HoR Logo kl Buch-Review:

Frank Goosen

So viel Zeit

Logo Home-of-Rock
Startseite > CD-Reviews > Frank Goosen > So viel Zeit

So viel Zeit
So viel Zeit, Heyne Verlag, 2009
ISBN: 978-3-453-40582-0
Umfang: 350 Seiten, Taschenbuch
Preis: 8,95 Euro

Kann ein Buch mit einer Gitarre auf dem Cover ganz schlecht sein? Ja? Falsche Antwort - beantworte die Frage noch einmal!
Nein? Richtig, weiter zur nächsten Frage.
Kann ein Buch über eine Gruppe von 40-jährigen, die eine Band gründen, schlecht sein? Ja? Schon wieder die falsche Antwort - beantworte die Frage noch einmal!
Nein? Richtig, weiter zur nächsten Frage.
Kann ein Buch, das einige der wichtigsten Tracks der Rockmusik zitiert, eine gute Lektüre sein? Ja? Richtig, gut aufgepasst. Weiter zur nächsten Frage. Nein? Ey, bist Du Musiklehrer oder was? Beantworte die Frage noch einmal und pass auf!
Kann ein Buch, das drei obergeile Konzertbeschreibungen enthält, Zeitverschwendung sein? Ja? Du meine Güte, zur Strafe beantwortest Du alle Fragen noch einmal!
Nein? Du hast alles richtig. Zur Belohnung darfst Du Dir das Buch kaufen!

Über so ein Buch stolpert man am Bahnhof, wenn man mal wieder auf den ICE nach München oder sonst wohin wartet. Auf einem weißen Untergrund prangt eine schwarz-braune Gitarre, und wenn man mit dem Finger über das Cover fährt, fühlt man die Saiten der Gitarre. Gesehen, Klappentext über Rockband gelesen, gekauft.
Ich will jetzt hier keine Literaturrezension der oberakkuraten Art starten - hunderte Freizeitrezensenten haben das schon auf den entsprechenden Seiten im Netz gemacht. Es geht letztlich um das Schicksal von fünf Jungs, die mit 40 feststellen, dass es so irgendwie nicht weiter geht, und dann ihr Leben ändern um eine Rockband zu gründen; einen Roadie finden sie beim Instrumentenkauf. Und es geht um die mit diesen Personen verbundenen Frauen und Kinder, und wie die Entscheidung eine Band zu gründen ihr Leben ändert, Happyend of sorts eingeschlossen. Vor allem aber geht es um Doppelkopf - hier jetzt weniger interessant - und Rockmusik.
Weshalb ich jedem, der klassische Rockmusik mag, dieses Buch nur wärmstens empfehlen kann, ist, dass drei Konzerte so einfühlsam beschrieben werden, dass man in jeder Sekunde denkt, man steht mit den Jungs auf der Bühne und ist Bulle hinter den Drums, Ole an der Gitarre oder Konny am Bass. Man sieht die Scheinwerfer, fühlt die Emotionen des Publikums und wie sie auf die Band wirken. Das ist prima gemacht und macht einen Heidenspaß beim Lesen. Außerdem fühlt man schon nach wenigen Seiten mit den Jungs und ist eingefangen in ihren Leben; einschließlich der Hoffnung, dass alles glatt gehe mit ihren Liebschaften und ihren Problemen. Außerdem ist da noch das Wiedersehens-Klassenfest nach 20 Jahren; und jeder, der das schon mal mitgemacht hat, wird sagen: Goosen, Recht haste, so (oder so ähnlich) war's.

Große Literatur? Wahrscheinlich nicht. Und?
Eins der Bücher, die dazu verleiten, weitere von dem Autor zu lesen? Ja, und das ist doch auch schon eine Empfehlung. Mag sein, dass manches holzschnittartig ist, aber dass die Figuren nicht zum Leben erwachen ist sicherlich nicht der Fall. Man möchte gerne bei der Band mitspielen, die ihren Set auf dem genannten Klassenfestkonzert (und damit endet auch so ziemlich das Buch) mit diesem Song beenden: "Ratet mal, wer heute zurückgekommen ist! Die Jungs mit den wilden Augen, die so lange weg gewesen sind! Sie haben sich nicht verändert, wissen nicht viel zu sagen, aber Mann, diese Typen sind immer noch großartig. Die Jungs sind zurück in der Stadt."
Kaufen!

Dietrich Gastrock, (Artikelliste), 03.04.2009

Sagt uns die Meinung zu diesem Artikel oder ergänzt oder verbessert ihn:

Startseite > CD-Reviews > Frank Goosen > So viel Zeit

 
© Home of Rock 2001 - 2008, Impressum