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Devin Townsend Project

Addicted

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Addicted
Addicted, InsideOut Music, 2009
Devin Townsend Vocals, Guitar, Electronics
Anneke van Giersbergen Vocals
Ryan van Poederooyen Drums
Brian Waddell Bass
Mark Cimino Guitar
Gäste:
Dave Young Additional Keys
Susanne Richter Additional Vocals
Länge: 46 Min 51 Sek Medium: CD
1. Addicted6. Resolve
2. Universe In A Ball7. Ih-Ah
3. Bend It Like Bender8. The Way Home
4. Supercrush9. Numbered
5. Hyperdrive10. Awake

Nun ist er endlich da: Der zweite Akt des Devin Townsend-Project-Vierteilers. "Addicted" heißt er und erschienen ist er in Good Old Germany unbeeindruckt an einem Freitag, den 13.
Weil wir beim Home of Rock vielleicht alles sind, aber nicht abergläubisch, esoterisch oder sonst wie sektiererisch verblendet, beeinflusst uns das ungewöhnliche VÖ-Datum weder in unseren Vorurteilen noch in der absolut subjektiven Beurteilung des Outputs.

Schon der Aufkleber auf dem Cover des Covers sorgt für eine Riesenüberraschung. Denn niemand geringeres als Anneke van Giersbergen, so steht's dort geschrieben, ist Teil dieses Projektmeilensteins. Und weiter - im werbeträchtigen Imperativ wird dem Hörer empfohlen, sich für eine spezielle Duett-Sangesdarbietung, oder so ähnlich, bereit zu machen.
Devin Townsend in Zusammenarbeit mit Anneke van Giersbergen - anders und nur mäßig übertrieben ausgedrückt: Das wohl kompletteste musikalische Genie seit Wolfgang Mozart trifft auf die eindringlichste Sängerin seit Maria Callas. Das kann nur spektakulär werden?

Der zweite Teil der DTP Reihe unterscheidet sich vom Eingangswerk "Ki" auf so ziemlich allen Ebenen. Stellte "Ki" eine beunruhigende, neurotische - in weiten Zügen depressive - Symphonie der Dramatik dar, voller Musik am Rande des Wahnsinns, an der man sich nicht satt hören konnte, ist "Addicted" ein eingängigeres, positiveres, in manchen Passagen gar tanzbares (wenn man dieses seit Mitte der 60'er Jahre moderne Gezappel als Tanzen bezeichnen darf) Stück Groove-Metal geworden, an dem man sich nicht satt hören kann.
Der Zauber der zehn Stücke liegt in den Gitarrenwänden, breiter als das kolossale Valles Marineris auf dem Mars, den verstörend schönen Gesängen Annekes im Duell mit dem Wahnsinn Dev Townsends, den treibenden Rhythmen und den infizierenden Melodien und Refrains. Highlights zu nennen ist fast unmöglich, weil die Songs auf einem durchgehend hohem Niveau unterwegs sind. Trotzdem lohnt es sich, exemplarisch drei Stücke herauszunehmen:
Bend It Like Bender beispielsweise könnte eigentlich ebenso gut von WALTARI stammen. Die Elektro-Snippets lassen kaum einen anderen Schluss zu (ebenso wie die beim Titeltrack und bei Universe In A Ball). Darüber hinaus schafft es Devin, einen klassischen Boogie-Riff einzubauen. Eingängige Refrains wie diesen hat man durchaus schon in den 70'er Jahren vernommen, beispielsweise bei "Sport und Musik". Und da sind wir schon beim Kern des Stückes: Mit ein bisschen Fantasie erinnert es tatsächlich an THE SWEET. Unglaublich, aber wahr.
Den Hyperdrive besang Devin bekanntlich bereits, als er im Kostüm des Captain Ziltoid zwischen den Spiralarmen der Galaxis unterwegs war. Diesmal gibt Anneke van Giersbergen dem Song eine ganz besondere Note. Zwar bleibt sie mit der Gesangslinie nah am Original, trotzdem gewinnt Hyperdrive unter ihrer Ägide eindeutig an Klasse. In dieser Form könnte Hyperdrive übrigens locker aus der Feder eines Kärtsy Hatakka stammen.
Awake als letzter Song auf dem Album fasst nochmals all das zusammen, was "Addicted" ausmacht. Die Gitarren metzeln mit gefährlicher Trägheit den Riff hinaus, die Melodie brennt sich direkt in die Festplatte und Devin nebst Anneke zeigen, warum wir so voll des Lobes sind. Wobei Big Dee auch bei Awaken mal wieder in allen Spektren seiner Sangeskunst agiert. Mal schön, mal sanft, mal aggressiv wie ein Metalshouter und dann auch mal mit dem Timbre eines Enrico Palazzo. WALTARI lassen übrigens auch wieder ein bisschen grüßen.
Als unexemplarisches Beispiel wollen wir zum Abschluss noch Supercrush erwähnen. Eröffnet wird es durch ein brachiales Riff, das rechtzeitig zu Annekes nachtigallgleichem Einsatz ausklingt. Was diesen Song so besonders macht, ist der progressive Mittelpart. Dev zeigt eindrucksvoll, wie schön Schräges sein kann. Respekt.

