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| The Secret Art, Raido Records, 2009 |
| David Blake |
Guitars & Vocals |
| Jeff Wire |
Bass & Vocals |
| Mike James |
Guitars & Vocals |
| John Merritt |
Drums & Vocals |
| Gäste: |
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| Richard Davis |
Piano (Perpetual Emotion Machine) |
| Andrea Meatty |
Additional Vocals (Good For What Ails You) |
| Produziert von: Kevin Valentine |
Länge: 45 Min 41 Sek |
Medium: CD |
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| 1. In Like Flynn | 8. Santa Ana Blues |
| 2. Perpetual Emotion Machine | 9. I Only Miss You When I Breathe |
| 3. If You Will Not When You May (You May Not When You Will) | 10. The Edge |
| 4. Holly Fenton | 11. V For Vendetta |
| 5. Interlude | 12. Secret Rulers (Of The World To Be) |
| 6. The Days Are Just Packed | 13. Good For What Ails You |
| 7. A Special Place | 14. Hikikomori (Live As Though The Day Were Here) |
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Es trifft sich gut, dass mit "Sonic Boom" gerade ein tolles neues Album von KISS in den Läden steht, denn damit haben wir den direkten Vergleich zwischen dem frischzellengekurten Original und einer Band, die dem großen Vorbild ganz offen und nicht ohne Augenzwinkern huldigt. DAME FORTUNE nennen sich die vier nicht mehr ganz jungen Männer aus Los Angeles und legen mit "The Secret Art" bereits ihr drittes Album vor.
Es ist sonnenklar und gleichzeitig schade, dass solche "neuen" Bands wie DAME FORTUNE heutzutage keine faire Chance mehr haben, denn einerseits sind sie hoffnungslos altmodisch und viel zu erwachsen für die von dynamischen Jungmanagern (und/oder alten Vollidioten) bestimmte Industrie, andererseits machen genau diese leicht angejahrten Typen richtig gute Musik und sind, falls sie nicht von Drogen demoliert wurden und grundsätzlich Grips in der Birne haben, immer für einen guten Spaß zu haben.
Sieht man sich die Fotos im Booklet von "The Secret Art" an, hat man schon das erste Grinsen im Gesicht. Ein mittelalterlicher Schlossherr (da ist bestimmt Vampirismus im Spiel), ein Pirat (nur Johnny Depp macht dümmere Grimassen), ein Raumfahrer (Raumschiff Orion lässt grüßen) und ein hammerblöd dreinguckender Safari-Heini stellen die Charaktere dar. Genau so macht man Low-Budget-Kinderfasching mit Hintersinn. Im ersten Moment erwartet man danach Musik im Stil von SPINAL TAP oder J.B.O., aber DAME FORTUNE (der Name findet sich erstmals im 14. Jahrhundert und ist eine Figur der französischen Versdichtung "Roman de Fauvel"; wehe, ein anderes Magazin schreibt diese Info ab) ist keine Persiflage oder Verjuxung. "The Secret Art" ist seriöse Musik, richtiger Hard Rock mit Herz und Verstand.
"The Secret Art" verbindet harten Rock mit der Leichtigkeit eines Boogie-Pianos mit lesenswerten Texten mit der gespielten Düsternis eines menschenähnlichen Fledermausflügelwesens mit der stürmischen Art einer lange vergessenen Band wie THE GODZ. Und dabei (oder deswegen?) ist die Musik so dermaßen unzeitgemäß, dass man sie nur als zeitlos bezeichnen kann. Eine Halbballade wie The Days Are Just Packed, und nicht nur die, könnte ohne Rückfrage aus einem Album einer Arena-Rock-Band wie STARZ, GODDO oder eben den Übervätern KISS stammen. Auch Russ Ballard dürfte sich an der einen oder anderen Komposition von DAME FORTUNE neidvoll delektieren. Es ist herrlich, solche Musik in alter Frische neu zu hören.
Der Leadgesang wechselt zwischen allen vier Bandmitgliedern, wobei Jeff Wire (der Pirat am Bass) einem gewissen Gene Simmons nur wenig nachsteht und Cheffe David Blake einen veritablen Ace gibt - allerdings eine bessere Gitarre spielt (wenn man Ace live und David im Studio vergleichen kann). Diese Melange gibt vollfette Abgeh-Rock'n'Roller wie Perpetual Emotion Machine und If You Will Not When You May (You May Not When You Will). Staunenswerter Einstieg ins Album.
Der Schlagzeuger darf auch und singt leicht atemlos den freundlichen Rocker über die schlimme Holly Fenton.
Als ob man nicht schon tief genug in der Rockgeschichte stecken würde, kündigt das Interlude einen Schritt "way back in time" an. Das bereits angesprochene The Days Are Just Packed kommt dabei heraus. Bis auf die Stimme käme auch BROWNSVILLE STATION, die Band um den verstorbenen 1000%-Rocker Cub Koda, für so einen 160-Sekunden Chartbreaker in Frage. BROWNSVILLE hatten ihren Hit 1974 mit Smokin' In The Boy's Room, DAME FORTUNE wird der Eintritt in die Charts aus businesstechnischen Gründen verwehrt bleiben - der Eintritt in die Herzen mittelalter Hardrocker ist längst vollzogen.
Der Santa Ana Blues hat tatsächlich Bezüge zu GODDO, ob beabsichtig oder nicht, und groovt sich gnadenlos ins Ohr. Ob V For Vendetta dem mutmaßlichen Migrationshintergrund von David Blake, der sich bürgerlich Lucarelli schreibt, geschuldet ist? Egal, man ist zurück in einer Rockdisco des Jahres 1980, ist verwundert ob der vielen geilen Musik die man nicht kennt, und schreibt übers Mischpult schielend seinen Einkaufszettel für den nächsten Besuch beim Plattenladen seines Vertrauens. Diese vier Kerle von DAME FORTUNE haben es wirklich drauf den Hörer anzufixen. Tonnenweise Melodien, Refrains, Chöre und Gitarren satt. Geschmalzt wird nicht, dafür bei The Edge eine Slide geschoben, die den besten Songs von CINDERELLA Ehre macht.
Das textliche Highlight des Albums ist wohl Secret Rulers (Of The World To Be). Leider kann die Musik der Story, in der unter anderem Jimmy Page, Joe Perry, John Lee Hooker, Zorro und Batman auftauchen, nicht ganz folgen. Dafür gibt es mit dem Abschluss Hikikomori (Live As Though The Day Were Here) noch eine richtige Hymne. Groß, ganz groß.
30 Jahre zu spät und doch exakt richtig. Für gute Musik gibt es keine falsche Zeit, "The Secret Art" trifft genau die Zielgruppe, die sich jetzt aus ihren Gräbern erheben sollte. Vielleicht ist damit auch erklärt, warum David Blake etwas von "modern gothic edge" bei MySpace schreibt. Ansonsten kann man von Gothic absolut nichts erkennen auf diesem Album, das seinen festen Platz auf den Party-Playlisten der nächsten Jahre fix hat. Big shot!
PS: Aufgenommen wurde "The Secret Art" übrigens von Kevin Valentine, und der hatte seine Arme, Beine, Finger und Ohren als Drummer, Produzent oder Engineer schon bei Produktionen von KISS, THE GODZ, CINDERELLA und vielen anderen im Spiel. Da haben sich eine handvoll echte Talente gesucht und gefunden. Valentine hat einen angenehm warmen Sound und nicht die heutzutage übliche exzessive Lautstärke aufgrund perverser Datenkomprimierung gezaubert. Dafür gebührt den Herren ein weiteres Danke.
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