heißen kann.
Cause We Ended As Lovers gibt Wilkenfeld Raum zu glänzen (aber natürlich nicht nur hier); und auf Scatterbrain präsentiert Rebello ein Jazzsolo vom Feinsten. Soll heißen: diese Band besteht nicht nur aus 100% aufeinander eingespielten Könnern, sondern aus Meistern ihres Fachs.
Und 100% aufeinander eingespielt müssen sie sein, um bei Stücken wie Space Boogie oder Stratus nicht den Überblick zu verlieren, wenn Beck aus dem Vollen schöpft und auch sonst jeder zu machen scheint was er will, um dann aber wieder urplötzlich als Band tight zusammenzuspielen.
Ein Highlight ist der BEATLES-Song A Day In My Life. Wie Beck diesen Song bearbeitet, die melodischen Parts auseinander nimmt und mit eigenem verknüpft, macht er genau das, was eine Coverversion eigentlich leisten sollte, in 99% der Fälle, die ich gehört habe, aber nicht tut: Dem Song ein neues Eigenleben einzuhauchen, ohne ihn unkenntlich oder lächerlich zu machen, aber somit auch neu zu erfinden.
Cause We Ended As Loves zeigt Beck von der lyrischen Seite, Behind The Veil ist wie gesagt ein Reggae, bis JB in der Mitte zusammen mit Vinnie die Zügel anzieht und das ganze hardrockig mutiert; aber auch hier findet die Band wieder zusammen, und vom eben noch wilden Rockgeballer gleitet Beck mühelos in ganz weiches, sanftes Spiel.
Goodbye Pork Pie Hat / Brush With The Blues beginnt mit einer Verbeugung vor der Jazzgröße Charlie Mingus, um dann eben dem Blues zu huldigen. Aber wie! Eric, Johnny, BB und wie ihr alle heißt - hier kommt ihr, was die Intensität und Virtuosität des Gitarrespiels angeht, aber auch nicht ansatzweise ran.
Und auf der ganzen CD wird nicht ein Wort gesungen! Wie heißt es im Booklet: Normalerweise mag ich No-Speak CDs nicht; aber wenn ich Beck zuhöre, habe ich das Gefühl, er singt mit seiner Gitarre. So ist es.
Leute, das ist absolut infektiös - tut euch den Gefallen und holt euch diese CD. Nein, das ist nicht nett, kein geiles Riff nach dem anderen; oder auch nur ansatzweise mitpfeifbar (oder lenkradtrommelbar) - und oft denkt man: "Was ist denn das nun für ein zusammenhangloser Mist?", aber wenn es in letzter Zeit eine CD gab, auf die 'It grows on you' zutrifft, ist es die hier. Sie ist bloß nicht anytime, anyplace, anywhere.
Wenn Eric Clapton jemals Gott war, ist uns Jeff Beck als Shiva erschienen. Das ist jene Göttlichkeit mit den vielen Armen, die einer auch braucht, wenn er so wie Beck Gitarre spielen möchte. Inzwischen ist Herr B. auch schon ein mittlerer Sechziger, der seit Jahren weder mit Veröffentlichungen um sich wirft noch Farbe in seine Haare schmiert, so kohlrabenschwarz wie er nun mal schon immer ist…
Im Grunde hat man seit dem abgefahrenen Album "Jeff Beck's Guitar Shop" mit Tony Hymas (Bass) und Terry Bozzio (Drums) aus dem Jahr 1989 nicht wirklich sensationelle Dinge mehr vom Meister gehört, ab und an mal vereinzelte Konzerte und Studioaufnahmen ("Jeff" war 2003 nicht übel, aber am Schluss doch belanglos), die üblichen Grammy Awards und beizeiten ein eher gelangweiltes Interview in einer Fachzeitschrift, bei denen es oft mehr um seine Obsession als Autoschrauber als um Musik ging. Vor etwa zwei Jahren gab es glatt ein Duett mit Kelly Clarkson, dem Pummelchen aus "American Idol". Nun ja, der Opa von ZEPPELIN hat sich die hübschere Duettpartnerin ausgesucht, aber wenn Beck eben nicht ganz in Rente gehen möchte, soll er halt tun was er nicht lassen kann. Meinethalben auch eine Woche im ollen Ronnie Scott's Jazz Club in London spielen. Aber warum daraus gleich eine CD (und demnächst DVD) entstehen muss, sei dahingestellt.
