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Glück Auf!
Glück Auf!, Klangwelt Media, 2009
Tom Angelripper Vocals
Detlef "Magic" Lauster Guitar & Vocals
Ralf "Schiri" Schieritz Bass
Stefan "Sys" Schlüter Drums
Länge: 15 Min 10 Sek Medium: EP
1. Das Steigerlied3. Das Steigerlied (Karaoke-Version)
2. Glück Auf Jupp4. Glück auf Jupp (Karaoke-Version)

2010 ist es endlich soweit, dann ist das Ruhrgebiet Kulturhauptstadt Europas. Nun mag man vielleicht nicht meinen, dass an diesem Flecken Erde irgendwas Kultur sein sollte. Dem ist aber so! Die meisten verbinden mit dem Ruhrgebiet so was wie die schwarze Lunge Deutschlands. Das hat auch mal gestimmt, ist aber inzwischen so weit von der Realität entfernt wie der BVB von der Meisterschaft.
Sicherlich hat die Schwerindustrie und der Bergbau nach wie vor hier seine Spuren hinterlassen, aber wenn man sich mal die Mühe machen und einen Heißluftballon besteigen würde, könnte man feststellen, dass im und um das Ruhrgebiet inzwischen so viel Grün zu finden ist, wie Fans vom S04. Wer's nicht glauben mag, sollte im nächsten Jahr dringend einen Besuch der Region der herzlichen und offenen Menschen einplanen. So weit dazu.
Wenn man sich nun auf die Suche nach kulturellen Ereignissen macht, wird jeder was finden. Zum einen gibt es da die "Nacht der Industriekultur", bei der die alten Zechen illuminiert werden und die ganze Nacht im ganzen Ruhrgebiet irgendwelche Aufführungen, Konzerte und Open Air-Kinos stattfinden. Oder man begibt sich in eins der vielen Theater und Schauspielhäuser der Region (z. B. läuft in Bochum seit 1988 das weltweit erfolgreichste Musical an einem Standort, "Starlight Express"). Wer's lieber sportlich mag, findet in jeder Stadt irgendeinen Fußballverein. Und so ganz nebenbei findet man im Ruhrgebiet mehr Fußballvereine als Hamburger im Saarland. Bochum, Dortmund, Schalke, Mönchengladbach, Rot-Weiß Oberhausen, Rot-Weiß Essen, MSV Duisburg um nur ein paar zu nennen. Und so ganz nebenbei findet man mit dem Wittener Fußballclub 1892 den fünftältesten Kickerverein von Deutschland. Womit wir bei einer interessanten Stadt gelandet wären. Nicht nur, dass dort meine Wiege stand, nein, Witten ist auch die Wiege des Bergbaus.

Damit das hier nicht ausartet (immerhin sind wir ein Musikmagazin), spare ich mir weitere schwelgerische Ausführungen - und bringe eine sehr erfolgreiche Band ans Tageslicht (die ganz nebenbei im Keller meiner Grundschule ihren Proberaum hatte): FRANZ K., die mit den beiden Alben "Bock auf Rock" und "Geh zum Teufel" in den 70er-Jahren deutschlandweit für Furore sorgten. Die Jungs zeigten musikalisch, wie die Menschen im "Pott" ticken: hart und herzlich mit dem Herz am rechten Fleck.
Viele andere Bands sind seitdem aus dem Ruhrgebiet ans Tageslicht gekrabbelt und konnten über die Jahre mindestens Achtungserfolge erzielen. Einige hatten das Glück, zur rechten Zeit am rechten Ort gewesen zu sein und auch über die Landesgrenzen bis hinein in die weite Welt ihre musikalischen Ergüsse zu präsentieren. Namen wie Axel Rudi Pell aus Bochum und die Thrash-Metaller KREATOR aus Essen fallen mir ein. Letztere gehören zusammen mit DESTRUCTION aus Baden-Württemberg und SODOM aus Gelsenkirchen zu den bekanntesten Metalbands aus Deutschland. Zu den letztgenannten gehört ein gewisser Tom Angelripper, der, bevor er die Musik entdeckte, unter Tage als Knappe nach Kohle suchte.
Ein Knappe ist jemand, der seine Lehre als Bergmann erfolgreich abgeschlossen hat und/oder Schalke-Fan ist. Beides ist Tom! Genau so wie Detlef Lauster, der regional als der singende Bergmann bekannt ist. Was lag da näher, als anlässlich der Ernennung ihrer Region zur Kulturhauptstadt 2010 ein eigenes Scherflein zur Aufmerksammachung beizutragen [Pott-Deutsch! Red.]. Also musste eine Hymne gefunden werden, die das Ruhrgebiet präsentiert und dazu noch bekannt ist. Nichts passt da besser als Das Steigerlied, das auch von uns Hööööööörbie (der ja eigentlich gar kein "Kumpel" ist) regelmäßig zur Einleitung der anderen Pott-Hymne Bochum benutzt wird und dann deutschlandweit aus vieltausend Kehlen erklingt. Gesagt, getan, noch zwei Kumpels dazugeholt und DIE KNAPPEN waren gegründet.
Mit Das Steigerlied war die Hymne schon vorgegeben, die hier in der Onkel-Tom-typischen Art durch die Boxen röhrt. Rau, ungeschliffen und hart - genauso wie datt schwazze Gold, was Mr. Angelripper früher auf "Zeche Hugo" ans Tageslicht beförderte. Dazu noch mit Glück Auf Jupp ein Lied aus Detlef "Magic" Lausters Feder und fertig war der Vorgeschmack auf das, was da noch kommen wird. Und weil wir im Pott die Leute gerne an allet teilham lassen, hat man beide Songs noch als Karaoke-Version mitgegeben, damit man den Nachbarn seine musikalische Begabung lautstark um die Ohren hauen kann.

Damit der Berufsstand des "Knappen" nicht verschwindet wie die rauchenden Schlote und sich drehenden Förderturmräder, soll dies als Tribut der Jungs verstanden sein. Na dann: Glück Auf!

Friedemann Schmidt, (Artikelliste), 14.04.2009

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