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Tales Of Destiny

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Tales Of Destiny
Tales Of Destiny, Eigenvertrieb, 2006
Jacob "Jäy" Romankiewicz Vocals
Oliver "Oli" Niessen Guitar
Frank "Tippi" Tippmann Guitar
Matthias "Hirschi" Hirschmann Bass
Stefan "Kolja" Kolke Drums
Produziert von: Destogate Länge: 27 Min 39 Sek Medium: EP
1. Nightmare4. Con Man
2. Pain In The Neck5. Rebel
3. Destiny Of Life6. Hidden Voices

Wenn man über Rockmusik nachdenkt, was ähnlich wie beim Sex eh die falsche Herangehensweise ist, wird man schnell nachdenklich oder gar depressiv. Also ähnlich wie beim Sex. Das Gejammer ist aber unnütz, da hilft alle Philosophie nichts, denn Rock & Roll is here to stay. Zugegeben, wie sich die Sache heute darstellt, hat es mit damals, früher, den goldenen Zeiten nicht mehr viel zu tun, aber 5 Jahrzehnte Stromgitarren, kreischende Sänger und biedere Erziehungsberechtigte verstörende Rhythmen haben so viel kulturellen Schaden angerichtet, dass er nie mehr behebbar ist. Unser Krach ist so bleibend wie Beethoven, Warhol und das Ozonloch, schade nur, dass sich heute kein Aas mehr darüber aufregt. Und was nicht aufregt, findet im Meinungs- und Öffentlichkeitsschatten statt. Doch es gibt Hoffnung, bewahret euren Glauben und leset weiter.

DESTOGATE sind fünf sehr sehr junge Herren aus Brandenburg und machen Metal. Sagen sie jedenfalls. Vier davon haben lange Haare und dem Sänger ziehen wir sie noch auf präsentable Länge. Im Hauptberuf sind die vier Zotteln Schüler, Jäy ist Zivi und steht auf Zahnmedizinstudentinnen. Das muss wohl unter "Perverse Vorlieben von Rocksängern" abgelegt werden. DESTOGATE gibt es seit einem guten Jahr, die Jungs haben aber schon vorher in anderen Bands gespielt und unternehmen nun ihren ersten ernsthaften Versuch, der in dieser knapp halbstündigen EP Ausdruck findet. Außerdem sind sie bemüht, so viel wie möglich live zu spielen, und können auch einige respektable Auftritte vorweisen.
So, und dann zerlegen wir die Burschen doch mal, oder?

1. Der Sound entspricht keinesfalls den Ansprüchen eines Bob Rock. Der hat allerdings vor vier Jahren auch METALLICAs "St. Anger" produziert. Wie viele Millionen sind davon verkauft worden? Soll der Kritiker nach so einem Mainstream-Sounddesaster ernsthaft an einem zu eindimensional abgemischten Schlagzeugsound und dem einen Tick zu leise geratenen Gesang auf DESTOGATEs "Tales Of Destiny" herumnörgeln?
2. Jäy growlt nicht böse genug. Tipp: Drogen, viele Drogen, und noch mehr Alkohol. Das gibt in ein paar Jahren auch gute Pressemeldungen. Außerdem sind die Wellnesskliniken in Kalifornien immer froh über einen desolaten Promi, der sich binnen zwei, drei Wochen publikumswirksam entgiften lassen will. Lies nach bei Spears, Williams, Lohan, Moss, Doherty und all den anderen Totalausfällen. Ozzys Brut inklusive. Ach ja, Freund Hetfield kennt sich darin auch aus.
3. Nicht alle der sechs Songs auf der EP sind kompositorisch bis ins Detail ausgefeilt. So scheint Rebel eher in einem Anfall von Wut entstanden zu sein und nach 50 Sekunden von Hidden Voices mutet der Einsatz des Schlagzeugs leicht verspätet an. Übrigens, kann sich irgendwer an mehr als drei Songs der letzten CD von IRON MAIDEN erinnern?

Musik besprechen macht Spaß. Musik machen macht noch mehr Spaß. Und wenn eine Band wie DESTOGATE mit so viel Enthusiasmus und unüberhörbarem Können an die Sache herangeht, hat auch der Erklärbär und Schreibhörer maximalen Spaß.
Zu definieren wäre dann nur noch die Sache mit dem Metal. Gut, heavy ist das schon, metallisch auch, unüberhörbar beeinflusst von den Größen der letzten, na ja, 20 Jahre sowieso. Aber wenn die Gitarre beispielsweise in Nightmare oder Pain In The Neck zum langen Solo ansetzt bzw. bei Con Man zweistimmig abhebt, hat Opi zwei Wahlmöglichkeiten: Deutsche Krautrocker der härteren Sorte aus den mittleren Siebzigern, oder englische Underground-New Wavler des britischen Heavy Metal aus den späten Siebzigern. Beides dürfte für die Gitarristen Oli und speziell Tippi als Leadaxtmann altersbedingt nicht der primäre Einfluss sein, ergo wiederholt sich einmal mehr die Geschichte der Rockmusik - mehr oder weniger zufällig. Und damit sind wir wieder beim Anfang dieser Geschichte: Rock & Roll ist Sex. Denkt also nicht drüber nach, macht ihn einfach.
Solang es neue Bands wie DESTOGATE gibt, braucht uns nicht Bang sein, diese Kerle richten es schon. Und welcher Rocker möchte später im Altersheim nicht auch so einen Zivi haben, der ihm seine neue CD vorspielt, während er zahnlos mümmelnd sein Graubrot mit Diätkäse vernascht.
Gut gemacht, mehr davon.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 20.05.2007

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