Natürlich wird "Addicted" es sich immer wieder gefallen lassen müssen, mit "Ki" verglichen zu werden. Um darunter einen vorletzten Schlussstrich zu ziehen, sei noch einmal gesagt: Konnte man "Ki" ruhigen Gewissens als "Klingonische Oper" bezeichnen, lässt sich "Addicted" eher als markige Power-Operette klassifizieren.
Die Mutter aller Vergleiche zwischen Teil 1 und 2 der DTP-Reihe muss sich natürlich mit den Trommlern befassen. In den Interviews zu "Ki" merkte Dev an, wie wohlüberlegt er sich seine Schlagzeuger aussuche. Denn schließlich vermag ein jeder eine andere spezifische Energie in eine Band einzubringen. Das wohl größte offene Geheimnis der Magie von "Ki" wurzelte in der Leistung Duris Maxwells. Dieser Knabe hauchte den Songs mit seinem Old Fashion Drumstyle ein verdammtes nivellistisches Ungleichgewicht ein. Seine Power-Blues Anschläge, manchmal ließ er sogar die sich gerade öffnende Hi-Hat seelenruhig ausschwingen, erzeugten eine fast unerträgliche Spannung. Anders auf "Addicted". Der hiesige Schüsselrührer hört auf den Namen Ryan van Poederooyen und ist ein alter Kumpel Devin Townsends. Er favorisiert das High-Energy Drumming, einschließlich flotter Double-Bass-Drum Akzentuierung und weitläufig herumfliegenden Armen.
Die Frage, wer von den beiden besser trommelt, ist ebenso sinnlos wie die nach der Zeit vor dem Urknall. Denn beide geben auf der jeweiligen Platte ihr Bestes. Subsumiert soll das wohl heißen: Dev hat auf "Addicted" bei der Besetzung der Trommel ein ähnlich großes Los gezogen wie auf "Ki".
"Addicted" ist ebenso wenig ein typisches Devin Townsend Album geworden wie "Ki". Vielleicht beweist er mit den 2009er Outputs sogar diese gewagte These: So etwas wie ein typisches Devin Townsend-Album scheint es offenbar gar nicht zu geben. Also Ihr STRAPPING YOUNG LAD- und Devin Townsend Fans dort draußen: Meckert nicht herum, sondern gebt "Addicted" eine Chance!

PS: Es ist schön, Anneke van Giersbergen wieder an den Hochöfen zu wissen (Ihr wisst schon, verglichen mit Agua De Annique!).

Olli "Wahn" Wirtz, (Artikelliste), 16.11.2009


 
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