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Dave Moretti Blues Revue

Bluesjob

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Bluesjob
Bluesjob, Eigenvertrieb, 2009
Dave Moretti Harmonica & Vocals
Damir Nefat Guitars
Emanuele Pavone Bass
Alessio Sanfilippo Drums
Gäste:
Maurizio Rosa Baritone & Tenor Sax
Gloria Bianco Vega Vocals (Love On The Phone), Background Vocals
Andrea Preta Lead Guitar (Love On The Phone), Background Vocals (Jump Tha Blues)
Alan Brunetta Percussion (One Way Ticket)
Simone BelLavia Upright Bass (No Man's Land)
Andy Penington Banjo (No Man's Land)
Produziert von: Dave Moretti & Damir Nefat Länge: 38 Min 30 Sek Medium: CD
1. Jump Tha Blues6. Beauty Queen
2. Baby You're Rich7. Who's That Girl
3. One Way Ticket8. Rockhouse
4. Hallelujah I Love Her So9. No Man's Land
5. Love On The Phone10. Up The Line

Aus einer Email von Dave Moretti: "My first intention is really to play the blues in a different way … not because I don't love it, but because today blues is different and I live in Italy and so I can't play the blues in the way of Muddy Waters or Howlin' Wolf! I'm a white guy grown up with the mediterranean culture... so I have to express what I am, not to copy a thing that I can't never reach."

Dieser "white guy" kommt aus Turin und damit aus dem Land Europas, das den Herren Waters und Wolf auf ihre alten Tage ganz bestimmt auch gefallen hätte. Das Zauberwort "mediterran" macht uns Menschen von nördlich der Alpen sowieso ganz wuschig (für die meisten Amerikaner klingt es exotisch), und wenn Italiener Blues- und Rockmusik machen, hören wir (im Home of Rock) sowieso schon seit vielen Jahren ganz genau hin. Grund: Diese Menschen können formidabel kochen, essen, trinken, gut aussehen und Musik machen. Soweit man weiß, konnten die schwarzen Blueser in jeder Hinsicht auch irrsinnig viel verputzen, wo sollte also in Punkto Spaßfaktor der Unterschied sein? Amaro statt Whiskey kann es nicht sein, in passender Menge ist beides identisch "anregend".

Dave Moretti ist uns bekannt als Sänger von SILVERTRANE und Gastsolist bei VOODOO LAKE und zuletzt der allerhöchste Qualität liefernden SHANGHAI NOODLE FACTORY. Das klingt nach halbwegs viel, hat aber noch Dekaden Zukunftsperspektive, denn alle involvierten Musiker bei der DAVE MORETTI BLUES REVUE sind jünger als der älteste noch genießbare Barolo aus dem Piemont (ca. € 500 für einen 1975er Jahrgang). Wir sprechen bei der CD "Bluesjob" sozusagen von der Blues-Riserva für die kommenden Jahre.
Zurückkommend auf Daves Email ("… not to copy a thing that I can't never reach") darf man sich nach dem Genuss von "Bluesjob" zwei Dinge fragen: Was kann der Mann angeblich nicht erreichen und was hat er getan, um "Bluesjob" so wunderbar frisch schmecken zu lassen?

1. To play the blues in a different way
Der erste Song auf "Bluesjob" heißt Jump Tha Blues und nach ca. 12 Sekunden zuckt dem Hörer die rechte Schulter (Linkshänder denken bitte andersrum). Dieser überaus traditionelle - Achtung! - Jump Blues geht anschließend von der Schulter in den Arm in den Magen in die Hüfte ins Bein. Nichts anderes war Sinn und Zweck dieser später Rhythm & Blues genannten Erfindung aus den 1930ern. Allerdings wird der damals übliche Bläsersatz von Moretti und seiner Mundharmonika übernommen und die Gitarre des talentierten Mr. Nefat lässt ein Solo vom Stapel, das Leute wie Brian Setzer reichlich blass aussehen lässt. Herrlich belebend ist das, aber anders als frühere Größen? Nun ja, der Sound ist großartig, offen, räumlich, transparent, aber das kann man im Studio von Simone Ubezio erwarten, der war schließlich auch mal bei VOODOO LAKE.
Baby You're Rich ist von Percy Mayfield, man kennt es in verschiedenen Schreibweisen von verschiedenen Bands, nur besser kennt man es womöglich nicht. Das Wechselspiel von Saxophon, Mundharmonika, Gitarre und dieser höchst schwarzen Stimme lässt staunen.

