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Fallen Silver

Blood In Blue Eyes

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Blood In Blue Eyes
Blood In Blue Eyes, Eigenvertrieb, 2007
Doug Nekic Lead Guitar
John Duffy Drums
Tony Vulic Rhythm Guitar
Mick Garside Bass
Matt Chambers Vocals
Gast:
Steve 'Uncle' True Harmonica (Porcelene)
Produziert von: Fallen Silver Länge: 42 Min 38 Sek Medium: CD
1. East L.A.7. Porcelene
2. Loaded Gun8. Insecure
3. Blood In Blue Eyes9. Sunsets
4. Fire Walk With Me10. Vamphyres
5. Leave This Town11. Pissing On The Poor Man
6. Snake Eyes

Es sind Australier. Los, zieht die Mundwinkel nach oben und freut euch!
Obwohl im Bandinfo selbstverständlich AC/DC erwähnt sind, und verblüffenderweise auch die BLACK CROWES, muss man der seit 2004 existierenden Band FALLEN SILVER einen anderen Namen als Pate zur Seite stellen: THE ANGELS. Und damit sind wir bei einem dunklen Kapitel europäischen Musikverständnisses, sind doch diese ANGELS (auch ANGEL CITY oder ANGELS FROM ANGEL CITY tituliert) bei uns niemals über den Status einer Insiderband hinausgekommen. Natürlich, sie wurden falsch vermarktet, waren nie ein AC/DC-Klon, wenn auch der erste Plattenvertrag über Malcolm Young und Bon Scott zustande kam, aber sie haben eine lange Reihe großartiger Songs und LPs geschaffen, grandiose Auftritte in hiesigen Clubs vor minimalster Zuschauerzahl geboten, und jede Menge Ratlosigkeit hinterlassen, nachdem man von Besetzungswechseln, Unfällen, Depressionen und Auflösungen lesen musste. Aktuell gibt es die ANGELS offenbar wieder in annähernd Originalbesetzung, aber das ist hier nicht das Thema. "Blood In Blue Eyes" heißt das Erstlingswerk der intelligenten Pub-Hardrocker FALLEN SILVER aus Sydney, dem wir an dieser Stelle huldigen wollen.

Die CD beginnt mit den bemerkenswerten Worten "Welcome! Keep your head down" und der krachenden Sozialstudie East L.A.. Die Marschrichtung ist definiert: Straighter Hard Rock. Aber eben trotz headbangendem Schädel Hard Rock mit Sinn und Verstand und einer ganzen Reihe Boogie-unüblicher Ideen, was FALLEN SILVER meilenweit über beispielsweise ROSE TATTOO hinaushebt.
Der Löwenanteil der Songs ist vom Rhythmusgitarristen Tony Vulic geschrieben, dementsprechend wird man auf "Blood In Blue Eyes" nicht von egozentrischen Gitarrensoli enerviert, sondern konsequent von der ganzen Band vertrimmt. Eine interessante Herangehensweise, die sich in aller Deutlichkeit auch in den Arrangements niederschlägt. Da begeistern zum Beispiel in Loaded Gun zwei versetzt angeordnete Gitarren mit einem eindrucksvollen Stakkato, gefolgt von einem kleinen Angus-Solo genau auf die Kinnspitze und der Gratwanderung des Sängers zwischen fragiler Melodie und nachdrücklichem Gebrüll. Songs wie Loaded Gun waren schon immer rar und könnten auch aus FALLEN SILVER echte Stars machen.
Blood In Blue Eyes beginnt mit akustischer Gitarre und Alt.-Country-Lagerfeuerstimmung, geht moderat rockend über in einen schönen Heavy-Groove und endet in einer brillanten Vocal-Guitar-Auseinandersetzung mit einem Solo, das genau so von THE ANGELS' Rick Brewster stammen könnte. Verblüffend. Doug Nekic MUSS Brewster mit dem Babybrei verabreicht bekommen haben. Ähnliches gilt für Sänger Matt Chambers, der immer wieder wie der junge Doc Neeson intoniert und scheinbare Brüche in seinen Vortrag einbaut. Das hat Klasse. Hoffentlich ist Chambers eine stabilere Person als der hochsensible und schwierige Neeson.
Noch eine Ähnlichkeit mit den Vorfahren ist, dass sich FALLEN SILVER nicht zwanghaft an vorgegebenen Schemata festhalten, sondern auch mal nach New Wave bzw. Power Pop der späten Siebziger klingen. Allerdings immer mit der Option, jederzeit zum 4/4-Boogie zurückzukehren. Entsprechend abwechslungsreich ist "Blood In Blue Eyes" geraten - und bleibt doch immer satter Hard Rock.
Der jammende Blues Rock Snake Eyes (näher an den DOORS als an den CROWES), die Intensivrocker Porcelene und Insecure, sowie der gesanglich leicht überdrehte Powerhouse-Hardrock Sunsets stellen schließlich tatsächlich den Bezug zu den Krähen um die Robinsons her. Wenn die nicht längst in viel banalere Gefilde abgedriftet wären, könnten sie eine ernsthafte Konkurrenz für diese Australier werden…
Noch mal ein hervorragendes Gitarrenspektakel in Vamphyres: Zwei marschierende Rhythmusgitarren, dazwischen ein Solo und ein Percussionteil, die an Alex Harvey und seine Sensationsband denken lassen. Zum Schluss der Rotzrocker Pissing On The Poor Man. Titel, Text und Musik sind so genial aufeinander abgestimmt, dass man erst im dritten Durchlauf wahrnimmt, dass es sich um einen erhobenen und ausgestreckten Mittelfinger handelt. "You ain't gonna piss on me, cause I got my liberty".

Es ist eine Wohltat, dass es wieder eine Band gibt, die durchaus politisch agitiert, von Bono-Predigt und Boss-Klagen meilenweit entfernt ist und dazu noch rattenscharfen Rock & Roll macht. Das hatten wir lange nicht mehr, ergo sollten wir uns kümmern, dass es mit FALLEN SILVER was wird.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 04.08.2008

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