Klar ist natürlich, dass man Jeff Beck schon lange nicht mehr mit dem innovativen Crossover-Genie aus den Sechzigern und Siebzigern vergleichen kann, schon gar nicht mit dem Hardrocker bei BECK, BOGERT & APPICE, der weder vor Jazz noch Funk noch "banalem" Rock & Roll bzw. Blues zurückschreckte. Maestro Beck hat sich längst zu einem Guru entwickelt, der seinen Jüngern ganz klar zu verstehen gibt, dass es ihm völlig egal ist, ob sie sein Treiben verstehen oder nicht. Die Intellektuellen im Ronnie Scott's spielen jedenfalls brav mit und applaudieren angemessen würdevoll - für Ekstase dürften die Herrschaften vermutlich zu betagt gewesen sein.
In den 70 Minuten erwartet den Hörer eine Technikparade auf allerhöchstem Niveau, auch wenn man manche Läufe seinerzeit im "Guitar Shop" vermeintlich beseelter gehört zu haben meint (Big Block). Dass Terry Bozzio das Ding damals wesentlich brutaler zusammenprügelte ist Nebensache, Vinnie Colaiuta ist ein "sensiblerer" Trommler, rhythmisch und von der Dichtigkeit seines Spiels natürlich vollkommen ebenbürtig. Nur Becks Feedback-Spielereien waren vor 20 Jahren weniger simpel. Auch bei Scatterbrain scheinen ein paar Feinheiten in seinem Gehudel abhanden gekommen zu sein, jedenfalls wenn man es mit der 75er "Blow By Blow" oder noch besser mit der völlig abseitigen Version auf der Live-LP mit der JAN HAMMER GROUP von 1977 vergleicht. Die Strafe der Notenzähler wird mich treffen, vermutlich zu Recht, denn wie will ein bekennender QUO-Fan Kritik an einem wie Beck üben. Es fällt aber auf, schließlich haben auch Boogie-Prolls Ohren.
Die eigentliche Kritik ist ohnehin eine ganz andere, da spielen ein paar leicht anders arrangierte oder vergessene Töne gar keine Rolle, "Performing This Week… Live At Ronnie Scott's" hat nämlich folgendes Problem: Dem großen Meister Jeff Beck fehlt nicht nur jegliche neue Idee, er schafft es auch, als einziger in der Band seine Parts absolut gefühlskalt wirken zu lassen. Jason Rebello verlegt flauschige Keyboardteppiche oder rutscht beschwingt übers Piano, Colaiuta streichelt seine Becken und Toms machtvoll und dynamisch, und die Bassistin fällt nicht negativ auf - ist natürlich einem Tony Hymas zwangsläufig unterlegen und kann den Druck des Tim Bogert nie erzeugen - und macht einen prima Job, darf den funky Groove in Jan Hammers You Never Know aber leider nicht durchspielen. Beck jedoch schockgefriert zum Beispiel Lennons (ja doch, auch McCartneys) A Day In The Life für alle Zeiten, damit es in Jahrtausenden wie der Ötzi wieder entdeckt werden kann. Es hilft keine elegische Verlangsamung, keine liebevolle Verabschiedung ans Publikum, der artifizielle Beck-Sound macht (mich) im Jahr 2009 nicht mehr glücklich, längst gibt es zu viele andere Saitenhexer von jenseits allen Gefühls, da braucht man dies hier nicht auch noch. Und Billy Cobhams Stratus ist im Original auch besser, da spielt nämlich Tommy Bolin die Gitarre - und der war Rocker. Ätsch.
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