2. I can't never reach
One Way Ticket hat wieder Saxophon und erstmals tritt die Sängerin Gloria Bianco Vega auf. Mit Verlaub, Signore Rosa bläst der Signora Vega mit seinem Tenorsax derartig unters Röckchen, dass die nur noch erstaunt stammeln kann, das aber außerordentlich sexy. Der gemeinsame Blues-Rap mit Percussionbegleitung und anschließendem Harpsolo gibt der Schönen den Rest, sie steuert schnurstracks auf einen Höhepunkt zu. Da bräuchte es das Bekenntnis Hallelujah I Love Her So gar nicht, denn an die erste Version der britischen BLUES BAND (LP "Ready", 1980) dieser Ray Charles Nummer wird niemand mehr herankommen. Wer die Band um Paul Jones, Dave Kelly und Tom McGuinness damals live erleben konnte, wird zustimmen. Auch Love On The Phone kommt niemals an die reale Variante heran, aber zu guter Letzt erhört das Weib das Flehen der Band und röhrt doch noch kräftig - und bekommt als Dank das Lied Beauty Queen, um danach hemmungslos in die Arme des an die Türe pochenden Kerls zu fallen und, oh Gott, ja, einen schnellen aber heftigen Orgasmus zu "erleiden". Who's That Girl fragt man sich zu Recht, aber dem echten Bluesrocker wird die Entscheidung zwischen Weib und Gesang elend schwer gemacht, denn die BLUES REVUE marschiert längst durch einen Set, der mit der heutzutage viel zu oft gehörten professoralen Noten- und Taktzählerei so viel zu tun hat wie die ersten drei LPs der J. GEILS BAND mit ihrem späteren Popbrei der Achtziger. Nichts. Man höre beispielsweise Rockhouse, ebenfalls von Ray Charles, das so voll von Harp & Guitar ist, dass sich John Geils Jr. und Richard 'Magic Dick' Salwitz heute die Finger danach lecken würden.

3. You got it!
In der Tat, Dave Moretti und seine Blues Revue haben es geschafft. Es ist immer noch Blues, natürlich, was auch sonst, aber es ist der lebende Blues, derjenige, der nicht nur Intellektuelle über 60 glücklich macht, sondern auch junge und sehr junge Menschen begeistern kann, weil er vor Spiel- und Lebensfreude geradezu platzt und, das ist nicht zu vergessen, weil er verdammt gut gespielt ist, ohne sich jemals an instrumentale Weltrekordversuche zu wagen. Wenn sich das mehr Musiker zu eigen machen würden, gäbe es all diese unsäglich langweiligen Blues-Leistungsschauen nicht mehr. Der Welt wäre geholfen und Dave Moretti dürfte nie mehr sagen: I can't never reach. Mit "Bluesjob" erreicht er nämlich viele Herzen. Es ist seit langer, langer Zeit das erste Blues-Album, das man emotional lieben kann und nicht nur rational als gut, mittel oder unnötig einstuft.
Wenn es denn so sein soll, sei hiermit eine neue Musikrichtung ausgerufen: Mediterranean Blues!

PS: Es ist uns übrigens scheißegal wo ein Musiker herkommt, aber Italien ist und bleibt eine gute Adresse. Und das Cover ist außerdem geil. Jetzt lauft euch warm, ihr Frauenrechtler und politisch korrekten Puristen.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 08.01.2010


 
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