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Darryl St. John Band

War Of Blue

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War Of Blue
War Of Blue, Gypsy Tunes Records, 2008
Darryl St. John Guitar, Vocals
Michele McCarthy Vocals
Marc Golde Bass, Keyboards
Zak St. John Drums
Greg Theil Drums (The Station & War Of Blue)
Produziert von: Marc Golde Länge: 44 Min 57 Sek Medium: CD
1. Well, Well, Well6. Revenge
2. I Can't Quit You Babe7. The Station
3. Michele's Blues8. Since I've Been Loving You
4. I Got The Jump On You9. War Of Blue
5. Town Without Pity

Vorab erst mal ein großes Wow. Was Darryl St. John da mit seiner Band gemacht hat, ist nichts weniger als eine Heavy Blues-Rock Scheibe. Das sagt ja noch nichts über die Qualität und auch nicht über die Quantität. Soviel vorweg: Die knapp 40 Minuten waren für meine Ohren durchaus ausreichend. Auch das sagt noch nichts über die Qualität. Nur: Nach 40 Minuten war ich des Hörens satt und brauchte auch für den Rest des Tages keine Musik mehr. Das ist doch eigentlich preisgünstig, die 15,99 Euro, die Just For Kicks für die Scheibe verlangt, reichen für den Rest des Tages.

Darryl St. John spielt Gitarre und singt - das Stück Nummer 9 zusammen mit Michele McCarthy. Den Rest singt Michele. Sie hat von allen Sängerinnen im Southern-Rock- und Blues-Zirkus das härteste Organ. Nicht schrill sondern kräftig, auch in den unteren Partien. Ungefähr so wie einst Janis Joplin, nur sauber. Darryl, von dem ich der Optik nach eine bärbeißige Bassstimme erwartet habe, singt dagegen vergleichsweise normal.
Kennen Sie noch das alte Lied: "Loretta, are you better, are you well, well, well"? Vergessen Sie es schnell. Wenn Michele mit der Darryl St. John Band ihr Well, well, well anstimmt, pustet sie Loretta und ihre Empfindlichkeiten einfach weg.

Darryl St. John ist schon seit den frühen 70ern unterwegs und hat auch fern seiner Heimat im Mittleren Westen der USA seinen Weg macht. Mit "War Of Blue" will er nun zum ersten Mal auch in Deutschland sein Glück versuchen. Schnell wird klar, dass St. John offenbar ein ganzes Leben lang LED ZEPPELIN gecovert hat. Sowohl sein Gitarrenspiel, seine Gesangslinien wie sein Songwriting sind klar an dieser britischen Rockband ausgerichtet. Dazu kommt eine kräftige Portion Blues, Hardrock und eine für Herren in diesem Alter eher überraschende Energie.
Während sich die Rhythmusgruppe zurückhält und kaum auffällt, steht St. Johns Gitarre neben McCarthys Stimme immer im Vordergrund, versemmelt auch hier und da mal ein paar Töne (soviel zum Thema Qualität), aber wir sind ja nicht päpstlicher als der Papst. Nur gehört haben wir es eben doch.
Apropos Rhythmusgruppe: Neben Basser Marc Golde gibt es zwei Drummer. Darryls Sohnemann Zak St. John spielt bis auf zwei Stücke alles, was ihm vor die Flinte kommt. Die anderen beiden Stücke werden von Greg Theil gekonnt betrommelt. Auf dem Backfoto ist aber die ganze Band mit Greg Theil versammelt, während Zak St. John eine ganze Seite im Innenteil für sich allein hat.
Dankenswerterweise greift Bassman Golde bei einigen Stücken auch in die Tasten eines Keyboards. Das nimmt den oft mal schrillen Tönen von Darryls Gitarre die Spitze.

Dass "War Of Blue" trotz der schrillen und bisweilen leicht versemmelten Gitarre Spaß macht, liegt nicht nur an den LED ZEP-Coversongs I Can't Quit You Babe und Since I've Been Loving You und auch nicht am Gene Pitney Schmusesong Town Without Pity, sondern einzig an der Wahnsinnsstimme von Mrs. McCarthy. Die Frau verleiht dem Ausdruck "Rockröhre" wieder neues Gewicht. Dabei schaut sie auf dem Backphoto des Covers so finster und unzufrieden wie alle anderen - und hat am wenigsten Grund zu der Pose. Darryl - okay, weil er sich mehrfach verspielt hat, Marc, weil er zu leise war, und Greg, weil er nur zwei Nummern trommeln durfte. Aber nicht Michele: Sie hat getan, was sie konnte. Ihre Stimme wollen wir noch öfter hören. Mal sehen, ob der Rest der Darryl St. John Band da mithalten kann.

Manfred Hörstmann, (Artikelliste), 10.09.2008

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